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Präsent an den Brennpunkten

Der zweite Tag hier in Rom führte uns an Brennpunkte auf allen Kontinenten. Neben allgemeinen Informationen, Zahlen zu den Flüchtlingsbewegungen überall auf der Welt und zu der wachsenden Gruppe der Obdachlosen berührten vor allem die Berichte aus den Projekten. Zum Beispiel die Geschichten von dem Vinzentiner aus der Ukraine, der am Tag nach dem die Regierung seines Landes den Kriegszustand ausgerufen hatte, von den Menschen, in seinen Projekten erzählt, die nach der Flucht im eigenen Land alles verloren haben und von Mitbrüdern und Freunden, die täglich in den umkämpften Gebieten Verwandte und Freunde verlieren. Die Berichte aus Südamerika machten auf die langanhaltenden Bürgerkriege und Unrechtssysteme, die Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen vertreiben, aufmerksam. Teilweise Zustände, die sich seit zwanzig Jahren nicht zum Guten verändern. Und Schwestern erzählen von ihren Projekten in Kenia, Simbabwe oder Kamerun, die unseren Projekten in Tansania ähneln. Sr. Karin mit ihrem Bericht über die Willkommenskultur für die Flüchtlinge in Untermarchtal ergänzte das Bild.

Dazwischen werden in Workshops mit kleineren Gruppen Erfahrungen und Adressen ausgetauscht, sich gegenseitig Tipps zum Projektantrag oder zu Unterstützungsorganisationen zugesteckt. So dass das Ziel der Tagung, ein Netzwerk gegen Obdachlosigkeit in einem weiteren Sinn zu schaffen, auf jeden Fall erreicht worden ist. Kein Teilnehmer geht ohne neue Adressen nach Hause – und mit dem Gefühl, viele Mitstreiter überall auf der Welt zu haben.

Ein schöner „Zufall“ – am Abend feierten wir mit der römischen internationalen vinzentinischen Familie das Fest der „Wundertätigen Medaille“ in der gemeinsamen Eucharistie, der Ort, an dem die Anliegen und Nöte, mit denen wir uns während des Tages konfrontiert sahen, vor Gott getragen werden konnten.