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Wiedersehen in St. Katharina

Eine kleine Gruppe Kinder aus dem Waisenhaus St. Katharina ist immer im Sonntagsgottesdienst. Nach dem Gottesdienst nahmen die kleinen Mädchen unsere Hand und zogen uns zielstrebig ins kleine „Mezani“, das Speisezimmer für die Gäste. Scheinbar hatte die Messe hungrig und durstig gemacht. Unser Willkommenskuchen fand so erste kleine Freunde. Fasziniert von den Kleinen hätten wir fast unser eigenes Frühstück vergessen.

Wir verabredeten uns dann aber für den Nachmittag. Zweieinhalb Jahre ist es nun her, dass Kerstin die Kinder das letzte Mal sah und sie war einfach überrascht, wie schnell Kinder in zweieinhalb Jahren wachsen, sich verändern – oder eben auch nicht. Vincent ist immer noch der gleiche Charmeur und keine kann so eine „Schnute ziehen“ wie Blandina…

Doch wir trafen auch zwei Neuankömmlinge, besser gesagt drei! Zwillinge mit ihrer Mutter! Sr. Asteria erzählte uns, dass die Kinder vor anderthalb Jahren zur Welt kamen. Doch beide sahen erbärmlich aus. Einer der Zwillinge wirkte wie eines der Kinder auf den Bildern aus einem Flüchtlingslager im Jemen oder im Südsudan – unterentwickelt, unterernährt, krank. Man erkennt es an den Beinen, der Hautfarbe, den Haaren, den Reaktionen, dem Wimmern… Nach ersten Momenten des Schockiertseins beginne ich zu verstehen. Die Mutter hat eine starke geistige Beeinträchtigung und scheint auch nicht fähig zu sprechen, vor allem aber kann sie ihre beiden Kinder nicht versorgen. Nun hoffen die Schwestern, sie wird es in einigen Tagen bzw. Wochen im Kinderheim lernen und dann ihre Kinder zu Hause versorgen. Ich bin inzwischen vorsichtig mit meinen Prognosen in solchen  – scheinbar aussichtslosen – Fällen. Hier können Dinge möglich werden, die für mich unmöglich erscheinen. Aber nun bin ich wirklich skeptisch – und mal wieder hilflos. Wo wird der Weg dieser beiden Jungs wohl hinführen?