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Glanz und Schatten in Peramiho (Gastautor: Dr. T. Broch)

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Der zweite Sonntag in Tansania. Wir besuchen ebenso wie die Schwestern von Ruhuwiko um sieben Uhr den Gemeindegottesdienst in der Kirche St Francis. In guter Erinnerung bleibt vor allem der schöne Chorgesang des Gemeinde-Kirchenchors.

Nachmittags statten wir der Benediktiner-Abtei Peramiho einen Besuch ab. Die 1898 von den Missionsbenediktinern von St. Ottilien in Oberbayern gegründete Abtei steht für eine große Geschichte der Mission im Südwesten Tansanias. An vielen Stationen unserer Reise haben wir die Priorate und Gemeinden gesehen, die von Peramiho aus gegründet worden sind. Wie in der Frühzeit des Benediktinerordens in Europa, so standen die Mönche hier im 20. Jahrhundert für eine auch für heutige Begriffe bewundernswerte kulturelle und soziale Entwicklung. In seiner Blütezeit zählte Peramiho etwa 230 Mönche, Ordenspriester und Laienbrüder.

Den Geist dieser Geschichte strahlt die Klosterstadt mit ihrer im Stil deutscher Großabteien errichteten Kirche unmittelbar aus. Diese Atmosphäre nimmt auch uns gefangen, ebenso die weitläufigen Gebäudeensemble und Parkanlagen, die von einstiger kultivierter Gepflegtheit zeugen und auch jetzt noch etwas davon bewahrt haben. Wir besuchen die Abteikirche, in die wegen der unmittelbar bevorstehenden Nachmittagsandacht immer mehr Schülerinnen der Klosterschule strömen – alle in grünen Röcken und weißen Hemden und teilweise grünen Strickwesten. Sie sind freilich fast die einzigen, die die Andacht mitfeiern; auch das Chorgestühl der Mönche ist fast leer. In einer Seitenkapelle im hinteren Bereich der Kirche sind eine Grabplatte und in der Wand eine Büste angebracht, die an den letzten Abtbischof von Peramiho erinnern, Eberhard Spieß OSB aus Ertingen bei Riedlingen im heutigen Kreis Biberach. Mit Prälat Eberhard Mühlbacher und den Bischöfen Dr. Carl Joseph Leiprecht und Dr. Georg Moser aus Rottenburg war er eng verbunden. 1902 geboren, kam er 1932 hierher und wirkte von 1953 bis 1986 als Abtbischof. Im September 1990 ist er gestorben.

Wir gehen hinüber zum St. Josephs-Krankenhaus, das von den Benediktinern gegründet wurde, aber heute gegenüber der Abtei selbständig ist und in administrativen Belangen teilweise von der Benediktiner-Kongregation von St. Ottilien aus betreut wurde. Es ist eine große Schwerpunktklinik, zu der die Menschen von weither kommen. Heute, am Sonntag, ist im großen Wartebereich wenig los, und doch sitzen auch heute Menschen da, die darauf warten, mit ihren Beschwerden vorsprechen zu können. Wir gehen weiter zu dem beruflichen Ausbildungszentrum des Ordens, das auch heute noch etwa 700 junge Menschen in unterschiedlichsten Gewerken qualifiziert. Aber die vielen leeren Gebäude machen überdeutlich, dass die große Blütezeit vorbei ist. Der Riss, der die Fassade der verschlossenen neugotischen Kapelle auf dem Campus mit einer Gestaltung nach der Beuroner Schule von oben nach durchzieht, mag als Symbol gelten.

Heute leben in dem großen Konventsgebäude nur noch einige wenige Patres und vielleicht 50 oder 60 Brüder. Die vielen großen Konventsgebäude stehen teilweise leer, und Leerstand und Verfall kennzeichnen auch viele der Ökonomiegebäude und -anlagen. Darüber kann auch der schöne Vorgarten vor dem Abtsgebäude mit den prächtigen Bougainvilia, Palmen und anderen tropischen Ziergewächsen und den beiden steinernen Löwen unter dem Portikus nicht hinwegtäuschen. Kleiner dimensioniert ist das Konventsgebäude der Tutzinger Benediktinerinnen zur Rechten der Abteikirche; die Schwestern sind von Anfang an gemeinsam mit den männlichen Ordensangehörigen hier tätig gewesen. Es wirkt gepflegter, und man kann den Eindruck gewinnen, dass die Situation des Frauenordens hier stabiler ist.

Auf dem Weg zurück aus Peramiho kommt uns ein Wagen entgegen, indem der vor einiger Zeit resignierte deutsche Abt Anastasius und der derzeitige Abt-Administrator, P. Sylvanus,  soeben von der Abtei Ndanda kommen, mit ihnen zwei weitere Patres von Peramiho. P. Sylvanus haben wir bereits zu Beginn der Reise im Konvent von Kurasini angetroffen. Altabt Anastasius und Sr. Anna-Luisa, die sich seit Jahren kennen, verabreden für den nächsten Morgen ein Frühstückstreffen, zu dem wir in Peramiho Halt machen werden.

Es ist das letzte Abendessen bei den Schwestern in Ruhuwiko. Die Konventsoberin Sr. Taji, die morgen nicht mehr hier sein kann, bedankt sich in einer kleinen herzlichen Ansprache für unseren Besuch und die Unterstützung aus dem deutschen Mutterhaus und gibt jedem von uns ein Geschenk mit auf den Weg: Kangas den Schwestern, Sonnenhüte den Männern. Sr. Damiana und Sr. Anna-Luisa bringen in kurzen Dankesworten ihre Verbundenheit zum Ausdruck. Manche Sorgen, aber vor allem viele gemeinsame Intentionen, Ziele, Visionen verbinden die Vinzentinerinnen über die Grenzen zweier Kontinente hinweg.