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Landrechte

Wieder einmal statteten wir den Schwestern in Mkenda einen Besuch ab. Dieses Mal hatten die Dorfältesten um unser Kommen gebeten. Irgendwie ging es um Landrechte, um Nutzung von Land und um Eigentum. Für mich nach wie vor ein hochkomplexes und schwer zu verstehendes Thema. In den Regionen des Landes, die sehr abseits liegen und bis vor Kurzem von der Welt vergessen wurden, scheint ein wahrer Boom zu beginnen. Leute aus der Stadt, Firmen aus dem Ausland und Organisationen, wie die Kirche oder ein Orden „stecken ihre Claims ab“ und oft kommen die Einheimischen dabei unter die Räder. Genau deshalb sind Versammlungen, wie die, die wir gestern erlebt haben, so wichtig.

Ich war überrascht über den illustren Kreis unserer Besprechung. Obligatorisch ist bei jeder Versammlung in Tansania eine Vorstellrunde. Da saßen Bauern neben den Sekretären der Partei, der katholischen Kirchengemeinde, der moslemischen Gemeinde, des Bauernverbandes, dem Lehrer und dem Dorfvorsteher – fast ausschließlich Männer, und das alles unter zwei großen Bäumen bei mindestens 35 Grad im Schatten.

Die Atmosphäre war durchaus angespannt, denn schließlich ging es um ein zentrales Anliegen – und doch lief alles nach klaren Regeln ab. Jeder grüßte zuerst mit dem moslemischen, dann mit dem christlichen Gruß. Die Ältesten der Versammlung sprachen zuerst, ließen sich ausreden – auch wenn manchmal wirklich viel zu sagen hatten und die Bedeutung des Gesagten durch Wiederholungen hervor gehoben wurde.

Unsere Gemeinschaft hat ein wirkliches großes Stück Land dort erworben, doch der Bau des Kindergartens und des Brunnens zeigt den Menschen nun, dass ihnen allen dieses Land nutzen wird. Was sie nun wollten, waren die Zusagen, dass wir sie mit dem Wasserproblem und dem Problem in der gesundheitlichen Erstversorgung nicht alleine lassen. Dafür nehmen sie dann gerne auch einen weiteren Weg zu ihren eigenen Feldern in Kauf. Auf der Heimfahrt war ich sehr bewegt von dieser Höflichkeit und dem Vertrauen der Menschen. Ich kann nun nur hoffen, dass wir sie nicht enttäuschen.

Kurz war noch Zeit, die Arbeit von Sr. Bona und ihren Mitarbeitern am Kindergarten anzuschauen. Beeindruckend, wie sie das unter diesen Bedingungen meistert. Allerdings erklärte sie auf meine Nachfrage, dass sie gerade sehr müde ist, weil sie um Geld zu sparen, selbst das Wasser auf dem Kopf vom Brunnen zur Baustelle getragen hat. Das Wasser für den Verputz, das bedeutet unzählige große Eimer auf dem Kopf vom Brunnen zur Baustelle. Kein Wunder, dass sie müde ist! Ihre Kraft braucht sie aber für das Gesamtprojekt, denn da steht noch einiges an.