Grün, rot oder gelb…

…sind unserer Abstimmungskarten. Es sei denn, es muss geheim abgestimmt werden.

Im Laufe der Tage werden wir immer geübter im Fassen der Beschlüsse. Konzentriert aber in guter Stimmung gehen wir Schritt für Schritt voran. Unserer neuen kirchen- und zivilrechtlichen Struktur entgegen.

Einblicke

Die Berichte der letzten zwei Tage über die Situation der Gemeinschaft in Äthiopien, Deutschland und Tansania mit ihren ganz spezifischen Herausforderungen haben uns ein wenig geholfen, Einblicke zu bekommen. Unendlich mehr geschieht aber in den Begegnungen am Rande der Tagung, beim Essen, Spülen, mehr noch beim gemeinsamen Beten.

Hoffen wir, dass wir so eine gute Grundlage gelegt haben, für die nun begonnene Arbeit an den Konstitutionen.

Das ist natürlich zwischendurch auch eine ziemlich mühsame Textarbeit. Mal sehen, wie weit unsere Geduld reicht. Vor allem geht es darum, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und die Texte auch zu beschließen.

Verständigung

Wir sind noch am Ausprobieren, wie wir das am Besten mit unserem Sprachenwirrwarr regeln. Englisch soll eigentlich unsere Kongregationssprache werden, aber manches muss halt auch in Schwäbisch oder in Oromo gesagt werden. Wir merken, dass Verständigung Zeit braucht. Und Offenheit. Nicht nur offene Ohren auch offene Herzen. Der Wunsch, die andere zu verstehen, mit ihren Träumen und ihrer Sicht auf die Gemeinschaft, das Charisma und die Welt ist groß. Das ist schon mal eine gute Grundlage. Und so ringen wir weiter mit den sprachlichen und kulturellen Hürden und hoffen auf kleine pfingstliche Momente.

Voller Eindrücke

Die Tage sind knallvoll. Voller Eindrücke und Begegnungen.

Begegnungen mit den Schwestern und den Kindern gestern in St. Loreto und in St. Katharina. Gestern Abend dann ein Willkommensabend mit vielen traditionellen Tänzen und heute waren wir nun in Mbambabay.

Im gemeinsamen Unterwegssein lernen wir uns auch ein wenig oder besser kennen. Das schafft hoffentlich eine gute Grundlage für die gemeinsamen Diskussionen und Beschlüsse.

Viel passiert…

Inzwischen sind wir schon seit drei Tagen in Mbinga, haben schon einige Einrichtungen gesehen, Schwesternkonvente besucht, sind überall fürstlich bewirtet und mit Tänzen begrüßt worden. Bis morgen haben wir gelernt, dass man auf alle Habari-Fragen (Habari = was gibt’s Neues? Oder wie geht’s?) immer mit nzuri (gut) antworten kann und dass man mit Asante (Danke) und einem freundlichen Hrinsen gar nichts falsch machen kann.

Kurz und gut. Es geht uns gut. Aber es ist auch anstrengend. Immer wieder geraten wir in tiefe Diskussionen über das Gemeinsame und die Unterschiede. Erleben Fremdheit und fragen uns, wieviel Interpretation aus unserer deutschen Erfahrungswelt in unseren Einschätzungen liegt.

Eine sehr spannende gemeinsame Erfahrung.

Kleines Touriprogramm zum Ankommen

Nach wie vor ist es in Daressalam ziemlich heiß und schwül. Deshalb ist zum Ankommen im Land ein kleines Touriprogramm dran. Englische Eucharistiefeier in der Kathedrale St. Josef, danach erst mal kurze Pause, um den Wasserhaushalt aufzufüllen. Dann wagen wir trotz Hitze eine kleine Runde durch die fast menschenleere Stadt. Eigentlich eine gute Zeit,um die Gebäude zu sehen,die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die verschiedenen Stile der Kolonialzeit, die arabischen Einflüsse und die modernen Gebäude wahrzunehmen. Und das in einer Stadt, in der das Leben erst erwacht und bis zum Nachmittag im Gedränge oft kein Durchkommen ist.

Am Abend konnten wir unser Touriprogramm noch auf dem Dach eines Hotels abschließen. Direkt unterm Sternenhimmel mit Blick auf die Lichter der Schiffe im Hafen.

Neue Wege

Ankunft in Dar es Salaam

Nein. Wir haben keinen Vertrag mit irgendeinem dubiosen Softgetränkehersteller, sondern einfach Durst und einen kleinen Hitzeschock nach der Ankunft in Dar es Salaam.

Sie sind also da. Nach einem Nachtflug in Tansania gelandet. Manche Schwestern sind das erste Mal in Tansania. Alle bereiten wir uns auf dieser Reise auch auf das erste internationale Generalkapitel unserer Gemeinschaft vor. Super aufregend.

Für alle Leser:innen, die mit diesen “Klosterbegriffen” nicht ganz so vertraut sind. Ein Generalkapitel ist das kirchenrechtliche Pendant zu einer Delegiertenversammlung. Einige der Mitglieder sind aufgrund ihres Wahlamtes Generalkapitularin, die anderen werden von den Schwestern gewählt.

Gewählt wurden zehn deutsche und zehn tansanische Kapitularinnen. Am Dienstag reisen noch zwei Schwestern aus Äthiopien an.

Weltwassertag

Gestern war Weltwassertag und in Goba erlebten wir eine dieser Wassergeschichten. Goba ist einer der vielen neue Vororte der explodierenden Großstadt Dar es Salaam. Im Moment bauen die Schwestern dort ein Health Center. Das Schwesternhaus steht schon und mit dem Haus wurde auch ein Brunnen gebohrt und die Wasserversorgung sichergestellt.

Aber das konnten wohl nicht alle Leute hier so machen.

Seit Ende Januar hat es trotz Regenzeit nicht mehr geregnet. Gestern kam dann der heissersehnte erste Regen. Inzwischen sind die Flüsse ausgetrocknet und scheinbar haben die meisten Leute, die in der Umgebung der Schwestern ein Haus gebaut haben, entweder ihren Brunnen nicht tief genug gegraben oder das Wasserproblem wird erst am Ende des Baus gelöst. Oder es fehlt einfach das Geld.

Auf jeden Fall kommen jeden Tag unzählige Menschen und holen bei den Schwestern in Kanistern das Wasser. Gegen einen kleinen Betrag, damit die Schwestern den Strom für den kleinen Motor der Pumpe finanzieren können. Auf jeden Fall sind sie nun im Viertel schon bekannt und die Leute warten darauf, dass das kleine Health Center bald eröffnet wird.

Die hundertste Story vom Airport in Songea

Pünktlich kurz nach halb sieben am Morgen waren wir am Airport in  Songea, trafen dort auf Sr. Magdalena und waren auch schnell durch alle Kontrollen durch.

Und pünktlich war auch das eine Flugzeug, dass an diesem Tag kam und uns nach Dar es Salaam bringen sollte  zu hören. Doch dann wurde auf einmal alles wieder still.

Irgendwann kam eine Durchsage, dass das Flugzeug aufgrund des Wetters nicht landen konnte. Es hatte am frühen Morgen heftig geregnet, auf der holprigen Landebahn stand zu viel Wasser in den Schlaglöchern und es war zu neblig und dunkel.

Also flog das Flugzeug weiter nach Mtwara, dann nach Dar, tankte frisch auf und kam wieder zurück nach Songea.

Der Kiosk, den es hier mal gab, konnte sich vermutlich bei drei Flügen in der Woche nicht halte. Irgendwann nach fünf Stunden oder so kam jemand mit einem Kasten Cola oder Fanta und einem kleinen Picknickpaket.

Und so saßen alle ganz zufrieden mit ihrem gekochten Ei, einem Chapati (Pfannkuchen), einem großen Mandazi (Fasnetsküchle) und einem Sambusa (im Fett gebratene Fleischtasche) da.

Unglaublich. Wir, ca. 35 Personen, haben sieben Stunden auf üblen Stühlen gewartet mit Maske in einem kleinen Raum gewartet und niemand, wirklich niemand hat rumgemotzt, sich beim Chef beschweren wollen oder mit dem Anwalt gedroht. Niemand. Unglaublich.

Matimira oder Matimila

Keine Ahnung, wie der Ort nun wirklich heißt. Es scheint nicht so wichtig zu sein. An der Hauptstraße steht ein Schild “Matimila 26 km”. Auch auf den Bussen wird der Ort mit “l” geschrieben. Offiziell heißt er aber scheinbar Matimira. Egal.

Auf alle Fälle haben es die 26 km in sich. Vor allem in der Regenzeit. Wir haben gleich mal eine Stunde gebraucht und das, obwohl es glücklicherweise nicht geregnet hatte. Mit jedem Kilometer nimmt die Einfachheit der Lebensweise zu. Auffällig viele Kinder im Grundschlalter begegnen uns mit großen Holzbündel auf dem Kopf.

In Matimira oder -mila geht es wiederum um die Renovierung des Schwesternhauses. Niemand kann mir sagen, wie alt es ist. Ausser dass es sehr alt ist. Das sieht man an jeder Ecke. Ein klassischer benediktinischer Klosterbau, viereckig um einen Hof oder Garten angelegt, mit diesen alten Dachziegeln gedeckt. Einige fehlen und die Mauern zeigen Nässe. Diese Dachziegel brennt niemand mehr und für ein Blechdach sind die Räume zu niedrig. Das wird zu heiß. Für den kleinen Konvent von sechs Schwestern ist das kleine Kloster viel zu groß. Vielleicht haben sich deshalb so viele Termiten als Untermieter eingenistet.

Es wirkt auf dieser Reise, als passen Häuser, Kultur und Charisma an manchen Orten einfach nicht zusammen. Der Kindergarten und die kleine Haushaltungsschule werden angenommen, scheinbar werden die Schwestern am Ort gebraucht.

Aber Schwestern brauchen auch einen guten Ort zum Leben. Eine Renovierung ist hier wohl keine Lösung. Doch die Station ist eine diözesane Einrichtung. Das bedeutet, dass die Diözese Wohnraum zur Verfügung stellen muss. Müsste.

Ich sehe lange Verhandlungen auf uns zukommen. Puh!