Vorglühen

Eigentlich hatten wir für heute einen durchgeplanten Tag – wie meistens halt! Messe – Frühstück – Treffen mit zwei Freiwilligen – Baden am Meer –Besuch in Luhanga bei den Schwestern – Flughafen – nach Hause … und das alles mit Cleofa, meinem Lieblingsfahrer in Dar.

Und hier fing schon das Problem an. Cleofa hatte bei einer Firmung im Chor zu singen und der Gottesdienst dauerte ewig. Also kam ein anderer Fahrer. Leider hatte Cleofa vergessen, ihm zu erklären, dass diese alten Dieselmotoren vorglühen müssen und dass es Sinn macht, nicht immer im dritten Gang anzufahren.
Tja, die Freiwilligen kamen schon viel zu spät an, dann kamen wir zwei Stunden nicht weg. Mehrere Male bekamen wir Starthilfe durch verschiedene andere Fahrzeuge. Irgendwann gelang es ihm tatsächlich beim 10ten Mal Anschieben, das Auto zum Fahren zu bringen. Unterwegs blieben wir dann mitten im Kreisverkehr stehen und die Geschichte begann von vorne.

Immerhin hatten wir Zeit, mit den Freiwilligen aus Südtirol den Arbeitsauftrag zu klären. Sie werden sich mit dem Thema Erziehung in Tansania beschäftigen und uns hoffentlich helfen, die kulturellen Hintergründe und die Vorstellungen zur Pädagogik im Land besser zu verstehen.

Für den Besuch in Luhanga und zum Abholen der zwei Koffer mit Schnitzereien hat es dann nicht mehr gereicht. Als Cleofa uns endlich gefunden hat und das Auto sofort und problemlos – nach dem Vorglühen!!! – ansprang, war es höchste Zeit zum Flughafen zu fahren.

Neben einem Stück Herz blieben nun auch zwei Koffer in Dar zurück.

Doch noch geschafft – jetzt heißt es warten...

Doch noch geschafft – jetzt heißt es warten…

Über den Wolken

Während wir hier über den Wolken Tansanias von Songea nach Dar fliegen, werden in Untermarchtal die Sternwallfahrer ankommen. Und so fliegen meine Gedanken gleich weiter bis ins Mutterhaus. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Besuchs gelingt noch nicht, die Begegnungen sind noch zu präsent, die Gefühle und Rückmeldungen beim Abschied zu stark…

Die Tage vergingen wieder einmal viel zu schnell, waren aber auch so dicht, so voller Eindrücke, Begegnungen, Erfahrungen und Diskussionen mit klaren Ergebnissen, dass es nun auch wieder gut ist, aus dem Abstand weiter zu arbeiten, jede an ihrem Platz.

Jetzt freue ich mich auf das erste Safari (mein Lieblingsbier) auf dieser Reise. Bei den Benediktinern ist es sogar gekühlt. Und vielleicht haben wir Glück und finden in Daresalaam Fussballfans. Dann findet unser Eröffnungsspiel heute Abend statt. Ein seltsamer Ersatz für den Meditationsgottesdienst in Untermachtal.

Luxus – einen ganzen Tag in Loreto zu verbringen

In Tansania sind gerade Schulferien, doch wie immer konnten nicht alle Kinder in Loreto nach Hause. Manche mussten im Internat bleiben, weil sie Firmunterricht in der Stadt haben, manche konnten nicht nach Hause, weil sie dort nicht erwünscht sind oder kein Zuhause mehr haben.

Schon seit Tagen haben die Kinder auf unseren Besuch gewartet, weil sie schon wissen, dass wir Soda mitbringen. Dieses Mal gab es auch noch eine Riesenpackung Haribos. Von Lakritze konnten wir aber keines der Kinder überzeugen. Sie waren mal wieder entsetzt über die Weißen, die so seltsame Sachen essen wie schwarze Lakritzschlangen!

Nicht alle Kinder können in den Ferien nach Hause

Nicht alle Kinder können in den Ferien nach Hause

Natürlich waren wir nicht ausschließlich zum Spielen mit den Kindern in Loreto. Ein Workshop mit den Schwestern stand auf dem Programm. Intensiv haben wir an der zukünftigen Ausrichtung gearbeitet und sind auch einige Schritte weiter gekommen. Aufträge wurden festgelegt, Aufgaben verteilt, Verantwortliche bestimmt und dann werden wir uns im September wieder treffen, um weiter zu arbeiten.

Heute Abend stand noch das Abschlussgespräch mit dem Regionalrat auf dem Programm und morgen treten wir schon wieder die Heimreise an.

Von der starken Brandung zur Firmvorbereitung

Bisher habe ich den Niassa-See oder Lake Malawi immer wie eine riesige warme Badewanne erlebt. Heute war das Wetter nicht wirklich gut und es gab eine richtig starke Brandung. Die Fischer konnten mit ihren traditionellen Einbaumbooten nicht rausfahren und uns hat eine Welle beim Picknick am Strand erwischt und  “flugs” unsere Keksdose geflutet…

Der dritte Stock des Gästehauses steht, nun muss das Dach rauf und wir werden nun doch in dieses Projekt eingreifen und zu einem hoffentlich guten Ende bringen.

Schleppen für den Bischof...

Schleppen für den Bischof…

Ein wenig durchnässt ging es weiter nach Makwai. Dort trafen sich gerade die Firmlinge zur abschließenden Vorbereitung, in den nächsten Tagen ist Firmung und zu den Vorbereitungen gehört selbstverständlich, dass die Geschenke für den Bischof in Form von Materialien hergeschleppt werden –und dies alles auf den Köpfen dieser jungen Mädchen…
Trotzdem sind die Mädchen voller Vorfreude auf ihren großen Tag.

Selbstversorger

Durch die Buchhaltung war zwar schon lange ersichtlich, dass die Farm der Gehörlosenschule in Ruhuwiko erfolgreich sein muss, denn ca. 160 hörgeschädigte Kinder werden auf diesem Weg satt. Aber als wir heute nun dort vorbei gefahren sind, war ich über die Größe aber auch über den hervorragenden Zustand positiv überrascht. Nur der Pflug, der im Stall steht, kann leider nicht genutzt werden, dazu ist der Traktor zu klein, besser gesagt zu schwach. Doch unser Wissen zum Thema Landwirtschaft und landwirtschaftliche Maschinen in Tansania ist mehr als dürftig. Ich wusste bis heute nicht, dass man zwischen Scheibenpflug und Scherenpflug (oder hieß der anders?) unterscheidet und dass der Scheibenpflug in dieser Region von Vorteil ist.

Doch wie sich auf dieser Reise die Puzzlestücke immer wieder, wie gelenkt, zusammen setzen lassen, fanden wir bei unserem anschliessenden Besuch in Peramiho beim Abt gleich kompetente Unterstützung und Beratung, so dass wir von Sr. Lea sicher bald einen Projektvorschlag bekommen.

Inzwischen sind wir im Regionalhaus angekommen und hatten bereits ein Treffen mit der Regionalleitung und dem Koordinator für das Gesundheitswesen der Diözese. Morgen geht es an den Nyassa-See. Mal sehen, welche Überraschungen uns dort erwarten.

Projektplanung

Planungsmeeting

Planungsmeeting

Sr. Lea

Sr. Lea

Am Thema Projektplanung haben wir uns heute beim Schwesternmeeting abgearbeitet. Am Ende des Tages stellt sich wieder die Frage, ob wir uns so verständigen konnten, dass wir ungefähr wissen, wovon die andere spricht, wenn sie von Projekten, Institutionen und Organisationen spricht. Am Beispiel: Bau eines Krankenhauses haben wir Ziele formuliert und die Schwächen und Stärken der Idee versucht zu analysieren. Es gab ernüchternde aber auch bereichernde Momente. Beeindruckt hat vor allem Sr. Lea, wie klar sie die Anforderungen und Erwartungen der Patienten an ein solches Hospital formulieren konnte. Am Ende war aber allen klar, dass ein weiter Weg noch vor uns liegt.

Eine Diözese vor dem Neuanfang

Zwei Konvente haben wir heute von Ruhuwiko aus besucht und wurden gleich mit den aktuellen – oder endlich offen zu Tage getretenen Problemen der Diözese konfrontiert.

In Matimira trafen wir eine völlig verzweifelte Schwester Tunu an. Seit Januar hat die Diözese den Lehrern der Haushaltungsschule, die sie leitet, kein Gehalt mehr gezahlt. Heute wollte nun der letzte Lehrer, der noch geblieben war, das Handtuch schmeißen. 60.000 Tansania-Schillinge ungefähr 30 Euro im Monat. 120 Euro haben dafür gesorgt, dass Sr. Tunu eine Anzahlung machen konnte und die Schülerinnen nach den Ferien, wenigstens einen Lehrer noch haben.

So leicht geht es in Namabengo, der nächsten Station, jedoch nicht! Dort trafen wir im ehemaligen blühenden Missionshospital eine wahre Ruine an. Solch eine einzige Katastrophe von Krankenhaus habe ich noch nie gesehen. Die Schwestern berichten katastrophale Dinge über das Missmanagement in der Diözese, darüber, wie bei ihnen die besten Matratzen von offizieller Seite einfach abgeholt wurden, wie sie gezwungen werden überhöhte Preise von den Patienten zu verlangen, keine Medikamente stehen mehr im Schrank. Kurz und gut das Hospital wurde innerhalb von 10 Jahren zur Ruine herunter gewirtschaftet.

Mit einer Riesenwut fuhren wir zurück und mussten anschließend zum Antrittsbesuch beim neuen Erzbischof. Nur gut, dass es sich in einer Fremdsprache nicht so gut schimpfen lässt. So gelang es ganz gut, die Wut zu kanalisieren und die Herausforderungen zu thematisieren. Vielleicht waren das erste Ansätze eines Neuanfangs.

Pfingstgottesdienst in der Krankenhauskapelle in Ikonda

Verrückt, am Ende der Welt, auf 2300 Meter, kurz vor dem afrikanischen Graben finden wir ein Krankenhaus mit dem besten Standard, den ich bisher in Tansania angetroffen habe. Sauerstoffanschluss in jedem Zimmer, je ein Ausfallsystem für Wasser und Strom, alle wichtigen Geräte in mindestens dreierlei Ausfertigung, weil eines immer kaputt ist, computergestützte Patientenaufnahme, warmes Wasser in allen Nasszellen, eine funktionierende Wäscherei, eine Apotheke mit eigener Produktion von Wundauflagen und einen 82-jährigen Chirurg aus Italien, der bereit ist, Agnela zu operieren.

Seit ich nach Loreto komme, treffe ich auf Agnela mit traurigem, schmerzverzerrtem Gesicht. Agnela hat verschiedene Fehlbildungen an den Händen, Beinen, der Wirbelsäule. Sie sitzt quasi mit angewinkelten Knien auf ihren Unterschenkeln im Rollstuhl. Verschiedenen Ärzten wurde sie bereits vorgestellt, seit zwei Jahren nimmt sie ständig Schmerzmittel. Ein Mädchen von 12 Jahren. Jetzt endlich wurde festgestellt, dass sie sich wohl vor zwei Jahren eine Oberschenkelfraktur zugezogen hat, die nie behandelt wurde und immer noch instabil ist. Endlich kann ihr wenigstens wegen der Schmerzen geholfen werden.

Ich glaube, sie hat mich heute zur Begrüßung das erste Mal angelächelt.

Begegnungen

Florian, drei Jahre

Florian, drei Jahre

trifft Florian, 30 Jahre

trifft Florian, 30 Jahre

Drei Begegnungen sollen den heutigen Tag beschreiben.

Florian trifft Florian
Florian ist einer der Aidswaisen von Ilunda, seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater gab ihn nach dem Tod der Großmutter im Kinderdorf ab und verschwand. Charmant wie viele 3-jährige buhlte er um unsere Zuwendung und wirkte traurig, als wir ohne ihn abfuhren.

Sandra trifft Father Sandro
Hier im Ikonda-Hospital treffen wir auf Father Sandro, den Leiter des Hospitals der Consolata-Brüder. Wir sind begeistert von seiner Energie, seinen Visionen, seiner Klarheit und spinnen Pläne für die Zukunft. Kooperation und Netzwerkarbeit ist das Stichwort unserer Reise.

Schwester trifft Schwester
Sr. Lucia ist hier und wir liegen uns erst mal glücklich in den Armen. Sie hat drei Kinder aus Loreto hergebracht, bei einem Kind musste nur der Gips gewechselt werden, eines bleibt hier zur Amputation und beim dritten Kind stellen sich nun schwerere Komplikationen ein, die erst morgen geklärt werden können.

Gleich geht es zum Abendessen und der Abend verspricht länger zu werden – mit weiteren spannenden Begegnungen.

Iringa – aus dem Bus

Impressionen im

Impressionen im

Vorbeifahren...

Vorbeifahren…

19 Uhr – und wir sind nur froh, endlich in die Horizontale zu kommen. Ein bisschen mehr als eine Stunde Schlaf gönnte uns der Nachtflug von Addis nach Dar. Dann erprobten wir zwischen halb drei und fünf Uhr verschiedene Schlafmöglichkeiten auf den Bänken vor dem Flughafen, bzw. auf den Koffern, bis wir von Cleofa abgeholt wurden und auf dem Busbahnhof in einen sicheren Bus setzte. Auch hier können zum Thema Sicherheit unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden. Schlafen war aber nur schwer möglich, weil man sich eigentlich festhalten musste und der Fahrer immer wieder das Bremsen vor den vielen Schwellen zur Geschwindigkeitsbegrenzung vergaß. Das hatte zur Folge, dass es uns immer wieder aus dem Sitz hob.

Doch nun sind wir gut im Gästehaus in Iringa angekommen. Andere hatten weniger Glück, unter anderem sind wir an einem verunglückten Getränkelaster vorbei gekommen. Die ganze Gegend roch nach Bier, die meisten Flaschen waren zerbrochen, doch ein Glückspilz hatte noch eine vollständige Kiste gefunden, die er stolz und voll Vorfreude in sein Dorf trug. Dort wird heute Abend sicher gefeiert!