Kurztrip

Schon wieder in Addis zurück… Ein echter Kurztrip, aber wir hatten die Chance mit dem Bischof im Auto nach Addis zu fahren, das schien uns vorteilhafter und ungefährlicher als mit dem Bus. Naja, darüber ließe sich inzwischen trefflich streiten. Wir vermuten, dass der Driver des Bischofs ein wenig kurzsichtig ist und schlecht die Distanzen einschätzen kann. Das versucht er, durch die Hupe zu kompensieren, eine von mehreren Möglichkeiten in einem Land, in dem es keine Optiker gibt. Nur die Hupe in diesem alten Toyota-Geländewagen ist ein wenig versteckt unterm Lenkrad. Um das Lenkrad loszulassen, musste er leider immer bremsen. Dadurch dass jeder Hund, jeder Esel, jedes Kind und jedes entgegenkommende Auto wohl schwer in der Breite einzuschätzen war, begleitete uns ein Hupkonzert von Nekemte bis Addis und die Fahrt glich manchmal einem Ritt, weil jedes Hupen mit einem Abbremsen verbunden war.
Aber unsere Mageninhalte waren sehr tapfer und wir konnten die Zeit nutzen, um viel über das Land zu erfahren und noch manche Fragen mit dem Bischof klären. So reisen wir morgen mit einem 10-Jahres-Plan zurück. Vorher steht aber noch ein Besuch bei den Mutter-Teresa-Schwestern auf dem Programm. 

So entspannt können Meetings sein

Wieder Netzwerkprobleme, dafür haben wir wieder Strom, nur noch kein Wasser… Aber was soll’s so freuen wir uns einfach auf die nächste Dusche, die irgendwann mal kommt, auf unserer Reise.

Allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz hatten wir einen richtig erfolgreichen Tag. Zum ersten Mal konnten wirklich klare Schritte in Richtung zukünftiger Strukturen der jungen Gemeinschaft gegangen werden. Heute Nachmittag saßen wir dann sogar alle gemeinsam an der Budgetplanung und konnten gemeinsam eine Bestandsaufnahme machen (die allerdings ernüchternd ausfiel) und gemeinsam die nächsten Schritte planen. Unsere Gespräche waren offen wie nie und es scheint eine Basis der Verlässlichkeit entstanden zu sein.

Und wir haben viel miteinander und über einander gelacht. Zum Beispiel auch über meinen „deutschen“ Vorschlag, die Mitarbeiter, denen sie keinen zum Leben ausreichenden Lohn zahlen können, einfach in Teilzeit zu beschäftigen, damit sie einen weiteren Job annehmen können. Ein ziemlich blöder Vorschlag haben sie mir unmissverständlich, aber wertschätzend beigebracht. Die Arbeiter verdienen nämlich so wenig, dass sie darauf angewiesen sind, im Haus zu wohnen und mit den Schwestern zu leben und zu essen. Bei einem zweiten Arbeitgeber anzuheuern, ist somit unmöglich, wurde mir erklärt.

Tja, nicht einfach eine Lösung zu finden. Aber immerhin, die Schwestern haben das Problem eines Mindestlohns erkannt.

Kaffeezeremonie

Kaffee – erst geröstet...

Kaffee – erst geröstet…

dann zerstampft.

dann zerstampft.

Die traditionelle Kaffeezeremonie zeigt uns inzwischen an, wie willkommen wir sind. In aller Ruhe werden die Blumen im Garten gesammelt und nur scheinbar zufällig auf dem Boden zerstreut.

Wenn dann der Duft von gerösteten Kaffeebohnen durchs Haus zieht wird es Zeit sich zum Schauspiel einzufinden. Die Geräusche der Bohnen, die über die Röstpfanne hüpfen und der Geruch, entschädigen für den Rauch, der durch das offene Feuer im geschlossenen Raum in den Augen brennt. Haben die hellgrünlich-beigen Bohnen ins Braun-Schwarze gewechselt, werden sie in einem großen Holzmörser zerstampft. Dieses Geräusch des gleichmäßigen, kraftvollen Stampfen erhöht die Vorfreude bei den geduldig Wartenden. Denn dann wird bald der Kaffee aufgebrüht. Inzwischen wurde schon das Wasser auf dem offenen Feuer erhitzt. Das Kaffeemehl kommt in eine ganz traditionelle, bauchige Tonkanne und wird immer wieder mit kochendem Wasser übergossen. Der Kaffee wird dann in kleinen Mokkatassen mit viel Zucker serviert – und zwar immer wieder. Je nachdem wieviel Koffein der einzelne Gast verträgt….

Beeindruckend ist aber vor allem die Eleganz, mit der die Frauen diese Zeremonie vollziehen. Egal ob sie im Ess- oder Wohnzimmer eines Hauses, am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Gemeindehalle oder an einer Mauer auf der Straße zwischen Pfützen stattfindet – Eleganz, Grazie und Stolz.

Frauen, die in diesem Land gleichzeitig schwere und schwerste Lasten tragen müssen, während der Mann auf dem prachtvoll geschmückten Muli oder Pony nebenher oder meist vornedraus reitet. Ein rätselhaftes, merkwürdiges Land – für mich!

Erste Gespräche (per SMS)

Nach der langen Reise und ersten wichtigen Gesprächen haben wir heute Abend mit dem Bischof das morgige Schwesternmeeting vorbereitet.

Langsam bekommt das Vorhaben eine reale Perspektive. Auf die Schwestern warten hier so viele Aufgaben. Doch zuerst müssen sie befähigt werden, die Not wahrzunehmen und dann auf kreativen Wegen Linderung zu schaffen.

Und wir müssen lernen, auf ihren Lernprozess zu warten und ihrer Kreativität zu trauen, denn unsere Lösungen wären wohl oft viel zu Deutsch. Spannende Geschichte, so voneinander zu lernen…

Auf nach Äthiopien

Mit gemischten Gefühlen brechen wir für einen Kurztrip nach Äthiopien auf. In den letzten Wochen waren die Nachrichten, die bei uns ankamen, schwer einzuschätzen. Doch nun sitzen wir zwei Frauen auf dem Flughafen in Frankfurt. Im Gepäck neben einer Nähmaschine und unzählige Rosenkränze und brave „Schwesternblusen“ einige sehr konkrete Aufgaben, die – für uns – zum weiteren Wachstum der Gemeinschaft wichtig sind. Ob die Schwestern in Äthiopien ähnliche Prioritäten setzen wird sich zeigen. Wenn nicht, werden wir sicher spannende Aushandlungsprozesse bekommen. Und Hoffnung haben wir eingepackt! Die Hoffnung, dass mit jedem Besuch das Vertrauen wächst, als Basis für gegenseitiges Verstehen.

Eine halbe Nacht in Dar

Wow, wieder eine der seltsamen Begegnungen voller Gastfreundschaft.

Inzwischen sind wir in Dar und haben sehr spontan ein Zimmer für eine halbe Nacht erhalten. Spätestens um 2 Uhr müssen wir zum Flughafen. Eigentlich dachten wir, dass wir die Zeit bis zum Abflug auf dem Flughafen verbringen. Doch nun hat ein Sekretär der tansanischen Bischofskonferenz uns sehr spontan zwei Zimmer besorgt, so dass wir tatsächlich einige Stunden unter einem Moskitonetz verbringen können. Genial, nach diesem Tag!

Irgendwie ist Reisen manchmal anstrengend. Obwohl wir mit dem kleinen Flugzeug ruckzuck in Dar waren – und dabei noch schöne Aussichten von oben auf das Land hatten. Auf jeden Fall sind wir froh, dass wir diese Etappe gut hinter uns gebracht haben. Gott sei Dank!

Abschiedsbesuche

Unsere Antrittsbesuche waren gleichzeitig die Abschiedsbesuche. Nachdem wir nach dem Mittagessen genug von Sitzungen und Meetings hatten, blieb gerade noch Zeit in die Stadt zu gehen und in St. Katharina vorbei zuschauen, bevor es zum Bischof und nach Loreto ging. Aus dem ehemaligen kleinen Altenheim in St. Katharina ist nun ein „Mehrgenerationenhaus“ geworden. In der letzten Zeit wurden immer wieder Kinder vor dem Regionalhaus abgelegt und es war immer schwierig, für diese Findelkinder einen guten Platz zu finden. Nun haben die Schwestern den Impuls aufgegriffen, St. Katharina renoviert, und jetzt leben bei den zwei alten Bibis (Großmütter) zwei Schwestern und zwei Findelkinder. Doch das werden sicher nicht die Letzten sein, wenn man die Lebensbedingungen von Frauen und Mütter hier betrachtet. Fürs erste scheint der Start jedoch gelungen sein.

Das Highlight des Tages war jedoch das Wiedersehen mit den behinderten Kindern in Loreto. Das erste Mal sahen wir das in einen Therapieraum um funktionierten Fernsehzimmer. Es gibt noch viel zu tun, deshalb haben wir vereinbart, bald zu einem Workshop über die pädagogischen Ziele und die Zukunftspläne zu machen.

Verbundenheit

Mitten in unser Schwesternmeeting hinein erreicht uns die Nachricht vom Tod zweier Mitschwestern in Untermarchtal. Vor allem der schreckliche Unfalltod von Sr. Constantia schockt uns alle. Selbstverständlich solidarisieren sich die tansanischen Schwestern mit uns im Gebet. Immer wieder kommt jemand zum „Pole“-sagen. „Pole“ ist das Wort, in das die Tansanier all Ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme legen können, viel einfacher und ursprünglicher als unsere deutschen Beileidbekundungen. Morgen wird Father Binoit die Messe für die Mitschwestern lesen, so werden wir mit Untermarchtal verbunden sein.

Pause für Sr. Coletta und Sr. Hyazintha

Zwischendrin hatten wir alle heute immer wieder ein kurze Pause verdient. Ungefähr 60 Schwestern kamen heute zu unserem Schwesternmeeting. Manche konnten aufgrund der Regenzeit nicht kommen, andere waren Tage unterwegs…

Aber es hat sich hoffentlich für viele gelohnt. Irgendwie kam eine sehr offene Auseinandersetzung mit durchaus kontroversen Meinungen zustande. Stolz berichteten die Schwestern von kleinen Erfolgen seit unserem letzten Meeting. Trotzdem wurde allen heute klar, dass wir noch viele Schritte vor uns haben. Und so wagen wir morgen zuversichtlich den nächsten Schritt.

Ruhuwiko – Kigonsera – Mbinga

Ohne Baustellenbesichtigung durften wir natürlich Ruhuwiko nicht verlassen. Zwischen riesigen Pfützen auf Baubrettern mit alten Nägeln sind wir durch die Baustelle des Gästehauses  balanciert, auf der manche Arbeiter barfuß arbeiten. In der Schreinerei der Schule hatten die gehörlosen Schüler mit ihrem Meister das erste Bett fertig gestellt. Erst nach einem Probeliegen wurde allen Beteiligten klar, dass die nächsten Betten länger werden müssen.

In Kigonsera erwartete uns dann die freudige Überraschung, dass nun alle Teile des Hospitals mit Strom versorgt werden können, dafür ist der Bau des Röntgenraums momentan wegen Geldmangels gestoppt. Während unseres Rundgangs wurde ein kleiner Sarg abgeholt. Ein zehnjähriger Junge wurde gestern von einem LKW angefahren und starb, kurz nach dem er eingeliefert wurde. Gestern war einer der heftigeren Tage in Kigonsera. Neben dem kleinen Jungen starb auch eine junge Mutter, die nach Komplikationen während der Geburt mit massiven Blutungen von einer kleinen Dispensary, natürlich ohne Krankenwagen, nach Kigonsera gebracht wurde. Doch auch da kam jede Hilfe zu spät.

Inzwischen sind wir in Mbinga angekommen und bereiten das große Schwesternmeeting morgen und übermorgen vor.