Die hundertste Story vom Airport in Songea

Pünktlich kurz nach halb sieben am Morgen waren wir am Airport in  Songea, trafen dort auf Sr. Magdalena und waren auch schnell durch alle Kontrollen durch.

Und pünktlich war auch das eine Flugzeug, dass an diesem Tag kam und uns nach Dar es Salaam bringen sollte  zu hören. Doch dann wurde auf einmal alles wieder still.

Irgendwann kam eine Durchsage, dass das Flugzeug aufgrund des Wetters nicht landen konnte. Es hatte am frühen Morgen heftig geregnet, auf der holprigen Landebahn stand zu viel Wasser in den Schlaglöchern und es war zu neblig und dunkel.

Also flog das Flugzeug weiter nach Mtwara, dann nach Dar, tankte frisch auf und kam wieder zurück nach Songea.

Der Kiosk, den es hier mal gab, konnte sich vermutlich bei drei Flügen in der Woche nicht halte. Irgendwann nach fünf Stunden oder so kam jemand mit einem Kasten Cola oder Fanta und einem kleinen Picknickpaket.

Und so saßen alle ganz zufrieden mit ihrem gekochten Ei, einem Chapati (Pfannkuchen), einem großen Mandazi (Fasnetsküchle) und einem Sambusa (im Fett gebratene Fleischtasche) da.

Unglaublich. Wir, ca. 35 Personen, haben sieben Stunden auf üblen Stühlen gewartet mit Maske in einem kleinen Raum gewartet und niemand, wirklich niemand hat rumgemotzt, sich beim Chef beschweren wollen oder mit dem Anwalt gedroht. Niemand. Unglaublich.

Matimira oder Matimila

Keine Ahnung, wie der Ort nun wirklich heißt. Es scheint nicht so wichtig zu sein. An der Hauptstraße steht ein Schild “Matimila 26 km”. Auch auf den Bussen wird der Ort mit “l” geschrieben. Offiziell heißt er aber scheinbar Matimira. Egal.

Auf alle Fälle haben es die 26 km in sich. Vor allem in der Regenzeit. Wir haben gleich mal eine Stunde gebraucht und das, obwohl es glücklicherweise nicht geregnet hatte. Mit jedem Kilometer nimmt die Einfachheit der Lebensweise zu. Auffällig viele Kinder im Grundschlalter begegnen uns mit großen Holzbündel auf dem Kopf.

In Matimira oder -mila geht es wiederum um die Renovierung des Schwesternhauses. Niemand kann mir sagen, wie alt es ist. Ausser dass es sehr alt ist. Das sieht man an jeder Ecke. Ein klassischer benediktinischer Klosterbau, viereckig um einen Hof oder Garten angelegt, mit diesen alten Dachziegeln gedeckt. Einige fehlen und die Mauern zeigen Nässe. Diese Dachziegel brennt niemand mehr und für ein Blechdach sind die Räume zu niedrig. Das wird zu heiß. Für den kleinen Konvent von sechs Schwestern ist das kleine Kloster viel zu groß. Vielleicht haben sich deshalb so viele Termiten als Untermieter eingenistet.

Es wirkt auf dieser Reise, als passen Häuser, Kultur und Charisma an manchen Orten einfach nicht zusammen. Der Kindergarten und die kleine Haushaltungsschule werden angenommen, scheinbar werden die Schwestern am Ort gebraucht.

Aber Schwestern brauchen auch einen guten Ort zum Leben. Eine Renovierung ist hier wohl keine Lösung. Doch die Station ist eine diözesane Einrichtung. Das bedeutet, dass die Diözese Wohnraum zur Verfügung stellen muss. Müsste.

Ich sehe lange Verhandlungen auf uns zukommen. Puh!

Fast 100 Kinder

finden nun in Mkenda einen Ort zum Lernen und stehen singend und tanzend vor uns und erklären uns, wie sie heißen, woher sie kommen und was sie werden wollen. Ärztin, Lehrer, Pilotin oder Präsidentin. Die ganze Welt scheint ihnen offen zu stehen. Dabei ist Mkenda am Ende der Welt. Bis vor wenigen Monaten gab es noch nicht mal ausreichend Wasser.

Das Internat für die Mädchen ist fast fertig. Jetzt geht es an ausreichend Schlafräume für die Jungs. Denn die Warteliste ist lang. Das Fundament für die kleine Dispensary ist gelegt.

Aber auch sonst geht es weiter in Mkenda. Sr. Janeth erzählt uns, dass ein Mann ihr ganz glücklich berichtete, dass er bei der vergangenen Ernte einen ganzen Sack Mais geerntet hat. Sie dachte, dass sie sich verhört hatte und fragte nach. Ja. Einen Sack. Für eine kinderreiche Familie für ein Jahr. Früher waren es drei oder vier Eimer. Das hieß Hunger für viele Monate oder Betteln oder eben von den Früchten leben, die aktuell reif sind. Auch mit einem Sack wird es nicht weit reichen. Aber es sind die ersten Erfolge der Anbaumethoden, die er von den Schwestern gelernt hat.

Für unsere Fahrt nach Mkenda haben wir vorsichtshalber eine Schaufel eingepackt. Vor einigen Jahren sind wir schon mal auf der Strecke im Dreck festgesteckt. Doch in diesem Jahr kamen wir nach vier Stunden Schaukelfahrt glücklich und zufrieden zurück.

Wenn einmal der Wurm drin ist…

An manchen Orten ist einfach der Wurm drin. Namabengo und sein Hospital ist so ein Ort. Eine ehemalige Station der Missionsbenediktiner mit einem Schwesternhaus aus dem Jahre 1959. In den besten Zeiten sind scheinbar Patienten aus Daressalam zur Operation gekommen.

Wir treffen im Hospital tatsächlich zwei Mütter, die in der vergangenen Nacht entbunden haben. Der Entbindungssaal ist auch der einzige saubere Raum. Alles andere ist in einem grässlichen Zustand. Die vielen Zimmer sind leer, die Betten unbenutzbar. Im Flur scheint ein relativ großer Vogel gerade ein Nest zu bauen. Die Spinnenweben zeigen uns, dass das nicht erst seit Kurzem so aussieht. Die Renovierungen vor ein paar Jahren scheinen verpufft zu sein. Die Konflikte mit dem Eigentümer (die Diözese) sind geblieben. Wenn ein Eigentümer nur die Erträge abzieht, ohne zu investieren, bleibt ein Krankenhaus auf der Strecke und mit dem Krankenhaus die Menschen, die auf Versorgung angewiesen sind. In Tansania wie in Deutschland.

Auch das Schwesternhaus ist in die Jahre gekommen, die Fensterrahmen sind verfault, die Scheiben fehlen teilweise, zum Dach regnet es an verschiedenen Stellen rein und die Toiletten funktionieren nicht mehr. Da stehen eindeutig weitreichende Renovierungen an.

Der Kindergarten dagegen wurde immer in Schuss gehalten. Den Kindern scheint es bei Sr. Hifadhi gut zu gehen.

On air…

Während ich noch an der Vorbereitung der Dokumente für das Generalkapitel sitze, besuchen Kerstin und Lea Sr. Tuzo im Studio von Radio Hekima. Wenn der Name Programm ist, hängt die Messlatte hoch. Denn Hekima bedeutet Weisheit.

Radio Hekima ist der diözesane Radiosender und Sr. Tuzo produziert Sendungen vom Rosenkranzgebet über regionale bis internationale Nachrichten zu Themenprogrammen. Heute ging es um Unweltschutz und Müllvermeidung. Während der Sendung kommen über ein Nokia Handy Hörer:innenfragen rein, die sofort zugeschaltet werden.

Der Besuch bot anschließend viel Stoff zur Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit. Sehr, sehr spannend.

In die Zukunft investieren

Es wirkte so, als wären wir in Lipilipili sehnsüchtig erwartet worden. Zumindest war sogar ein Sketch vorbereitet worden, der uns auch ohne Kisuaheli-Kenntnisse die Situation samt ihren Herausforderungen erklärte. Wir haben uns gebogen vor Lachen. Unter den Kandidatinnen verstecken sich wahre Comedians. Ihre Kreativität, Einfallsreichtum und ihre Freude können hoffentlich gut gefördert werden.

Fürs Gruppenbild wurde dann leider alles ganz ernst.

Lipilipili ist neben Farm auch der Ausbildungsort für die zukünftigen Schwestern. Tja, und im Moment platzt das Haus für die Aspirantinnen aus allen Nähten. Im Esszimmer wurden Stockbetten aufgebaut und das Klassenzimmer ist jetzt ein Multifunktionsraum und dient je nach Tageszeit als Gebetsraum, Speisezimmer oder Lernort.

Jetzt sind wir gemeinsam auf der Suche nach Abhilfe.

In die Zukunft investieren

Es wirkte so, als wären wir in Lipilipili sehnsüchtig erwartet worden. Zumindest war sogar ein Sketch vorbereitet worden, der uns auch ohne Kisuaheli-Kenntnisse die Situation samt ihren Herausforderungen erklärte. Wir haben uns gebogen vor Lachen. Unter den Kandidatinnen verstecken sich wahre Comedians. Ihre Kreativität, Einfallsreichtum und ihre Freude können hoffentlich gut gefördert werden.

Lipilipili ist neben Farm auch der Ausbildungsort für die zukünftigen Schwestern. Tja, und im Moment platzt das Haus für die Aspirantinnen aus allen Nähten. Im Esszimmer wurden Stockbetten aufgebaut und das Klassenzimmer ist jetzt ein Multifunktionsraum und dient je nach Tageszeit als Gebetsraum, Speisezimmer oder Lernort.

Jetzt sind wir gemeinsam auf der Suche nach Abhilfe.

Budgetsprenger

Pampers und Milchpulver haut immer richtig rein. Von 38 Kinder tragen zur Zeit 31 Kinder noch Pampers in St. Katharina und für 8 der Kleinsten brauchen die Schwestern zwei Dosen Milchpulver. Damit reicht das Budget hinten und vorne nicht.

Gemeinsam haben wir gerechnet und nach Lösungen gesucht. Zumindest kennen wir nun den Bedarf. Jetzt müssen wir nur noch nach den Geldquellen suchen. Naja. Tutaona (Kisuaheli, Schaun wir mal).

Kleiner Nachtrag: Stoffwindeln sind leider keine Alternative. Schon jetzt sind die Wäscheberge riesig und von den vier Waschmaschinen läuft gerade nur eine. Die drei alten Maschinen hat der Blitz getroffen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Tisch als Zentrum

Wenn wir ins Regionalhaus kommen, wird als erstes dieser Tisch “besetzt”. Hier wird gegessen, geredet, gearbeitet… hier treffen sich Gäste mit Einheimischen und viele unserer Besprechungen beginnen oder enden hier.

Heute ging es um das Thema “Erneuerbare Energien”. Gemeinsam sind wir die verschiedenen Standorte mit ihren spezifischen Herausforderungen und Nöten durchgegangen, um dann mit den Expert*innen an einige Standorte zu fahren und die Situation vor Ort zu begutachten. Gelernt habe ich in den letzten Jahren, dass es um einen sinnvollen Mix verschiedener Energiequellen geht, der abhängig ist von den lokalen Begebenheiten und dem Bedarf. Nullachtfünfzig Lösungen sind rar. Gut ist, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die genau dieses Ziel verfolgen und die Geduld und Zeit mitbringen, eine ordentliche Analyse mit den Nutzerinnen vor Ort durchzuführen.

Montag wird es dann konkret und wir werden Prioritäten setzen müssen, denn wie immer im Leben, nicht alle Wünsche können erfüllt werden.

Mit schwerem Herzen…

haben wir Europa hinter uns gelassen und sind nach Tansania geflogen.

Fliegen ist nach wie vor ein richtiger bürokratischer Aufwand. Ohne ausgedrucktes negatives PCR-Testergebnis mit QR-Code und Einreiseanmeldung keine Chance ein Flugzeug zu besteigen. Alles war bis ins Detail geplant, doch dann hatte der Fahrer der Coronateststation mitsamt den Abstrichen einen Verkehrsunfall. Und plötzlich musste umgeplant werden. Also zum erneuten PCR-Test an den Flughafen. Trotz Stau haben wir es gerade noch rechtzeitig geschafft. Dann mussten wir aufs Ergebnis warten und ein Büro zum Ausdrucken suchen. Auch das hat geklappt. Doch es war kein QR-Code auf dem Ausdruck und die Dame am Schalter wollte keine Ausnahme machen. Quasi in letzter Minute kam dann der “Unfalltest” vom Vortag aufs Handy und mit diesem QR-Code war das Einchecken dann möglich. Quasi in letzter Minute waren wir durch.

Doch die Ereignisse in Europa und insbesondere in der Ukraine sind überall präsent. In Doha am Flughafen berichtete der Sender Al Jazeera ununterbrochen und auch hier in Dar es Salaam kreisen unsere Tischgespräche immer wieder um den Krieg und seine Auswirkungen auf die Menschen. Auch hier steigen die Benzin- und vermutlich bald die Nahrungsmittelpreise.