Selbstversorger

Durch die Buchhaltung war zwar schon lange ersichtlich, dass die Farm der Gehörlosenschule in Ruhuwiko erfolgreich sein muss, denn ca. 160 hörgeschädigte Kinder werden auf diesem Weg satt. Aber als wir heute nun dort vorbei gefahren sind, war ich über die Größe aber auch über den hervorragenden Zustand positiv überrascht. Nur der Pflug, der im Stall steht, kann leider nicht genutzt werden, dazu ist der Traktor zu klein, besser gesagt zu schwach. Doch unser Wissen zum Thema Landwirtschaft und landwirtschaftliche Maschinen in Tansania ist mehr als dürftig. Ich wusste bis heute nicht, dass man zwischen Scheibenpflug und Scherenpflug (oder hieß der anders?) unterscheidet und dass der Scheibenpflug in dieser Region von Vorteil ist.

Doch wie sich auf dieser Reise die Puzzlestücke immer wieder, wie gelenkt, zusammen setzen lassen, fanden wir bei unserem anschliessenden Besuch in Peramiho beim Abt gleich kompetente Unterstützung und Beratung, so dass wir von Sr. Lea sicher bald einen Projektvorschlag bekommen.

Inzwischen sind wir im Regionalhaus angekommen und hatten bereits ein Treffen mit der Regionalleitung und dem Koordinator für das Gesundheitswesen der Diözese. Morgen geht es an den Nyassa-See. Mal sehen, welche Überraschungen uns dort erwarten.

Projektplanung

Planungsmeeting

Planungsmeeting

Sr. Lea

Sr. Lea

Am Thema Projektplanung haben wir uns heute beim Schwesternmeeting abgearbeitet. Am Ende des Tages stellt sich wieder die Frage, ob wir uns so verständigen konnten, dass wir ungefähr wissen, wovon die andere spricht, wenn sie von Projekten, Institutionen und Organisationen spricht. Am Beispiel: Bau eines Krankenhauses haben wir Ziele formuliert und die Schwächen und Stärken der Idee versucht zu analysieren. Es gab ernüchternde aber auch bereichernde Momente. Beeindruckt hat vor allem Sr. Lea, wie klar sie die Anforderungen und Erwartungen der Patienten an ein solches Hospital formulieren konnte. Am Ende war aber allen klar, dass ein weiter Weg noch vor uns liegt.

Eine Diözese vor dem Neuanfang

Zwei Konvente haben wir heute von Ruhuwiko aus besucht und wurden gleich mit den aktuellen – oder endlich offen zu Tage getretenen Problemen der Diözese konfrontiert.

In Matimira trafen wir eine völlig verzweifelte Schwester Tunu an. Seit Januar hat die Diözese den Lehrern der Haushaltungsschule, die sie leitet, kein Gehalt mehr gezahlt. Heute wollte nun der letzte Lehrer, der noch geblieben war, das Handtuch schmeißen. 60.000 Tansania-Schillinge ungefähr 30 Euro im Monat. 120 Euro haben dafür gesorgt, dass Sr. Tunu eine Anzahlung machen konnte und die Schülerinnen nach den Ferien, wenigstens einen Lehrer noch haben.

So leicht geht es in Namabengo, der nächsten Station, jedoch nicht! Dort trafen wir im ehemaligen blühenden Missionshospital eine wahre Ruine an. Solch eine einzige Katastrophe von Krankenhaus habe ich noch nie gesehen. Die Schwestern berichten katastrophale Dinge über das Missmanagement in der Diözese, darüber, wie bei ihnen die besten Matratzen von offizieller Seite einfach abgeholt wurden, wie sie gezwungen werden überhöhte Preise von den Patienten zu verlangen, keine Medikamente stehen mehr im Schrank. Kurz und gut das Hospital wurde innerhalb von 10 Jahren zur Ruine herunter gewirtschaftet.

Mit einer Riesenwut fuhren wir zurück und mussten anschließend zum Antrittsbesuch beim neuen Erzbischof. Nur gut, dass es sich in einer Fremdsprache nicht so gut schimpfen lässt. So gelang es ganz gut, die Wut zu kanalisieren und die Herausforderungen zu thematisieren. Vielleicht waren das erste Ansätze eines Neuanfangs.

Pfingstgottesdienst in der Krankenhauskapelle in Ikonda

Verrückt, am Ende der Welt, auf 2300 Meter, kurz vor dem afrikanischen Graben finden wir ein Krankenhaus mit dem besten Standard, den ich bisher in Tansania angetroffen habe. Sauerstoffanschluss in jedem Zimmer, je ein Ausfallsystem für Wasser und Strom, alle wichtigen Geräte in mindestens dreierlei Ausfertigung, weil eines immer kaputt ist, computergestützte Patientenaufnahme, warmes Wasser in allen Nasszellen, eine funktionierende Wäscherei, eine Apotheke mit eigener Produktion von Wundauflagen und einen 82-jährigen Chirurg aus Italien, der bereit ist, Agnela zu operieren.

Seit ich nach Loreto komme, treffe ich auf Agnela mit traurigem, schmerzverzerrtem Gesicht. Agnela hat verschiedene Fehlbildungen an den Händen, Beinen, der Wirbelsäule. Sie sitzt quasi mit angewinkelten Knien auf ihren Unterschenkeln im Rollstuhl. Verschiedenen Ärzten wurde sie bereits vorgestellt, seit zwei Jahren nimmt sie ständig Schmerzmittel. Ein Mädchen von 12 Jahren. Jetzt endlich wurde festgestellt, dass sie sich wohl vor zwei Jahren eine Oberschenkelfraktur zugezogen hat, die nie behandelt wurde und immer noch instabil ist. Endlich kann ihr wenigstens wegen der Schmerzen geholfen werden.

Ich glaube, sie hat mich heute zur Begrüßung das erste Mal angelächelt.

Begegnungen

Florian, drei Jahre

Florian, drei Jahre

trifft Florian, 30 Jahre

trifft Florian, 30 Jahre

Drei Begegnungen sollen den heutigen Tag beschreiben.

Florian trifft Florian
Florian ist einer der Aidswaisen von Ilunda, seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater gab ihn nach dem Tod der Großmutter im Kinderdorf ab und verschwand. Charmant wie viele 3-jährige buhlte er um unsere Zuwendung und wirkte traurig, als wir ohne ihn abfuhren.

Sandra trifft Father Sandro
Hier im Ikonda-Hospital treffen wir auf Father Sandro, den Leiter des Hospitals der Consolata-Brüder. Wir sind begeistert von seiner Energie, seinen Visionen, seiner Klarheit und spinnen Pläne für die Zukunft. Kooperation und Netzwerkarbeit ist das Stichwort unserer Reise.

Schwester trifft Schwester
Sr. Lucia ist hier und wir liegen uns erst mal glücklich in den Armen. Sie hat drei Kinder aus Loreto hergebracht, bei einem Kind musste nur der Gips gewechselt werden, eines bleibt hier zur Amputation und beim dritten Kind stellen sich nun schwerere Komplikationen ein, die erst morgen geklärt werden können.

Gleich geht es zum Abendessen und der Abend verspricht länger zu werden – mit weiteren spannenden Begegnungen.

Iringa – aus dem Bus

Impressionen im

Impressionen im

Vorbeifahren...

Vorbeifahren…

19 Uhr – und wir sind nur froh, endlich in die Horizontale zu kommen. Ein bisschen mehr als eine Stunde Schlaf gönnte uns der Nachtflug von Addis nach Dar. Dann erprobten wir zwischen halb drei und fünf Uhr verschiedene Schlafmöglichkeiten auf den Bänken vor dem Flughafen, bzw. auf den Koffern, bis wir von Cleofa abgeholt wurden und auf dem Busbahnhof in einen sicheren Bus setzte. Auch hier können zum Thema Sicherheit unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden. Schlafen war aber nur schwer möglich, weil man sich eigentlich festhalten musste und der Fahrer immer wieder das Bremsen vor den vielen Schwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung vergaß. Das hatte zur Folge, dass es uns immer wieder aus dem Sitz hob.

Doch nun sind wir gut im Gästehaus in Iringa angekommen. Andere hatten weniger Glück, unter anderem sind wir an einem verunglückten Getränkelaster vorbei gekommen. Die ganze Gegend roch nach Bier, die meisten Flaschen waren zerbrochen, doch ein Glückspilz hatte noch eine vollständige Kiste gefunden, die er stolz und voll Vorfreude in sein Dorf trug. Dort wird heute Abend sicher gefeiert!

Bei den Mutter-Teresa-Schwestern und Brüdern

“Nahe dran sein an den Armen” (near by the poors) ist ein Diskussionspunkt mit der jungen Gemeinschaft. Wie lernen die jungen Schwestern die Hinwendung zu den Armen, wenn sie selbst gerade erst aus der Armut der eigenen Familie und Herkunft entkommen sind? Vielleicht haben wir heute eine Spur gefunden…

Wir waren gemeinsam bei den Mutter-Teresa-Schwestern und Brüder. Die Schwestern leben und arbeiten in einem Center für kranke Menschen (600 Personen auf engstem Raum). Jeden Tag kommen ungefähr 60 der Ärmsten der Armen. Manche einfach “nur” zum Sterben, manche erhalten eine medizinische Grundbehandlung oder werden ans Hospital überwiesen. Einige mehrfach behinderte Kinder werden vermutlich ihr Leben lang dort bleiben, weil es niemand gibt, der sie irgendwann einmal abholen wird.
Durch das Center geführt, hat uns eine ganz junge Schwester aus Spanien. Sie kam erst im März und spricht nur wenige Worte der lokalen Sprache und doch wurde sie in jedem Raum, in den wir kamen, von den Patienten freudig begrüßt. Sie ist erfüllt von ihrer Aufgabe und strahlt das auch aus. Trotzdem wird klar, wie sehr sie auch mitleidet, vor allem wenn sie erlebt, wie viele kranke und behinderte Menschen von ihren Familien verstoßen werden. Fast täglich werden Sterbende oder (behinderte) Neugeborene einfach vor den Türen des Centers abgelegt. 
Erst als “Tote” sind sie wieder Teil der Familie und werden abgeholt.

Tief beeindruckt waren wir alle – auch gerade die äthiopischen Schwestern – von der Menschlichkeit und Wärme, die dieser Ort alles menschlichen Elends ausstrahlt. Ein guter Ort für die Postulantinnen um in Zukunft praktische Erfahrungen zu sammeln und Vorbilder zu erleben. Einmal in der Woche werden sie nun in Zukunft trotz Unterricht dort hingehen. Wahrscheinlich wird dieser Part eines der wichtigsten Unterrichtsfächer in dieser Ausbildung!

Kurztrip

Schon wieder in Addis zurück… Ein echter Kurztrip, aber wir hatten die Chance mit dem Bischof im Auto nach Addis zu fahren, das schien uns vorteilhafter und ungefährlicher als mit dem Bus. Naja, darüber ließe sich inzwischen trefflich streiten. Wir vermuten, dass der Driver des Bischofs ein wenig kurzsichtig ist und schlecht die Distanzen einschätzen kann. Das versucht er, durch die Hupe zu kompensieren, eine von mehreren Möglichkeiten in einem Land, in dem es keine Optiker gibt. Nur die Hupe in diesem alten Toyota-Geländewagen ist ein wenig versteckt unterm Lenkrad. Um das Lenkrad loszulassen, musste er leider immer bremsen. Dadurch dass jeder Hund, jeder Esel, jedes Kind und jedes entgegenkommende Auto wohl schwer in der Breite einzuschätzen war, begleitete uns ein Hupkonzert von Nekemte bis Addis und die Fahrt glich manchmal einem Ritt, weil jedes Hupen mit einem Abbremsen verbunden war.
Aber unsere Mageninhalte waren sehr tapfer und wir konnten die Zeit nutzen, um viel über das Land zu erfahren und noch manche Fragen mit dem Bischof klären. So reisen wir morgen mit einem 10-Jahres-Plan zurück. Vorher steht aber noch ein Besuch bei den Mutter-Teresa-Schwestern auf dem Programm. 

So entspannt können Meetings sein

Wieder Netzwerkprobleme, dafür haben wir wieder Strom, nur noch kein Wasser… Aber was soll’s so freuen wir uns einfach auf die nächste Dusche, die irgendwann mal kommt, auf unserer Reise.

Allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz hatten wir einen richtig erfolgreichen Tag. Zum ersten Mal konnten wirklich klare Schritte in Richtung zukünftiger Strukturen der jungen Gemeinschaft gegangen werden. Heute Nachmittag saßen wir dann sogar alle gemeinsam an der Budgetplanung und konnten gemeinsam eine Bestandsaufnahme machen (die allerdings ernüchternd ausfiel) und gemeinsam die nächsten Schritte planen. Unsere Gespräche waren offen wie nie und es scheint eine Basis der Verlässlichkeit entstanden zu sein.

Und wir haben viel miteinander und über einander gelacht. Zum Beispiel auch über meinen “deutschen” Vorschlag, die Mitarbeiter, denen sie keinen zum Leben ausreichenden Lohn zahlen können, einfach in Teilzeit zu beschäftigen, damit sie einen weiteren Job annehmen können. Ein ziemlich blöder Vorschlag haben sie mir unmissverständlich, aber wertschätzend beigebracht. Die Arbeiter verdienen nämlich so wenig, dass sie darauf angewiesen sind, im Haus zu wohnen und mit den Schwestern zu leben und zu essen. Bei einem zweiten Arbeitgeber anzuheuern, ist somit unmöglich, wurde mir erklärt.

Tja, nicht einfach eine Lösung zu finden. Aber immerhin, die Schwestern haben das Problem eines Mindestlohns erkannt.

Kaffeezeremonie

Kaffee – erst geröstet...

Kaffee – erst geröstet…

dann zerstampft.

dann zerstampft.

Die traditionelle Kaffeezeremonie zeigt uns inzwischen an, wie willkommen wir sind. In aller Ruhe werden die Blumen im Garten gesammelt und nur scheinbar zufällig auf dem Boden zerstreut.

Wenn dann der Duft von gerösteten Kaffeebohnen durchs Haus zieht wird es Zeit sich zum Schauspiel einzufinden. Die Geräusche der Bohnen, die über die Röstpfanne hüpfen und der Geruch, entschädigen für den Rauch, der durch das offene Feuer im geschlossenen Raum in den Augen brennt. Haben die hellgrünlich-beigen Bohnen ins Braun-Schwarze gewechselt, werden sie in einem großen Holzmörser zerstampft. Dieses Geräusch des gleichmäßigen, kraftvollen Stampfen erhöht die Vorfreude bei den geduldig Wartenden. Denn dann wird bald der Kaffee aufgebrüht. Inzwischen wurde schon das Wasser auf dem offenen Feuer erhitzt. Das Kaffeemehl kommt in eine ganz traditionelle, bauchige Tonkanne und wird immer wieder mit kochendem Wasser übergossen. Der Kaffee wird dann in kleinen Mokkatassen mit viel Zucker serviert – und zwar immer wieder. Je nachdem wieviel Koffein der einzelne Gast verträgt….

Beeindruckend ist aber vor allem die Eleganz, mit der die Frauen diese Zeremonie vollziehen. Egal ob sie im Ess- oder Wohnzimmer eines Hauses, am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Gemeindehalle oder an einer Mauer auf der Straße zwischen Pfützen stattfindet – Eleganz, Grazie und Stolz.

Frauen, die in diesem Land gleichzeitig schwere und schwerste Lasten tragen müssen, während der Mann auf dem prachtvoll geschmückten Muli oder Pony nebenher oder meist vornedraus reitet. Ein rätselhaftes, merkwürdiges Land – für mich!