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Flucht vor den Bienen

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Seit Tagen werden wir immer wieder auf wilde Bienenschwärme aufmerksam gemacht – naja, eigentlich eher gewarnt. Zuerst hing ein Schwarm direkt über dem Eingang der Halle, in der wir die Stimmen ausgezählt haben; dann am Baum vor der Haustür. Wir hörten uns verschiedene Fluchtgeschichten an, wurden über Verhaltensstrategien informiert und waren irgendwie überrascht über die Ängste.

Heute in Loreto wurde es dann auf einmal wirklich brenzlig – und das nachdem heute Vormittag schon beim Rasenmähen direkt vor dem Haus eine ziemlich große Schlange zuerst ihr Versteck verlor – und dann auch noch ihr Leben….

Die Kinder von Loreto waren alle im Hof, um uns zu begrüßen und sich an den mitgebrachten Süßies zu freuen, als die Kinder plötzlich auf den Bienenschwarm aufmerksam wurden. Plötzlich brach regelrecht Panik aus. Jemand rief, dass sich alle im Haus verstecken sollen. Und innerhalb kürzester Zeit schnappten sich die Schwestern jeweils sehr zielsicher eines der Kinder, die nicht laufen konnten, andere wurden von größeren Kinder auf den Arm genommen, es war wie einstudiert – vor allem die Solidarität untereinander, sodass innerhalb kürzester Zeit der Hof leer geräumt war, alle Kinder im Haus waren und nur die verwaisten Rollstühle zurück blieben. Und dann war der Schwarm Bienen auch schon mitten im Hof.

Inzwischen hat das neue Schuljahr begonnen und neue Kinder kamen nach Loreto. Scheinbar können alle „Neuen“ ganz eigene Geschichten erzählen. Da ist Mele, eines der ehemaligen Kinder von St. Katharina, die wirklich richtig traurig aussieht und St. Katharina und die anderen Kinder sehr vermisst. Gladness wiederum, sagt von sich, sie sei sechs Jahre alt. Ihre Hände und Füße deuten jedoch ein höheres Alter an. Gladness verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens versteckt im Haus. Seit sie jetzt Mitte Januar nach Loreto kam, hat sie gelernt einige unsichere Schritte zu gehen. Und sie ist so herrlich stolz darauf. Auch Kasimir wurde bisher im Dorf versteckt. Seine Schwester ist wegen eines Handicaps in St. Loreto. Sie war es, die die Schwestern auf ihren Bruder, der in Folge seines Handicaps nicht zur Schule gehen konnte oder durfte, aufmerksam gemacht hat. Nun wurde er aus „seinem Versteck“ geholt. Aber auch er hat noch einen weiten Weg vor sich. Im Moment bewegt er sich hüpfend mit einem Stock vorwärts. Wie gut wäre es, wenn die Kinder eine systematische Physiotherapie bekommen könnten. Körperspannung, Muskelaufbau, Koordinationsfähigkeit etc. könnte wirklich über manche Folgen der Vernachlässigung und Mangelernährung hinweg helfen…