Bedürfnisse

Sr. Antide hätte gerne Bücher für ihren Kindergarten. Im Moment hat sie zwei Bücher für 133 Kinder. Und Sr. Birgitta berichtet vom Internat, in dem die Betten leider nicht ausreichen. 10 Mädchen teilen sich gerade zu zweit ein Bett und die Tassen reichen auch nicht für alle Mädchen.

Nicht nur die bescheidenen Anfragen bewegen uns, auch dass wir hier die Aufgaben der Diözese übernehmen. Seit zwei Jahren werden keine Gehälter gezahlt. Wir entdecken, dass keiner der Lehrer und Arbeiter einen Arbeitsvertrag hat. Die Instandhaltung der Gebäude auf dem sandigen Boden wurde seit Jahren vernachlässigt, nun gibt es massive statische Probleme. Vermutlich steht wieder einmal ein Gespräch mit dem Bischof an…  

Die Schwestern lösen die Situation im Moment mit mehr Arbeitseinsatz. Sie vergrößern ihr Feld, um den übrigen Mais zu verkaufen und damit die Lehrer zu bezahlen oder backen Mandazis, um das Einkommen aufzubessern, damit die Einrichtung bestehen kann. Wir sind wirklich beeindruckt von ihrem Engagement und verärgert über das Verhalten der Verantwortlichen…

Sonntag – Tag des Herrn

Der Sonntag in Ruhuwiko brachte die Gelegenheit, endlich einmal einen Sonntagsgottesdienst in der Pfarrgemeinde mitzufeiern. Da wir in einem Land der Frühaufsteher gelandet sind, findet der Hauptgottesdienst um 7:00 Uhr statt – und zwar 7 Uhr morgens!!!

Auf die Idee, dass das 10 Uhr Frühstück bedeutet, sind wir nicht gekommen, weil um 9 Uhr eigentlich die Langschläfermesse stattfindet.

Kurz nach sieben begann mit großem Einzug, kräftigem Chorgesang und ganz viel Weihrauch die Messe, kurz nach halb zehn waren wir fertig. So gegen acht war der Chor vollzählig und die Kirche gestopft voll.

Leider verstehe ich immer noch nur Bruchstücke, aber irgendwie ging es um die Familie. Was auch immer gepredigt wurde, es muss sehr lustig gewesen sein.

Doch nicht nur der Pfarrer hat ganz viel zu sagen – und der Chor viel zu singen, auch der Vorsitzende des Kirchengemeinderats muss ausführlich und wichtig zu großzügigen Spenden für die Kirchengemeinde aufrufen und am Schluss des Gottesdienstes das Sammelergebnis unter Applaus bekannt geben. Und selbstverständlich braucht auch noch der Katechist seine Redezeit und gibt ausführliche alle Termine der nächsten Woche und alle wichtigen Ereignisse der Gemeinde bekannt.

So vergeht die Zeit und während ich mir überlege, ob die Leute, die zur nächsten Messe kommen, schon ungeduldig vor der Tür warten, scheinen alle anderen voll bei der Sache zu sein und fühlen sich sichtlich gut unterhalten.

Goldgräberstimmung

Was auf dem Foto an die Vorplanung einer Beachparty erinnert, waren stundenlange Diskussionen über die aktuellen Herausforderungen mitten im tansanischen Busch. Die Armut, der Bildungsnotstand, die Ausweg- und Hoffnungslosigkeit der Menschen in Mkenda ist eine riesige Herausforderung für die drei äußerst aktiven Schwestern.

Es gelang uns sogar Prioritäten zu setzen, eine Reihenfolge zu erstellen, welche Vorhaben angegangen werden. So muss als allererstes das Wasserproblem gelöst und der Kindergarten in unser Sternsingerprojekt aufgenommen werden, damit die Kinder eine Mahlzeit täglich erhalten. Die Schwestern haben schon erlebt, dass die Kinder ihren Abfall und das Hühnerfutter nach Essbarem durchsuchen.

Außerdem wartet die Dispensary auf die Fertigstellung.

Als wir soweit waren, kamen dann die ganz aktuellen Sorgen auf den Tisch. Seit Wochen kommen immer wieder Menschen einer auswärtigen Organisation und untersuchen den Boden. Scheinbar wurden auf dem Grundstück der Schwestern Mineralien gefunden. Sr. Maria Goretti spricht von Gold! Inzwischen macht irgendjemand auch nachts Probegrabungen. Das bedeutet, die Schwestern haben aktuell doppelt Angst, einmal um ihre eigene Sicherheit. Außer drei Hunden haben sie nicht mal ein abschließbares Haus. Aber sie fürchten auch, dass ihnen das Grundstück weggenommen wird. Und da stellt sich plötzlich heraus, dass die Grenzsteine für das Grundstück aus Geldmangel noch nicht gesetzt wurden. Tja, so schnell werden Prioritätenlisten auf den Kopf gestellt.

Jetzt geht es also erst einmal um die Sicherung des Grundstücks – schließlich steht dort ein Schwesternhaus, eine unfertige Dispensary und eine Hütte für den Kindergarten. Das wollen die Schwestern nicht so schnell wieder aufgeben.

Gerechter Lohn

Immer wieder beginnen wir über das Thema „Gerechter Lohn“ zu diskutieren.

Auf allen Stationen sind Mitarbeiter beschäftigt, als Lehrer, als Mitarbeiter im Gesundheitswesen, auf der Farm, im Kindergarten, in der Küche… Und überall ist das Geld knapp und die Not der Bedürftigen größer als die der Mitarbeiter.

Die Regierung zahlt die Gehälter der Lehrer und je nach Profession, die der Mitarbeiter in den Hospitälern und Dispensarien, zumindest meistens und oft auch vollständig. Doch auch für die Lehrer wird es schwierig, mehrere Kinder auf die Sekundarschule zu schicken, geschweige denn für die Tagelöhner auf der Farm mit einem durchschnittlichen Monatslohn von 40 Euro, wenn das Schulgeld zwischen 300 und 600 Euro liegt. Vielen Arbeitern hat man mit Stipendien für die Kinder geholfen. Selbstverständlich erhalten sie täglich eine warme Mahlzeit. Doch unter „gerechtem Lohn“ verstehen wir etwas anderes. Was bedeuten die Grundsätze der Katholischen Soziallehre in einer anderen Kultur, vor einem anderen gesellschaftlichen Hintergrund, einer anderen Geschichte? Und so machen wir uns auf die Suche nach Veröffentlichungen von Gewerkschaften und der Kirche in Tansania und fordern immer wieder zur Diskussion auf, denn nur so kann Sensibilität für ein wichtiges Thema entstehen.

Budgetplanungen

Wie Handlungsreisende sind wir nun von Station zu Station unterwegs und versuchen den Segen einer vorausschauenden Haushaltsplanung anzupreisen und beispielhaft für das nächste Jahr durchzuplanen. Dabei stoßen wir an viele aktuelle Nöte und zukünftige Herausforderungen.

Im letzten Jahr zum Beispiel war das Team der Dispensary in Mpepai auf einem so guten Weg. Sie hatten es geschafft, Fördermittel von der Regierung zu erhalten, weil der Bedarf an mehr Krankenhausbetten in der Region so groß ist. Und der Neubau der Stationen stand schon. Sr. Hyazintha war so zuversichtlich und voller Energie. Als wir nun gestern kamen, waren wir doch überrascht. Sie kamen nur in kleinen Schritten weiter. Plötzlich gab es kein Geld mehr vom Staat, Eigeninitiative war angesagt. Für die zementierten Wege zwischen den Stationen haben sie z.B. Mandazi (frittiertes Gebäck) verkauft. Jetzt fehlen noch ca. 5.000 Euro zur Fertigstellung und 4-5.000 Euro für die Ausstattung.

Und wieder stellt sich die Frage, wie lange reicht die Geduld aus, um dem Staat so lange auf die Nerven zu gehen, bis das versprochene Geld kommt. Und, wer wohl wirklich unter der Situation am meisten leidet.

Diese Frage ist für Sr. Hyazintha schnell gelöst. Am meisten leiden die kranken Kinder. Vor allem die Kinder, die durch die häufigen Malariaerkrankungen an Blutarmut leiden. Viele, so Sr. Hyanzintha, haben sie in den letzten Monaten verloren.

Einsatz für das Leben

Mela ist einer der Zwillinge, der von seinem Vater den langen Weg von Liuli nach Mbinga getragen wurde. Wieder starb eine Mutter direkt bei der Geburt und niemand aus der Großfamilie hatte Milch für Zwillinge – und auch kein Geld für den Bus oder gar ein Taxi für die 50 km lange Strecke. Also trug der Vater kurzerhand die beiden Neugeborenen nach Mbinga. Völlig entkräftet kamen alle drei hier mitten in der Nacht bei den Schwestern im neuen Waisenhaus, St. Katharina an. Da die Nabelschnur nicht mal richtig entfernt wurde, gehen wir davon aus, dass Melas Mutter nicht in einer Maternity entbunden hat. Aber was hilft das Fragen nun?

Mela ist die kräftigere der beiden, sie muss ihrem jüngeren Bruder viel Platz weggenommen haben, er sieht einige Wochen jünger aus. Doch beide haben sich in den letzten zwei Wochen entwickelt.

Doch uns macht die Zukunft von St. Katharina Sorgen. Die Schwestern sind im Moment an der Kapazitätsgrenze angekommen, zumindest wenn nun nicht ein sinnvolles Konzept erarbeitet wird und die Finanzierung sicher gestellt wird. Bei sieben Babys mit Windeln wird es schwierig, dass die Wäsche von Hand gewaschen und im Regen aufgehängt und die Milch in den Kühlschrank ins Regionalhaus gebracht wird. Jetzt brauchen wir erst einmal eine schnelle Lösung für den momentanen Arbeitsaufwand, weil sonst die Kinder nicht angemessen versorgt sind. Dann muss aber Grundsätzliches überlegt werden… wir „deutschen Bedenkenträger“ haben das schon vor Monaten eingefordert, doch die „tansanischen Überlebenskünstler“ haben die aktuelle Not gesehen und wollten schnelle Abhilfe schaffen. Nun wäre ein guter Zwischenweg zu suchen, mal sehen, ob uns das gelingt.

P.O. Box 76

Jetzt endlich weiß ich, was „P.O.Box 76 Mbinga via Songea, Tanzania“ bedeutet und bin dankbar für jeden Brief, der jemals hier ankam. Heute waren wir auf der Post. Übrigens regnet es hier seit Samstag und Deutschland hatte noch ein letztes Sommerwochenende… das Bild zeigt etwas von der trüben Regenstimmung hier. P.O. Box 76 ist leider nicht mehr von außen zu öffnen, der Schlüssel fehlt, ein Ersatzschlüssel ist nicht zu beschaffen. Man muss sich also an die Öffnungszeiten des Postamts halten und ist auf die Gnade der Postbeamtin angewiesen, um an die Post zu kommen.

Tansania hat es bisher nicht geschafft oder es war nicht notwendig, ein System der Postleitzahlen und Straßen einzuführen. Heute nun waren wir Post holen, das heißt, wir haben das Postfach 76 geleert und waren überrascht, was wir alles darin gefunden haben. Mein ganzer Rucksack war voll. Natürlich das Katholische Sonntagsblatt als aktuellste Zeitung hier, aber auch Briefe für alle möglichen Menschen auf den einzelnen Stationen, an denen die Schwestern sind. Die letzten zwei Wochen, in denen Sr. Lucia und ich unterwegs waren und Sr. Kaja in Deutschland ist, hatte niemand an die Post gedacht. Heute nun wurde die Post von uns abgeholt und im Regionalhaus noch mal sortiert, hier warten manche Brief nun darauf, dass irgendwann mal ein Auto zum Beispiel nach Tingi fährt und den Brief an den Katecheten mitnimmt. Da kann man nur hoffen, dass es nichts Wichtiges war.

Doch vielleicht geht es mit den Postleitzahlen so wie mit dem Festnetztelefon. Manche Dinge werden einfach übersprungen. Ein Land, in dem die meisten Menschen sogar zwei Handys haben, braucht man kein Festnetztelefon einführen. Vielleicht werden die Tansanier jetzt beim Emailverkehr voll einsteigen und sich die klassischen Briefträger einfach sparen… 

Angekommen

Ankommen in Mbinga bei Wolkenbruch, nach einer Woche zusammen gefalteter Beine in engen Bussen, zwischen Hühnern. Maissäcken und stillenden Mamas sind wir jetzt wieder im Regionalhaus. Sehr dankbar! Denn bis zum Schluss blieb die Reise eine Herausforderung. Unser heutiger Bus brauchte etliche Pausen… Zum Abkühlen und Kühlerwasser nachfüllen… Doch jetzt sind wir da und die Arbeit kann beginnen. Doch morgen ist Sonntag: Kupumsika – Ausruhen ist angesagt…