Dar Es Salaam – Hafen des Friedens

Heute war Nationalfeiertag in Tansania, Julius Nyereres Todestag, Julius Nyerer, der erste Präsident nach der Unabhängigkeit des Landes und nach wie vor verbindende und einende Identifikationsfigur für dieses Land.

Außer diesem Todestag gibt es noch diverse andere staatliche Feiertage u.a. Sabasaba oder Nanenane, also der 7.7. und der 8.8.. Einer davon ist der Tag der Bauern, an einem wird die größte Industrie- und Landwirtschaftsmesse im Land eröffnet.

Neben den staatlichen Feiertagen gibt es natürlich auch die kirchlichen, wobei natürlich die christlichen und die muslimischen Feste beachtet werden.

Interessanterweise werden manche muslimischen Feste, die sich nach dem Mondkalender richten, erst ganz kurzfristig festgesetzt. Da an diesen Tagen Schulen und Behörden geschlossen sind, muss man sich am Abend vorher übers Radio informieren, ob nun am nächsten oder übernächsten Tag der Feiertag stattfindet. Erklären konnte mir dieses Vorgehen bis jetzt niemand, aber ich werde mich weiter auf die Suche nach Begründungen machen.

Heute Abend geht es auf den Flughafen. Herr H. und Jana kommen an. Herr H. wird sich in den nächsten Wochen vor allem um die aktuellen Projekte kümmern und Jana wird in Ikonda das Team als MTR unterstützen. 

Wir hoffen auf Neuigkeiten aus Deutschland und freuen uns über Unterstützung. 

P.S. Zum gestrigen Foto: wir sind nur das kurze Stück bis zum Busbahnhof mit dem Auto gefahren – leider! Es ist eine dieser zusammengebastelten Kisten und besteht nur aus dem Notwendigsten. Auf Nebensächlichkeiten wie Blinker, Scheibenwischer oder ähnlicher „Schnickschnack“ wurde großzügig verzichtet.

Großstadt

Nach einer Woche Idylle im Rivervalley ist der Kontrast zu Daressalaam extrem. Allein für die paar Kilometer vom Busbahnhof bis nach Kurasini ging es zwei Stunden im Stau vorwärts. Obwohl unsere Taxifahrer zu zweit immer nach dem besten Schleichweg gesucht haben. Auf der Busspur, auf dem Bürgersteig, auf der Gegenspur haben wir uns fortbewegt, zwischendurch waren eigentlich alle so ineinander verkeilt, dass ich Sorge hatte, dass sich der Knoten ohne Schlägerei nie auflöst. Aber dann fängt jemand an zu lachen und plötzlich entwirrt sich das Chaos.

So sind wir also gut in Dar angekommen.

Wasserstelle

Bei unserer heutigen Wanderung kamen wir an einer der Wasserstellen vorbei, die Viehtränke, Freibad, Badewanne, öffentliche Waschmaschine, Brunnen und Motorradwaschanlage in einem ist. Geschweige denn welche sozialen Kontakte hier gepflegt werden. Leider reichen unsere Sprachkenntnisse noch nicht, um wirklich ins Gespräch zu kommen und mehr als Höflichkeitsformeln auszutauschen.

Wochenende: Kupumsika – Ausruhen

In allen Geschichten, die wir im Sprachkurs übersetzen durften, ging es darum, dass man sich am Wochenende ausruht…kupumsika – ausruhen, eines der ganz wichtigen Worte! Die zwei wichtigsten Botschaften über die tansanische Kultur im Sprachkurs waren das Ausruhen am Wochenende und das Bibellesen am Abend.

Ausruhen bedeutet Ausruhen, nicht Ausruhen und nebenher ein Buch lesen, Musik hören oder Rosenkranz beten… Nein. Ausruhen, sich erholen ist eine Tätigkeit an sich. Man sitzt dazu meist in den Schatten vorm Haus und ruht aus.

Beim Ausruhen heute, am Samstag haben wir vermutlich im tansanischen Sinn eher versagt. Am Vormittag stand ein größerer Spaziergang auf dem Programm und am Nachmittag Volleyball spielen, jetzt kann ich kaum noch vom Stuhl aufstehen vor lauter Muskelkater…

Und doch war vor allem unser Spaziergang ein ganz besonderes Erlebnis. Polly, der Camp Hund begleitete uns. Und kaum waren wir vor dem Tor, begann Polly die Jagd auf die Affen. In den Wipfeln der Bäume war eine ganze Horde, die sich über Polly lautstark lustig machte. Polly jagte von einem Baum zum anderen, doch die Affen waren immer schneller und hatten ihren Spaß. An einem Fluss entlang durch wunderschöne Vegetation hindurch, kletterten wir streckenweise von Stein zu Stein flussaufwärts bis zum Waschplatz eines Dorfes. Als die Sonne zu heiß wurde, machten wir uns mit Polly auf den Heimweg. Wäsche waschen und Vokabel lernen, war angesagt, bis die stärkste Hitze nachgelassen hat und der Volleyball ausgepackt wurde. So hat diese Woche auch etwas von Urlaub!

Begegnungen im Camp

Während wir am Abend gerade fertig sind mit Wiederholungen und die Hausaufgaben noch warten, kommen manche der Campgäste mit leuchtenden Augen von der Safari in den Ruahanationalpark zurück. Zehn Löwen auf einem Fleck, Krokodile, Flusspferde am Wasserloch, die „Big Five“… Stolz werden die Kameras mit den Aufnahmen gezeigt und zufrieden sitzen die Fotojäger mit denen, die vom Lernen erschöpft sind, am Abendessen.

Gesprochen wird Englisch… Und die Truppe ist so bunt… Melodie aus Texas musste uns erst erklären, dass die Sprache, die sie spricht, Englisch heißt. Sie macht einen viermonatigen Sprachkurs und ihr Kiswahili hört sich für uns stark nach „J.R.“ aus Dallas an. Ein junges Ehepaar aus den Niederlanden ist ebenfalls für mehrere Monate hier, beides Linguistiker, die die Bibel in verschiedene Stammessprachen übersetzen wollen.

Heute kam ein älterer Mann aus Südafrika an, er ist dabei, sein Motorrad nach Hause zu bringen. Nach den heute gefahrenen 900 km kam er stehend im Camp an. Aber glücklich! Im Haus neben uns wohnt eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Während die Eltern Kiswahili lernen und sich auf ihren Einsatz als Missionare auf Sansibar vorbereiten, spielen die beiden Mädchen hingebungsvoll mit einem Koffer voll Faschingskleider und werden mitten im afrikanischen Busch zu Prinzessinnen, Feen und  Zauberern.

Eine bunte Truppe in einer abgeschlossenen Welt… Und irgendwie weit weg vom Leben in Tansania…

Begegnungen

Nun werden Veränderungen spürbar… Meine bisherigen Reisen waren geprägt von einmaligen Begegnungen und Eindrücken… Blitzbesuche… Und dann ging es weiter zum nächsten Ort, das nächste Schicksal, die nächste Not… Doch nun verändern sich die Begegnungen, Beziehungen entstehen… Nun ist Lulu, das kleine Mädchen aus Ilunda letzte Woche gestorben, wenn ich nächste Woche im Kinderdorf vorbeikomme, wird sie mir fehlen…

Lashwilli, war die andere Begegnung zu Beginn der Reise.

Heute war ich in Iringa, um Geld für seinen weiteren Krankenhausaufenthalt in Ikonda zu überweisen. Geldüberweisungen können hier per Handy getätigt werden – zumindest kleinere Beträge… Lashwilli hat die Bilder seiner Wunde per Handy an uns geschickt. Er wollte unbedingt heim, denn das Geld wurde knapp. Aber noch immer ist die Wunde handtellergroß. Eine Woche Verbandswechsel unter einigermaßen hygienischen Bedingungen schaden der Wunde nicht. Ansonsten bekommt er womöglich eine erneute Infektion und alles war umsonst und er verliert das Bein doch noch…

Aber eigentlich ist Lernen angesagt!!!

Untermieter

Unsere Untermieter haben uns die halbe Nacht beschäftigt. Vermutlich wohnten sie schon länger in unserem strohgedeckten Blockhaus und wir haben sie vertrieben.

Zumindest Sr. Lucia, die unterm Dach gewohnt hat, wurde ihnen zur Bedrohung. Die erste Nacht verhielten sie sich noch abwartend und blieben im Strohdach versteckt. Wir hörten es nur rascheln. Gestern Abend wurden sie dann aber richtig frech und eroberten das Dachgeschoss zurück. Als sie auf dem Dachboden mit schnellen kleinen Schritten unter Sr. Lucias Bett hin und her rannten, fand sie Obdach im Doppelbett hier unten.

Doch nicht genug, das zurückeroberte Dachgeschoss schien nicht auszureichen. Auf einmal ging das Geraschel im Papierkorb los und wir hatten sie hier unten. Mit dem Kleiderbügel bewaffnet, versuchten wir sie zur Haustür hinauszujagen. Doch nicht mit Gewalt mit List haben wir unsere Hütte zurück erobert. Der Geruch von Salzgebäck kurz hinter der Türschwelle außerhalb der Hütte, lockte sie schließlich wieder die Treppe herunter. Angespannt saßen wir mucksmäuschenstill im Bett und warteten, bis sie sich die Treppe herunter traute und endlich durch die Haustür verschwand. Ruckzuck waren wir aus dem Bett und die Tür hinter der Maus zu.

Vielleicht sind Mäuse in Tansania einfach viel größer als in Deutschland, denn weitere Schlussfolgerungen Richtung Ratte wären unangenehmer…

Auf alle Fälle konnten wir dann endlich in Ruhe einschlafen. Eine einzige Maus hat die Hütte in der Nacht mit so viel Leben und Lärm erfüllt, dass wir dachten, eine Großfamilie zu beherbergen.

Heute werden wir hoffentlich Ruhe und unsere Maus wird ein neues Zuhause gefunden haben.

Iringa – Sprachkurs

Der Ort ist wirklich wunderschön, aber ob uns das hilft… Wir wohnen in einer kleinen Goldgräberhütte, aber aus einem guten Western – nicht wie in Dar Pori… Mit einer Luxusdusche – wenn es warmes Wasser gäbe. Naja, man kann nicht alles haben…. Beim Abendessen trafen wir auf Menschen, die in den unterschiedlichsten Kirchen und Freikirchen aktiv sind und sich auf interessante Tätigkeiten hier im Land vorbereiten… Alle wollen dafür ihre Sprachkenntnisse verbessern, manche gar sechs Monate lang. Wie das zu organisieren ist, werden wir morgen sehen.