Leben in internationaler Gemeinschaft…

muss wohl geübt werden. Heute war endlich ein wenig Zeit dafür. Zeit, um sich in einem – für einige Wochen wohl provisorischen – Alltag einzufinden. Zum Beispiel üben wir uns im Kochen. Aus wenigen Zutaten entstehen spannende tansanisch-deutsche Kreationen. Und es ist wie immer in solchen Situationen: alle werden satt!

Unsere Mahlzeiten dauern ewig, denn es gibt so viel zu diskutieren, besprechen, lachen, Erinnerungen zu teilen. Beim Frühstück sind wir regelrecht „verhockt“, weil wir endlich Zeit hatten unsere unterschiedlichen Bilder und Blickwinkel auf die gemeinsame Geschichte auszutauschen. Sicher eine wichtige Grundlage, um gemeinsam weiter an der Zukunft zu bauen.

Wir versuchen, gemeinsam das Stundengebet auf Kisuaheli zu beten und auch zu singen. Und wir haben eine sehr bewegende gemeinsame Zeit mit Bibelteilen verbracht. „Jesus begins his ministry“ (Lk 4, 14-21) Der Bogen zu unserer Erfahrung war schnell geschlagen!

Ein guter Tag, der hoffentlich eine Basis ist, auf der aufgebaut werden kann. DANK SEI GOTT!

„Eure Kapelle ist die Pfarrkirche…“

sagt unser Ordensgründer, Vinzenz von Paul den ersten Schwestern. Und so führte unser Weg heute zum Sonntagsgottesdienst in die Pfarrkirche von Kibiko. Dort wurden die neuen Schwestern sofort herzlich willkommen geheißen.

Unser Tag war voll von ersten Besuchen, Kontaktaufnahme mit den Nachbar*innen und Besorgungen… Irgendwie scheint Nairobi voller Gegensätze zu sein. Einer der Nationalpark reicht bis zur Stadtautobahn, die Slums grenzen an die Wolkenkratzer und neben typischen Märkten und Frauen, die direkt an der Straße ihr Gemüse und Obst feilbieten, gibt es riesige Shopping-Malls. Ja, und nebenbei haben wir auch noch Geburtstag gefeiert;-)

Wir sind alle dabei, immer wieder unsere Eindrücke auch gemeinsam zu sortieren, die nächsten Schritte zu besprechen, um sie dann im nächsten Moment wieder zu ändern, weil andere Anforderungen und Anfragen auf uns zu kommen. Was schon richtig gut klappt, ist, mit guter Laune durch das Sprachwirrwarr zu steuern.

„Kann denn ein Anfang armseliger und verheißungsvoller sein…“

so fragte unsere Chronistin 1858, als sie den Anfang der Gemeinschaft in Schwäbisch Gmünd beschrieb. Denn die Schwestern hatten „beim Einzug nur 2 Gulden und 17 Kreuzer und ein leeres Haus. Es gab nur ein vollständiges Bett. Zur ganzen Ausstattung zählte ein Tisch und vier Stühle. Jeder Raum und jedes Zimmer schaute dem Eintretenden leer entgegen„. Tja, manche Dinge scheinen sich in der Geschichte zu wiederholen. Auch uns schaut jeder Raum und jedes Zimmer leer entgegen. Aber! Wir haben Unterkunft im Haus der Kandidatinnen einer indischen Gemeinschaft ganz in der Nähe gefunden. Die Baustelle ist zu Fuß erreichbar und wir konnten heute schon über die Ausstattung der Zimmer und die Farbe der Wände diskutieren. Alles ist ganz schön herausfordernd.

Begonnen hat unser Tag mit einer Eucharistiefeier. Pauli Bekehrung feiert die Kirche heute und wir haben bewusst diesen Tag als Beginn hier in Kenia gewählt, weil er in der Geschichte unserer Gemeinschaft von Bedeutung ist. Der Bischof der Diözese Ngong sprach von „Momenten der Gnade“, die uns manchmal so beflügeln, dass wir neue Wege einschlagen können. Vinzenz von Paul hatte 1617 solch ein Lebensereignis, dass ihn so tief bewegte, dass er sein caritatives Wirken begann. Wir hoffen, dass es auch für uns ein Tag wird, an dem ein neuer, ein guter Weg begann, so dass irgendwann einmal die Chronistin schreiben kann: „kann denn ein Anfang armseliger und gleichzeitig verheißungsvoller sein!“

Wir sind alle Missionarinnen…

… in Deutschland, Tansania, Äthiopien und nun auch in Kenia.

60 Jahre nach dem die Schwestern nach Tansania aufgebrochen sind, fliegen heute Sr. Lucia und Sr. Magdalena von Stuttgart und Sr. Dorothea und Sr. Zeituni von Dar es Salaam nach Nairobi. Wir wagen einen neuen Aufbruch, in ein neues Land und eine neue Aufgabe.

Alles sehr spannend und aufregend, schon unsere Vorbereitungen. Was nimmt man in elf Koffern mit, um einen neuen Haushalt einzurichten? Außer Untermarchtaler Wurst und Alblinsen? Werkzeug? Wasserkocher? Bügeleisen?

In letzter Minute dachte dann ein guter Geist noch an unseren Gemeinschafts-Namenstags-und Todestagskalender!

Sr. Elisabeth, Sr. Anna-Luisa aus Deutschland und Sr. Janeth aus Tansania begleiten die Gruppe die ersten Tage in Kenia. Und wenn wir Internetverbindung haben, können Sie/ könnt Ihr uns hoffentlich auch begleiten. Aber auch ohne Internetverbindung sind wir sehr dankbar fürs Drandenken, Beten und alle Unterstützung.

„Gott ist überall“

Kürzlich konnte ich noch mit Sr. Dorothea Kaffee trinken. Sie kam aus Ilunda. Dort war sie seit einigen Jahren als Krankenschwester und Sozialarbeiterin für die Betreuung der HIV-positiven Kinder im Waisendorf zuständig.
Im neuen Jahr wird sie mit einer tansanischen und zwei deutschen Schwestern in Kenia eine neue Station eröffnen. Sie werden in einem Heim mit Schule für mehrfachbehinderte Kinder und angeschlossener Dispensary arbeiten. Es wird unser erster Konvent in Kenia sein.
Als ich sie fragte, ob sie Angst vor Heimweh hat, antwortete sie cool und gelassen: NEIN. Denn GOTT ist überall und ER wird mir in den Kindern begegnen.
Chapaeu!!! Krass. Was für ein Zeugnis!

Warten!

Warten. Der Sehnsucht in uns Raum geben. Ein entscheidender Moment im Advent. Und auch in Mbinga im Regionalhaus der Vinzentinerinnen ist inzwischen der Advent angebrochen.

Warten hat für mich in Tansania eine neue Dimension bekommen. Beim Besuch eines Krankenhauses erzählte mir der Verwalter, die Ideen der deutschen Architekten zum Bau des Eingangsbereiches. Ein Wartebereich, der den Wartenden verschiedene Möglichkeiten bietet, die Wartezeit zu verkürzen. Zum Beispiel Ecken mit Fernsehern, zum Surfen im Internet oder gar zum Arbeiten.

Joschua, der Verwalter und meine Mitschwestern zwinkern sich zu und lachen. Diese verrückten Deutschen! Ich schaue irritiert.

Ja, wenn wir Tansanier warten, dann warten wir. Da tun wir nichts anderes. Wir machen keine zwei Dinge gleichzeitig. Erst recht nicht warten und arbeiten.

Manchmal möchte ich das auch ausprobieren. Das Warten. Einfach nur warten. Im Augenblick leben. Und auf das Kommen Gottes warten. Der Advent lädt uns dazu ein. In Deutschland wie in Tansania.

Breaking silence – das Schweigen brechen

creating awareness – Bewusstsein schaffen; walking together – miteinander unterwegs sein.

Unter dieses Motto haben wir gestern unsere Startveranstaltung zum Thema Schutzkonzepte für Kinder und andere Schutzbefohlene gestellt. Ernst und ernsthaft, manchmal betroffen und auch schockiert, vor allem aber in großer Offenheit und in guter Atmosphäre konnten wir unsere Erfahrungen austauschen und an diesem doch schweren Thema arbeiten.

Viele Themenfelder sind angesprochen worden, vor allem auch im Bereich sexuelle Gewalt gegenüber Kindern. Manche Tabus hängen noch in der Luft. Dafür muss noch das Vertrauen, Bewusstsein, Mut und Aufmerksamkeit wachsen. Aber…

…der erste Schritt ist getan, ein Projektplan erarbeitet. Ich bin soo dankbar.

Mission heißt aufbrechen…

Innehalten im Freiwilligenjahr. Ein Tag zur Reflexion und zum Austausch mit den Freiwilligen war gestern angesagt. Neben dem Austausch geht es aber auch darum, an solch einem Tag den ganz normalen Alltag miteinander zu teilen. Mit einem Stadtbummel und einem Besuch im Cafe mit richtigem Cappuccino oder einer heißen Schokolade schließt solch ein Tag meist ab.

Mit Dom Helder Camara haben wir die Situation angeschaut:

„Mission heisst aufbrechen,
sich auf den Weg machen,
alles lassen,
aus sich herausgehen,
die Kruste des Egoismus zerbrechen,
die uns in unser Ich einsperrt.

Mission heisst vor allem
sich öffnen für die anderen,
als Geschwister
sie finden
und ihnen begegnen.“

Zwischen Plan und Realität

Nun haben wir also zwei Tage lang unsere Projekte für das nächste Jahr diskutiert, haben um Prioritäten gerungen, wenn wir uns sicher waren, dass auch im nächsten Jahr die Finanzmittel nicht ausreichen werden, haben uns gegenseitige Mut zugesprochen, wenn die Situation zwischendrin aussichtslos erschien und manchmal einfach nur die Zahlen hin und her geschoben.

Was im Nachhinein aber offensichtlich wurde, es ist uns tatsächlich gelungen, über die Frage nach den wirklich Bedürftigen immer wieder ausführlich und lange zu diskutieren. Zum Beispiel haben wir entschieden, dass die Schwestern versuchen, noch klarere Kriterien für die Gewährung der Schulgeldstipendien zu entwickeln, damit es wirklich zu einer nachhaltigen Hilfe der Kinder aus armen Familien kommt. Oder wir müssen die Leiterinnen der Kindergärten noch einmal anleiten, von den Eltern auch Lebensmittel statt Schulgeld anzunehmen. Denn gerade in diesen Bereichen reichen unsere Spendenmittel nicht aus. Zum Beispiel die wachsende Zahl der Kindergärten und die damit verbundene Essensausgabe für die Kinder können wir ohne die Unterstützung der Eltern nicht leisten. Auch die Schwestern, die Sozialarbeit in den Dörfern machen, brauchen dringend eine kleine finanzielle Ausstattung. Auch hier ist noch keine Lösung in Sicht.

Und doch, waren es zwei Tage, in denen der eigentliche Auftrag der Gemeinschaft klar im Mittelpunkt stand. Die Aufgaben haben wir verteilt. Aber – alle wissen, es ist nur ein Plan! Unsere gemeinsame Idee für das Jahr 2020! Die Realität wird zeigen, was wir umsetzen können, was auf der Strecke bleiben wird und welche unerwarteten Herausforderungen neue Ideen von uns fordern. Aber nach dieser gemeinsamen Erfahrung gehen wir hoffnungsvoll ins neue Jahr.

Einen Überblick bekommen…

Haushaltsplanungen dienen unter anderem dazu, sich einen Überblick zu verschaffen, um dann mehr oder weniger sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

So sitzen wir hier in Mbinga zusammen über den Zahlen, diskutieren die Projekte, hören von den Problemen der Schwestern in den Konventen, den Sorgen des Leitungsteams und vieles mehr. Jedes Jahr bin ich dabei überrascht, wie viel wir dabei auch voneinander lernen. Manchmal erschreckt es mich fast, wie sich Realität durch Zahlen abbilden lässt und wie entscheidend es ist, diese Realität in sinnstiftender Weise abzubilden.

Dieses Jahr quälen wir uns mit zunehmenden Steuerabgaben und der steigenden Inflationsrate im Land. Es scheint, als „fressen“ uns die staatlichen Eingriffe und die gesellschaftlichen Veränderungen in Tansania im Moment alle unsere kleinen Fortschritte wieder weg. Die wirtschaftliche Situation im Land wird augenscheinlich wieder schwieriger. Hier in der Region sind die Menschen unter anderem stark vom Kaffeepreis abhängig. Im Moment erhalten die Kaffeebauern kaum Geld für ihre Kaffeeernte und können für das Schulgeld der Kinder oder die Medikamente nicht aufkommen. Auswirkungen der Globalisierung im Matengo-Hochland.

Der Blick vom Wasserturm in Mbinga von gestern Abend greift unsere Stimmung gut auf. Und doch bleibt die Zuversicht der Schwestern, dass zur rechten Zeit schon die nötige Unterstützung kommen wird.