Die Wasserstelle in Matimira und der Stau vor dem Maislager der Regierung

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Zwei Situationen des heutigen Tages:

Direkt vor Ruhuwiko gibt es schon seit über einer Woche einen Stau vor dem Maislager der Regierung. Lastwagenweise transportieren die Kooperativen der Kleinbauern hier ihre Maisernte an. Eigentlich wollte die Regierung die Überproduktion im Süden des Landes aufkaufen, um für Hungersnöte Mais vorrätig zu haben. Denn in etlichen Landesteilen hat es so lange geregnet, dass die Ernte verdorben ist oder es war viel zu trocken und die Ernte fiel aus. Die Bauern hier im Süden haben eine gute Ernte und haben sich auf die Versprechen der Regierung verlassen und bringen nun ihren Mais, um ihn dort zu verkaufen. Doch leider hat die Regierung gerade kein Geld!!! Nun verteilen sie Gutscheine, aber die wenigsten wollen sich auf Gutscheine oder Schuldscheine verlassen, zu oft haben sie schlechte Erfahrungen gemacht und gingen dann leer aus. Jetzt stehen also viele Lastwagen vor dem Lager und warten darauf, dass die Regierung ihnen den Mais abkauft und zwar mit realen Tansanischen Schillingen. Doch ewig können sie nicht warten. Die LKWs sind teuer, der Mais bekommt schnell Ungeziefer, wenn er nicht anständig gelagert wird, die Bauern müssen zurück…. Wir sind gespannt, wie diese Geschichte ausgeht.

Die zweite Erfahrung, die uns nachdenklich macht:

In Matimira wurde eine Wasserpumpe vor ein paar Jahren mitfinanziert. Nun sehen wir überrascht die Kinder weiterhin Wasser holen und den Berg hinauf schleppen. Am Wasserloch wird auch nach wie vor gleichzeitig gewaschen. Auf unser Nachfragen erfahren wir, das Wasser, das ins Dorf hoch gepumpt wird, reicht nur für das Pfarrhaus, das Schwesternhaus und den Kindergarten. Der Diesel für die Pumpe ist viel zu teuer für das Dorf. So werden die Kinder, vor allem die Mädchen, auch in Zukunft das Wasser auf dem Kopf den Berg hoch tragen, wenn niemand eine Idee hat und die Initiative zeigt, die Situation zu verbessern.

Und was ist hier nun unser Auftrag? Haben wir überhaupt noch einen Auftrag? Das sind die Fragen, die uns hier täglich beschäftigen…

Kinder

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Der Tag begann mit Begegnungen mit den bei der Verbandsvisite in Ikonda vor Schmerzen weinenden Kindern und endet mit den hörgeschädigten Kindern, die uns in Ruhuwiko begrüßen. Kinder, die so früh schon vor besondere Herausforderungen gestellt sind und in deren Augen ganze Geschichten zu lesen sind – und vor allem ganz viel Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe.

Dazwischen lagen über 300 km – inzwischen durch die klimatischen Bedingungen – relativ schlechte Straßenverhältnisse, ca. 1500 Höhenmeter und viele Eindrücke von Land und Leuten.

Die Schwestern in Ruhuwiko haben uns herzlich aufgenommen, hier werden wir für drei Nächte sesshaft werden und von hier aus die Stationen in der Diözese Songea besuchen. Doch jetzt sind wir einfach froh und dankbar, dass wir gut angekommen sind.

Ruhuwiko

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In allen Einrichtungen tauchen immer wieder akute und nicht vorhersehbare finanzielle Engpässe auf, die neue Handlungsmuster fordern und die für uns Deutsche oft so schwer einschätzbar sind. St. Vincent, die Schule für Kinder mit Hörschädigungen wurde neben der Lehrervergütung, die klassische Aufgabe des Staates ist, auch für weitere Zwecke vom Staat finanziell unterstützt. Vor drei Jahren konnte die Schule noch mit fast 70.000.000 TSH rechnen. Das sind ca. 35.000 Euro. Im letzten Jahr waren es noch 41 Mio. dieses Jahr sind wir bei 14 Mio. mit der klaren Aussage der Regierung, dass damit das Budget erschöpft ist. Schwester Ernesta erklärt, dass sie seit dem letzten Jahr dieses Geld sowieso nicht mehr für den täglichen Unterhalt der Schüler nutzen durften, sondern Anschaffungen für die Schule tätigen mussten. Unter anderem konnten sie damit das Fahrgeld der Schüler in die Ferien finanzieren. Nun war das in diesem Jahr nicht mehr vollständig möglich, mit dem Ergebnis, dass sie drei Schüler „verloren haben“, so Sr. Ernesta. Sie beschreibt, mit welchem Aufwand die Ferien für Lehrer und Schulleitung verbunden sind. Während bei uns alle die letzte Schulstunde vor den Ferien nicht abwarten können und dann – Lehrer wie Schüler – schnell verschwunden sind, müssen die Schüler, aufgrund ihres Handicaps von den Lehrern oft über lange Busstrecken nach Hause gebracht werden. In diese Busfahrten wurde unter anderem das Geld der Regierung investiert. Es reicht dann aber nicht, den Eltern das Geld für die Rückfahrkarte nach den Ferien zu geben. Die Versuchung und die Not ist zu groß, das Geld anderweitig auszugeben, damit endet dann die Schulzeit der Schüler vorzeitig und scheitert an der Rückfahrt in die Schule nach den Ferien.

In diesem Jahr hat nun die Regierung beschlossen, dass alle Sekundarschulen im Land richtige Toiletten mit Wasserspülung brauchen. Dieser Beschluss wird nun vom Verantwortlichen in Songea umgesetzt. Das bedeutet für Schulen für Kinder mit Handicaps sind alle Sonderzulagen fürs erste gestrichen und Sr. Ernesta als Schulleitung und Sr. Lea als Buchhalterin sind auf der Suche nach neuen Geldquellen.

Krankenhausküche in Ikonda

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Auch wenn das Bild der Krankenhausküche von Ikonda nicht den Anschein erweckt, es ist trotzdem ein Vorbildkrankenhaus in Tansania – samt Isolierstation und frisch angeliefertem Computertomograph.

Im Moment sind mit Beatrix und Lash zwei junge Menschen hier, die durch die Vermittlung und Organisation von Sr. Lucia lebensnotwendige Operationen erhalten haben. Beatrix hatte durch die Malaria an beiden Beinen Thrombosen. Einer der Unterschenkel wurde deshalb schon vor zwei Jahren amputiert. Vor einigen Wochen verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand so massiv, dass man um ihr Leben bangte. Beide Beinen hatten massive Infektionen mit der Beteiligung der Knochen und mussten nun dringend amputiert werden. Nur so kam sie mit dem Leben davon. Bald kann sie entlassen werden, dann steht noch die Versorgung mit Prothesen an.

Auch Lash hat eine infizierte Wunde am Bein, die nach einer Sportverletzung vor einem Jahr inzwischen auch von Maden besiedelt war. Bei ihm konnte in letzter Minute die Amputation verhindert werden, aber er wird noch lange stationär behandelt werden müssen.

Da in Tansania die Patienten von ihren Angehörigen gepflegt und mit Essen versorgt werden müssen, ist Lashs Mutter und Beatrix Oma mit in Ikonda. In einer großen Halle kochen die Angehörigen das Essen für Ihre Kranken. Für Lashs Mutter bedeutet dieser Krankenhausaufenthalt den finanziellen Ruin. Zwar bekommen sie als „Sozialfall“ die Operation hier umsonst und für den Rest sorgt Sr. Lucia mit der Hilfe von Spendengeldern, aber durch die lange Abwesenheit von Zuhause musste sie nun ihren kleinen Laden schließen. Jetzt hat sie natürlich große Sorge, ob ihr nach dem Krankenhausaufenthalt eine Chance zum Neubeginn bleibt. Mal sehen, ob wir in den nächsten Tagen eine sinnvolle Lösung finden…

Wieder einmal sind wir beeindruckt von der Arbeit und der Organisation hier in Ikonda – und voller Hochachtung vor der Leistung der Menschen hier vor Ort.

Mittendrin

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Irgendwie sind wir schon mitten drin… Lulu heißt die kleine Dame auf dem Bild. Seit Anfang August ist sie im Aidswaisendorf in Ilunda und immer krank. In zwei Hospitälern waren die Schwestern mit ihr. Das Ergebnis des HIV-Tests ist nirgends aufzutreiben… Aber alles, was die Schwestern erzählen, spricht diese Sprache. Erschöpft und ohne Energie liegt sie im Arm, überall sind Knochen zu spüren, das Heben des Kopfes macht ihr mit acht Monaten große Mühe. Die Lippen sind rissig, im Mund hat sie offene Stellen, das Abhusten kostet zu viel Kraft… Ein paar Stunden Körpernähe, das ist alles, was wir ihr heute geben konnten… Nähe, die ihre verstorbene Aidskranke Mutter ihr nicht mehr geben kann und die Erzieherinnen hier im Kinderdorf auch viel zu selten.

Wieder bin ich überrascht über die neuen Kleinkinder und Babys. Schwester Dorothea berichtet, dass sie nun schon zwei Kinder in wenigen Tagen an eine Einrichtung in der Nähe geben mussten, weil sie überfüllt sind – vor allem so viele Babys wollen versorgt werden.

Obwohl die warme Zeit in Tansania beginnt, ist es am Abend empfindlich kalt und wieder einmal laufen viele „Rotznasen“ durchs Gelände. Rotznasen, die man so wunderbar an den Kleidern und Schleiern der Schwestern beim Toben und Kuscheln abwischen kann. Entsprechend sehen wir schon am Anfang der Reise aus…

Morgen steht Ikonda auf unserem Programm. Heute haben wir schon einen Kurzbesuch im NeemaGuesthouse in Iringa gemacht. Ein wirklich beeindruckendes Integrationsprojekt für Menschen mit Behinderung.

Ach, und Sr. Lucia hat uns vom Flughafen in Iringa abgeholt – ein Wiedersehen als Highlight des Tages!

Regen im September

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… Nein, nicht in Deutschland, da sind wir Kummer gewöhnt in diesem Sommer. Daresalaam erwartete uns mit Regen.

Nach einer langen Reise sind wir hier gut gelandet. Die Sorge vor Ebola ist auch hier zu spüren. Zumindest stand eine etwas gelangweilte Gesundheitskontrolle am Ankunftschalter… Hoffen wir mal, dass bei der Ankunft eines Fliegers aus Westafrika die Arbeitsmotivation steigt;-) Auf alle Fälle sind wir gut bei den Benediktinern angekommen und haben auf der Veranda das obligatorische Willkommensbier getrunken. Irgendwann wurde dann plötzlich das Licht ausgeknipst und es war Nacht. Wie ich hier die Dämmerung vermisse… Es ist, als überrasche die Nacht den Tag immer wieder aufs Neue… Unangenehm, so ohne Vorbereitung zu kommen… Dunkelheit! Nacht!

Morgen geht es früh weiter – mit dem Flugzeug nach Iringa. Dort erwartet uns Sr. Lucia, wie ich mich freue!

Aufbruch zur großen Visitationsreise

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München Flughafen ist dieses Mal unser Ausgangspunkt… München – Dubai – Daressalam… Dieses Mal brechen wir zur großen Visitationsreise mit Generaloberin, Sr. M. Lintrud und  Superior Briemle auf. Unsere letzten Visitationsreisen endeten einmal mit dem tödlichen Autounfall von Sr. Gabriele und das folgende Mal mit unserem eigenen Zusammenstoß mit einem Zug in Dar. Na, da bleibt nur die Hoffnung, dass wir bei dieser Reise gut an den einzelnen Stationen ankommen.

Die drei Wochen sind dicht gedrängt, viele verschiedene Stationen stehen auf unserem Reiseplan, viele Begegnungen… Gespannt, was sich wohl in den nächsten Tagen entwickelt, warten wir auf den Abflug und hoffen auf Begleitung und Segen…

Zurück in Untermarchtal

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Deutschland hat uns wieder!!! Rechtzeitig zum ersten Deutschlandspiel… Jetzt ist Auspacken und Aufarbeiten angesagt – und ein wenig Erholen… Kurzzeitig hat ein dunkelhäutiges Fräulein im Schlosssessel Einzug gehalten.

Spätestens im September brechen wir wieder auf… Danke für alle Unterstützung…

Vorglühen

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Eigentlich hatten wir für heute einen durchgeplanten Tag – wie meistens halt! Messe – Frühstück – Treffen mit zwei Freiwilligen – Baden am Meer –Besuch in Luhanga bei den Schwestern – Flughafen – nach Hause … und das alles mit Cleofa, meinem Lieblingsfahrer in Dar.

Und hier fing schon das Problem an. Cleofa hatte bei einer Firmung im Chor zu singen und der Gottesdienst dauerte ewig. Also kam ein anderer Fahrer. Leider hatte Cleofa vergessen, ihm zu erklären, dass diese alten Dieselmotoren vorglühen müssen und dass es Sinn macht, nicht immer im dritten Gang anzufahren.
Tja, die Freiwilligen kamen schon viel zu spät an, dann kamen wir zwei Stunden nicht weg. Mehrere Male bekamen wir Starthilfe durch verschiedene andere Fahrzeuge. Irgendwann gelang es ihm tatsächlich beim 10ten Mal Anschieben, das Auto zum Fahren zu bringen. Unterwegs blieben wir dann mitten im Kreisverkehr stehen und die Geschichte begann von vorne.

Immerhin hatten wir Zeit, mit den Freiwilligen aus Südtirol den Arbeitsauftrag zu klären. Sie werden sich mit dem Thema Erziehung in Tansania beschäftigen und uns hoffentlich helfen, die kulturellen Hintergründe und die Vorstellungen zur Pädagogik im Land besser zu verstehen.

Für den Besuch in Luhanga und zum Abholen der zwei Koffer mit Schnitzereien hat es dann nicht mehr gereicht. Als Cleofa uns endlich gefunden hat und das Auto sofort und problemlos – nach dem Vorglühen!!! – ansprang, war es höchste Zeit zum Flughafen zu fahren.

Neben einem Stück Herz blieben nun auch zwei Koffer in Dar zurück.

Doch noch geschafft – jetzt heißt es warten...

Doch noch geschafft – jetzt heißt es warten…

Über den Wolken

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Während wir hier über den Wolken Tansanias von Songea nach Dar fliegen, werden in Untermarchtal die Sternwallfahrer ankommen. Und so fliegen meine Gedanken gleich weiter bis ins Mutterhaus. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Besuchs gelingt noch nicht, die Begegnungen sind noch zu präsent, die Gefühle und Rückmeldungen beim Abschied zu stark…

Die Tage vergingen wieder einmal viel zu schnell, waren aber auch so dicht, so voller Eindrücke, Begegnungen, Erfahrungen und Diskussionen mit klaren Ergebnissen, dass es nun auch wieder gut ist, aus dem Abstand weiter zu arbeiten, jede an ihrem Platz.

Jetzt freue ich mich auf das erste Safari (mein Lieblingsbier) auf dieser Reise. Bei den Benediktinern ist es sogar gekühlt. Und vielleicht haben wir Glück und finden in Daresalaam Fussballfans. Dann findet unser Eröffnungsspiel heute Abend statt. Ein seltsamer Ersatz für den Meditationsgottesdienst in Untermachtal.