Werkstätten

Hier ein Blick in die Bäckerei, nach wie vor ein kleines Schmuckstück. Während ich die Tage in verschiedenen Meetings verbrachte, waren Sr. Karin und H. Sigg unterwegs und haben Bauplätze zukünftiger Projekte angeschaut, fertig gestellte Projekte begutachtet und zwischendrin natürlich immer auch die Gastfreundschaft der Schwesternkonvente genossen. Denn ohne Chai darf der Gast das Haus nicht wieder verlassen. Chai, das klingt so nach Tee mit Keksen… Irrtum. Meist steckt eine volle Mahlzeit dahinter. Das kann dann auch mal bedeuten, dass es um 11 Uhr am Vormittag Pizza mit Sambusa gibt, um 13 Uhr Mittagessen, um 15 Uhr Chai mit Spiegelei und Reis und um 17 Uhr im nächsten Konvent Reis mit Huhn, beim Heimkommen am Abend erwartet uns dann das Abendessen. Tja, Gastfreundschaft ist ein hohes Gut. Figurprobleme sind auf diesen Reisen nachrangig anzusiedeln.

#Neuland

Und noch ein Workshoptag. Ganz anderes Thema. Gemeinsam mit den vier Mazlerinnen (Missionarinnen auf Zeit) haben wir auf die erste Phase ihres Freiwilligenjahr zurückgeschaut. „Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen. Dann wird er kommen und Euch mit Heil überschütten.“ (Hos 10,12b)

Neuland waren die ersten Wochen hier in Tansania für die vier jungen Frauen. Es war total bereichernd, die gemeinsamen Erfahrungen zu teilen, am Lernen der jeweils anderen Anteil nehmen zu dürfen, Fragen zuzulassen ohne schnelle Antworten zu geben, Ohnmacht, Trauer und Nicht-Verstehen auszuhalten, um Respekt und Akzeptanz zu ringen, gerade dort, wo Reaktionen an den Einsatzstellen so ungewohnt und anders sind.

Es wird Neuland bleiben das Leben in Tansania, das ganze Jahr hindurch, für die Vier – und für mich auch. Immer wieder.

Für jetzt bin ich einfach dankbar, dass die Schwestern, die Mitarbeiter an den Einsatzstellen, die Kinder und Patienten jedes Jahr aufs Neue bereit sind, sich auf junge Frauen aus Deutschland einzulassen. Es ist eine große Lernerfahrung für alle! Und jedes Mal neu ein Wagnis!

Die Freude aneinander

Was ist wohl anstrengender? Nach Mkenda über die Sandpiste im Jeep zu schaukeln und zwischendurch auch zu rasen oder zwei Tage an den Konstitutionen zur rechtlichen Verfassung der Gemeinschaft zu arbeiten? Unsere Antwort fällt eindeutig aus: die Arbeit an den Konstitutionen. Auch wenn wir zwischendrin immer wieder lachen oder über unsere Ängste und Sorgen diskutieren. Streckenweise ist es doch mühsam, auch mal zäh, aber irgendwie bereichernd. Wir ringen um die richtigen Worte, um gegenseitiges Verstehen, lachen über Schreibfehler und Missverständnisse. Eigentlich freuen wir uns aneinander, merke ich gerade, wenn ich davon erzähle. Und immer wieder schafft es eine von uns, die anderen zu motivieren, Zuversicht auszustrahlen, das Zentrale in den Mittelpunkt zu stellen. Heute war es Sr. Cecilia, die uns bei einer durchaus schwierigen Frage, plötzlich erklärt hat, dass wir keine Angst voreinander haben brauchen, weil Gott jede von uns liebt und den Weg mit uns geht! Und es war in dem Moment alles andere als billiger Trost. Es kam aus ganzem Herzen! Absolut glaubwürdig.

Wo anfangen?

Jedes Mal, wenn wir nach einer ewig langen Fahrt über die Sandpisten an der Grenze zu Mosambik im „Nirgendwo“ von Mkenda ankommen und wie eine Lawine die aktuellen Probleme und Herausforderungen über uns hinwegrollen, denke ich „Wo sollen wir nur anfangen?“. Und die Versuchung, „das schaffen wir nie!“ zu denken, ist riesig. Inzwischen liegen ja auch viele Irrtümer und Fehlversuche hinter uns! Angefangen beim Wasser! Oder dem Bau der Dispensary! Und doch!

Inzwischen hat Sr. Antide mit einer kleinen Gruppe im Kindergarten begonnen, und die Kinder lesen uns schon erste Wörter aus dem Buch vor. Überhaupt, diese Kinder sind solch eine Freude. Gerade weil es so eine kleine Gruppe ist, merkt man die spezielle Förderung der Kinder an.

Aber auch sie wissen schon, dass das Wasser eine der größten Herausforderungen ist. Sie erklären uns, wo sie sich waschen und wie vorsichtig sie mit dem Wasser umgehen müssen. Sie zeigen uns die verunreinigten Brunnen und die kleinen Bäume, die sie gepflanzt haben und die sie mit dem Spülwasser gießen.

Doch es geschieht noch mehr. Seit einer Woche funktioniert die Maismühle, so dass die Leute im Dorf endlich ihren Mais nicht mehr teuer mit dem Bus in die Stadt zum Mahlen und Verkaufen transportieren müssen. Und der Traktor ist auf dem Weg und wird nicht nur auf der Farm sondern auch beim Bau des nächsten Gebäudes helfen.

Aus den Steinen der Dispensary, die die Regierung an einem anderen Platz haben wollte, weil sie dort, wo die Schwestern mit dem Bau begonnen hatten in ferner Zukunft eine Straße bauen will, haben die Schwestern zwei kleine Räume ans Schwesternhaus angebaut, in denen Schwester Joyce nun ihre Erste-Hilfe-Station eingerichtet hat.

Irgendwie geht also was! Unglaublich! Nur das Wasser! Wir brauchen dringend eine Lösung. Dazu kommt diese unglaubliche Hitze.

Angekommen in Mbinga…

Nein, wir sind noch nicht dabei, die Möbel für das Krankenhaus rauszusuchen… aber unser erster Weg in Mbinga führte auf die Baustelle. Wieder einmal haben sich die Baupläne verändert. Die Regierung wollte, dass der Operationsbereich größer wird. Leider sind die Planveränderungen nur im Kopf der handelnden Personen und nicht auf dem Papier. Das wird jetzt gemeinsam nachgeholt. Und sogar so etwas wie ein Zeitplan erstellt. 
Gar nicht so einfach, dieses lange Projekt erfolgreich durchzuführen. Immer wieder geht es darum, unsere unterschiedlichen Bedarfe zu klären. Für ein gutes Fundraising und Reporting an die Geldgeber brauchen wir angepasste Baupläne. Da reicht es nicht,  dass Sr.  Emma alles im Kopf hat. Sr. Emma dagegen hält es für Zeitverschwendung. Da gilt es gegenseitiges Verständnis zu schaffen. 

Langsam wächst das Bild…

Auf dem langen Weg von Iringa nach Mbinga nahmen wir kurz nach Njombe die Abzweigung nach Uwemba. Dort zeigte uns Sr. Gloria eine kleinere und improvisierte Variante des Dream-Projekts. In Uwemba werden seit drei Jahren in einem abgegrenzten Bereich des Krankenhauses 650 Klienten mit HIV betreut. Sr. Gloria ist eine klasse Anwältin des Themas. Voller Begeisterung berichtete sie uns von ihren Improvisationsversuchen, voller Stolz über ihre kleinen und großen Fortschritte – alles verbunden mit großer Dankbarkeit für die Förderung und Unterstützung der Gemeinschaft San Egidio. Sie berichtet von der Freude, die sie erlebt hat, als sie im Herzen des Netzwerks in Rom, die Daten ihrer Klienten auf der kleinen Gesundheitsstation in Tansania im Computer entdeckte. Im Angesicht ihrer Freude und ihres Stolzes auf die Zugehörigkeit zu diesem weltweiten Netz haben wir unsere klassischen Fragen zum Datenschutz u.ä. schnell runter geschluckt…

Auf alle Fälle wächst langsam ein Bild, wie wir das Projekt in Mbinga zum Starten bringen können. Inzwischen sind wir auch gut hier angekommen. Müde und erschöpft. Doch voller Ideen und vor allem herzlich empfangen.

Der nächste Schritt…

… zur Verwirklichung des Traums. Hoffentlich! Mit dem Flugzeug ging es heute Vormittag nach Iringa. Hier haben wir uns noch einmal mit den Verantwortlichen des hiesigen Dream-Projekts für Menschen mit HIV getroffen. Wir haben unsere Baupläne des Krankenhauses in Kihaha mit dem Bedarf des Projekts abgeglichen. Natürlich wäre es schön, in Mbinga eine ähnliche Laborausstattung zu haben. Aber das wird uns nicht ohne Weiteres ganz schnell gelingen. Doch auch hier geht es um die kleinen Zwischenschritte. Morgen werden wir einen kleinen Ableger des Projekts auf dem Weg nach Mbinga besuchen. Nächste Woche werden, so hoffe ich, Verantwortliche aus Iringa zu uns nach Mbinga kommen. So werden wir hoffentlich, Schritt für Schritt an der Verwirklichung des Traumes arbeiten.

2.000 Menschen werden hier in Iringa im Projekt versorgt, betreut, beraten. Die Meisten über Jahre, denn bei einer guten Betreuung und medikamentösen Versorgung steigt auch in Tansania die Lebenserwartung der Menschen mit HIV-Infektion. Es wäre so schön, wenn sich auch in Mbinga die Bedingungen für die Menschen verbessern.

Bauboom in Dar es Salaam

Nicht nur der Flughafen wurde neu gebaut. Überall in der Stadt sind Baustellen, richtig große. Mehrspurige Straßen werden gebaut, das separate Busliniennetz wird weiter geführt, Brücken sind am entstehen und Hochhäuser… Unglaublich, in welchem Tempo die Stadt sich in den letzten Jahren entwickelt.

Und auch die Schwestern bauen. Das Schwesternhaus in Luhanga ist schon seit langem zu klein. Gerade für kranke Schwestern, die hier in Dar es Salaam zur Behandlung sind oder für Schwestern in der Ausbildung, reicht der Platz seit einiger Zeit nicht aus. Mit dem zweiten Hauptstadtkonvent in Segerea wurde ein wenig Abhilfe geschaffen. Doch jetzt ergab sich die gute Möglichkeit, ein Grundstück in einem Vorort zu erwerben. Auf einem Hügel, also nicht im Hochwassergebiet und vor allem weht immer ein wenig der Wind. Das ist gut in der Hitze von Dar.

Geplant ist, mittelfristig eine kleine Dispensary mit einigen Entbindungsbetten zu bauen. Goba wird sicher ein spannender Standort. Auf der einen Seite des Hügels beginnt die wachsende Mittelschicht mit dem Bau netter Häuser, umgeben von hohen Mauern. Auf der anderen Seite entstehen illegale Ansiedlungen aus Wellblechhütten und den Materialien, die eben zu finden sind, Lehm, Gras, Müll… Slums werden vermutlich entstehen. Sr. Zeituni erzählt, dass die Menschen sich freuen, wenn die Schwestern bald herziehen.

Es geht los…

Endlich! Wir sind auf dem Weg. Nach Tansania. Baupläne und den Entwurf für die neuen Konstitutionen in der Tasche. Und natürlich Geschenke, Bestellungen, Notwendiges und Dinge, die Freude machen. Hoffentlich.

Wie immer hat jede/r von uns unterschiedliche Erwartungen, Wünsche und Befürchtungen im Gepäck. Sr. M. Karin reist u.a. mit dem Notebook, den Synopsen und Entwürfen der Konstitutionen in der Tasche, das Kirchenrecht in der deutschen und englischen Version darf natürlich nicht fehlen. H. Sigg wurde von K. Gaissmaier mit unseren vielen Fragen zu den schwierigeren Bauprojekten in Mbinga und Mkenda gefüttert. Und ich? Ich nutze den Flug, um mich ein wenig zu sortieren. Es stehen so viele Themen auf der Agenda, nachdem im Sommer ein Besuch ausfallen musste.
Eure/Ihre Gebete und Gedanken werden uns hoffentlich begleiten!

Nairobi? Kenia? Warum eigentlich?

Zwischen all der Aufregung haben sich manche Leser*innen vielleicht gefragt, warum wir wohl nach Nairobi geflogen sind.

Im vergangenen Jahr kam die Anfrage bei der Ordensleitung an, Schwestern nach Kenia in eine Einrichtung für Kinder mit Mehrfachbehinderungen zu senden. Irgendwie hörte es sich wie eine gute Möglichkeit für die wachsenden Gemeinschaft in Tansania an. Deshalb haben wir uns hier jetzt auch mit Sr. Zeituni aus Tansania getroffen, um die Kontakte ein wenig zu vertiefen und die Aufgabe kennen zu lernen.

Inzwischen haben wir uns eines der schon bestehenden Projekte angeschaut, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen geistigen und körperlichen Behinderungen und wir waren wirklich positiv überrascht über die Arbeit dort. Nur 9 von 120 Kindern können die Primary School im Dorf besuchen. Alle anderen werden entsprechend ihrer Möglichkeiten in vier unterschiedlichen Gruppen betreut.

Entsprechend der begrenzten Möglichkeiten werden die Kinder gefördert und sollen den Kontakt zu ihren Familien nicht verlieren, damit sie jederzeit wieder zurück kehren können. Dazu gehört auch, dass sie auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereitet werden und kleinere handwerkliche Dinge erlernen können.

Bevor diese Einrichtung in der Gegend bekannt wurde, fristeten diese Kinder oft im Haus eingeschlossen und versteckt ihr Dasein. Nun erhalten sie in Mbiuni, St. Marys Rehabilitation Centre Förderung und Betreuung.

Eine wirklich wertvolle Aufgabe!