Es ist ein Wunder…

Der Friedhof von Komto

Der Friedhof von Komto

Gräber

Gräber

Wie ein Wunder scheint es uns in diesen Tagen, dass diese jungen Frauen nach wie vor nicht aufgeben und um ihr Charisma und ihre vinzentinische Sendung kämpfen – gegen alle Widerstände,  Schicksalsschläge und Brüche in ihrer Geschichte.

Heute erfuhren wir, wie sie von dem Grundstück, dass ihnen eigentlich gehörte, auf dem die Gemeinschaft begonnen hat und auf dem einmal das Mutterhaus gebaut werden sollte, vertrieben wurden und wie ihnen niemand half, ihre Rechte zu vertreten.

Wir besuchten die Dispensary, die Sr. Veronika leitet, in der vor Kurzem eingebrochen wurde, jemand das Mikroskop u.a. stahl und nun auch noch der Labormitarbeiter weggelaufen ist. Jetzt ist kaum noch eine vernünftige Diagnostik möglich. In Ariajavi will die Regierung die Dispensary schließen, weil der Entbindungsraum nicht in einem separaten Bauteil ist. Aber es finden kaum Entbindungen statt, die Frauen entbinden traditionell zuhause und Frauen mit Riskoschwangerschaften gehen in ein größeres Hospital. Doch nun steht die ganze Dispensary deswegen vor dem Aus.

In Komto, dem Lieblingsort der Schwestern, stehen ganz andere Herausforderungen an. Hier soll Holzwirtschaft angesiedelt werden, einige Flächen sind bereits aufgeforstet und die Farmer, die seit Generationen hier leben, werden sehr subtil vertrieben, denn der Staat hat kein Geld für offizielle Umsiedelungsmaßnahmen mit Entschädigungszahlungen. Die Methoden sind undurchsichtiger. Für die Gesundheitsversorgung und die Schule werden keine staatlichen Mittel mehr gezahlt. Die Straße (wohl nicht die passende Bezeichnung für diesen Transportweg, den unser Jeep nur mühsam an manchen Stellen bewältigt) wird nicht repariert. Den Bauern wird erklärt, dass es nicht ausreicht, nur für das tägliche Überleben anzubauen. Sie sollen moderne Landwirtschaftsmethoden anwenden, doch niemand unterstützt sie dabei… Auf unsere Frage, wer die Rechte dieser Bauern vertritt, ernten wir nur mitleidsvolle Blicke. „Wir sind nicht in Europa!“ wird uns erklärt.

Stimmt, keine Minute vergessen wir das, zum Beispiel wenn bei unserer Abendrunde das Geschrei der Hyänen uns von der Terrasse vertreibt, und wir zuerst den Zaun überprüfen, bevor wir uns ins Haus verkriechen.

Von Addis nach Nekemte (per SMS)

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Unser neuer Bischof entpuppt sich unter anderem als sicherer Driver und als guter Manager. Seine Gesprächspartner bat er kuzerhand, uns entgegen zu fahren, wechselte dann das Auto, führte 40 Minuten lang das Gespräch und stieg dann wieder bei uns ein.

So hatten wir die Möglichkeit kurz einen Pater aus Malta kennen zu lernen, der verschiedene Kinderernährungsprogramme unterstützt u.a. in der Pfarrei, in der der Bischof wieder zu uns wechselte. So wurden wir Zeugen des Empfangs die die Kinder Father George bereiteten. Beeindruckt war ich von seiner Aufmerksamkeit für die Kinder, sofort entdeckte er das Kind mit dem schlechtesten Ernährungszustand einer nässenden Wunde am Fuß und Kleider, die nicht mehr als Fetzen waren. Das war nicht seine letzte Wunde, denn für Schuhe scheint es bei vielen Familien nicht zu reichen. Klar, wenn es nicht einmal zum Essen reicht.

Wir dagegen werden überall festlich bewirtet. Gegensätze, die nur zu ertragen sind, wenn man weiß, wie wichtig das Gebot der Gastfreundschaft ist. Von Nekemte aus besuchen wir morgen die beiden Stationen Komto und Ariajavi.

Addis Ababa (per SMS)

Addis Ababa, die „neue Blume“ wie die Stadt bei ihrer Gründung genannt wurde, haben wir heute ein wenig abseits der üblichen Wege kennen gelernt. Überall wird gebaut, riesige Straßenschluchten in die Stadt geschlagen, Hütten müssen der Metro und den modernen Hochhäusern Platz machen, den Armen bleibt dann nur ein noch armseligerer Bretterverschlag oder eine Plastikplane auf der Verkehrsinsel.

Im neuen Bischof ist die Wut auf das System (noch) zu spüren. Er erzählt von Korruption und Repression durch den Staat – und von den Hilfsorganisationen, die sich durch die Säkularisierung in Europa immer stärker von den privaten Organisationen und Kirchen abwenden und die staatlichen Stellen großzügig unterstützen – ohne zu beachten wie viele offenen Hände auf dem Weg von oben nach unten, zu den einfachen Menschen bedient werden müssen.

Morgen in der Frühe geht es weiter nach Nekemte. Wir freuen uns auf dei Fahrt durchs Land. Vielleicht ist es auch ein wenig Flucht vor dem Gefühl der Ohnmacht, die diese Stadt auslöst.

Warten macht müde …

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Die erste Etappe haben wir hinter uns und warten mal wieder, dieses Mal in Istanbul, aber irgendwie unterscheiden sich die Flughäfen immer wenigern, die selben Duty Free Shops, die selben Werbeplakate und ein gestresstes oder gelangweiltes Multikulti-Durcheinander…

Und so warten wir halt. Warten auf den Anschlussflug, warten vor der Gepäckkontrolle, warten an der Passkontrolle, warten…
Irgendwie versuchen wir uns auf das Kommende vorzubereiten, die Pläne durch zu sprechen, uns über das Land und die aktuelle Situation zu informieren… Und doch werden die Dinge noch mal ganz anders, als geplant kommen.

Irgendwann heute Nacht werden wir in Addis Ababa abgeholt und dann werden wir sehen, was die Schwestern geplant haben.