Es weihnachtet…

Schon in Dar es Salaam am Flughafen kommt uns „Weihnachtliches“ in Form von geschmückten Christbäumen entgegen. In Zürich wurde es dann noch glitzernder. Überall Lichterglanz! Gold in allen Formen… und in Untermarchtal lag dann auch noch Schnee! Kontrastprogramm pur!

Und nun geht es darum, die Ergebnisse der Diskussionen auszuwerten und umsetzen. In Untermarchtal erwarteten uns viele positive Rückmeldungen zum Jahresgruß und Grüße von Menschen, die uns ideell und finanziell unterstützen.

Morgen erwarten wir die Ankunft von Sr. Ruth und Sr. Grace aus Äthiopien. Geplant ist, dass beide Schwestern ungefähr zwei Jahre hier in Deutschland sein werden, um unsere Art unser vinzentinisches Charisma zu leben, unsere Sprache und unsere Kultur kennen zu lernen. Über ein Jahr haben wir auf die Genehmigung der Visa gewartet, jetzt ging es auf einmal sehr schnell. Für beide Schwestern sicher eine gr0ße Herausforderung, vor Weihnachten in den deutschen Winter zu kommen.

In alten und in kranken Tagen…

Seit einem Jahr sind alle Schwestern in Mbinga krankenversichert und immer wieder, vor allem dann, wenn ich einer kranken Schwester begegne oder sie besuche, erklärt sie mir, welche Erleichterung, dass für sie bedeutet und welche große Unterstützung diese Krankenversicherung für die Gemeinschaft ist. Ich wünsche mir so sehr, dass uns das auch bald für die Arbeiter gelingt. Wieder einmal ist in dieser Woche ein Arbeiter von der Farm an seiner zu spät behandelten HIV-Infektion verstorben.

Inzwischen werden erste Schwestern in Mbinga pflegebedürftig. Wie überall in der Welt bringt dies neue Herausforderungen mit sich. Gerade sind die Schwestern nun dabei, die Wege im Regionalhaus rollstuhlgerecht zu sanieren. Höchste Zeit, denn am Freitag hat irgendjemand nach dem Gottesdienst den Rollstuhl an der falschen Stelle angefasst. Nur unter großem Gelächter und Palaver gelang es, dass Sr. Katharina nicht aus dem Rollstuhl gekippt ist. Morgen, Sonntag, wird sie nun problemlos die Hürde von drei Stufen auf einer leicht abgeschrägten Rampe überwinden können. Sie freut sich schon jetzt auf dieses kleine Stück Unabhängigkeit.

Tankstellen…

Besuche in Litembo sind immer etwas ganz Besonderes. Nirgends schmeckt die Wurstplatte so gut und nirgendwo ist der Tisch so schön gedeckt – eine kleine deutsche Enklave in Tansania. Dabei ist der Weg nach Litembo schon einfach die Reise wert. Naja, nicht die vielen Schlaglöcher… Die trainieren sowohl die Stoßdämpfer unseres alten Benz, wie auch unsere eigenen Bandscheiben. Aber landschaftlich ist es einfach ein Traum, eigentlich zu jeder Jahreszeit. Aber jetzt nach dem ersten Regen leuchtet alles in ganz unterschiedlichen kräftigen Grüntönen und dazwischen die frisch gehackten und umgegrabenen Felder mit ihrer roten Erde – eine richtige Farbexplosion, die es kurz vor dem Heimflug in den deutschen Winter noch zu tanken gilt.

Landrechte

Wieder einmal statteten wir den Schwestern in Mkenda einen Besuch ab. Dieses Mal hatten die Dorfältesten um unser Kommen gebeten. Irgendwie ging es um Landrechte, um Nutzung von Land und um Eigentum. Für mich nach wie vor ein hochkomplexes und schwer zu verstehendes Thema. In den Regionen des Landes, die sehr abseits liegen und bis vor Kurzem von der Welt vergessen wurden, scheint ein wahrer Boom zu beginnen. Leute aus der Stadt, Firmen aus dem Ausland und Organisationen, wie die Kirche oder ein Orden „stecken ihre Claims ab“ und oft kommen die Einheimischen dabei unter die Räder. Genau deshalb sind Versammlungen, wie die, die wir gestern erlebt haben, so wichtig.

Ich war überrascht über den illustren Kreis unserer Besprechung. Obligatorisch ist bei jeder Versammlung in Tansania eine Vorstellrunde. Da saßen Bauern neben den Sekretären der Partei, der katholischen Kirchengemeinde, der moslemischen Gemeinde, des Bauernverbandes, dem Lehrer und dem Dorfvorsteher – fast ausschließlich Männer, und das alles unter zwei großen Bäumen bei mindestens 35 Grad im Schatten.

Die Atmosphäre war durchaus angespannt, denn schließlich ging es um ein zentrales Anliegen – und doch lief alles nach klaren Regeln ab. Jeder grüßte zuerst mit dem moslemischen, dann mit dem christlichen Gruß. Die Ältesten der Versammlung sprachen zuerst, ließen sich ausreden – auch wenn manchmal wirklich viel zu sagen hatten und die Bedeutung des Gesagten durch Wiederholungen hervor gehoben wurde.

Unsere Gemeinschaft hat ein wirkliches großes Stück Land dort erworben, doch der Bau des Kindergartens und des Brunnens zeigt den Menschen nun, dass ihnen allen dieses Land nutzen wird. Was sie nun wollten, waren die Zusagen, dass wir sie mit dem Wasserproblem und dem Problem in der gesundheitlichen Erstversorgung nicht alleine lassen. Dafür nehmen sie dann gerne auch einen weiteren Weg zu ihren eigenen Feldern in Kauf. Auf der Heimfahrt war ich sehr bewegt von dieser Höflichkeit und dem Vertrauen der Menschen. Ich kann nun nur hoffen, dass wir sie nicht enttäuschen.

Kurz war noch Zeit, die Arbeit von Sr. Bona und ihren Mitarbeitern am Kindergarten anzuschauen. Beeindruckend, wie sie das unter diesen Bedingungen meistert. Allerdings erklärte sie auf meine Nachfrage, dass sie gerade sehr müde ist, weil sie um Geld zu sparen, selbst das Wasser auf dem Kopf vom Brunnen zur Baustelle getragen hat. Das Wasser für den Verputz, das bedeutet unzählige große Eimer auf dem Kopf vom Brunnen zur Baustelle. Kein Wunder, dass sie müde ist! Ihre Kraft braucht sie aber für das Gesamtprojekt, denn da steht noch einiges an.

Workshop

Gemeinsam habe wir uns auf den Weg gemacht, eine gemeinsame Vorstellungen von einem Haushaltsplan zu entwickeln. Transparenz, klare Verantwortlichkeiten, offene Kommunikation aber auch Liebe und Verzeihen wurden als wichtige Grundlagen für die Kooperation definiert.

Und auf dieser Grundlage haben wir versucht, unsere Informationen, unsere Kompetenzen und unsere Visionen zusammen zu legen und aus dem Chaos auf dem Tisch eine Struktur aufzubauen, die uns hilft, einen Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen.

Auseinander gegangen sind wir mit vielen Hausaufgaben – und mit dem Gefühl, einen wichtigen Schritt aufeinander zu und in die Zukunft gegangen zu sein.

In der Zwischenzeit

In der Zwischenzeit sind Sr. Elisabeth und Herr Superior in Dar es Salaam und haben gestern die Schwestern in Luhanga besucht. Hier hat der neue Regionalrat begonnen, die Aufgaben ein wenig zu verteilen. Eva und ich sind dabei, den Workshop zum Haushaltsplan vorzubereiten. In den Internaten sind die Kinder Ende letzter Woche in die Ferien aufgebrochen und heute hat es das erste Mal richtig stark geregnet. Die Feststimmung von letzter Woche ist einer Geschäftigkeit gewichen, die für uns ein wenig seltsam anmutet. Aus Deutschland kommen Bilder von Weihnachtsmärkten und erstem Schnee… spätestens dann machen wir uns hier auf die Suche nach Adventsspuren. Und wieder einmal verblüfft es mich, in den liturgischen Texten so viele Parallelen zu der hiesigen Erfahrungswelt zu entdecken. Die Prophezeiungen des Jesajas erzählen heute von blühenden Wüsten. Und genau dies erleben wir hier. Mit jedem Tag wird alles grüner. Auf den ersten Feldern sprosst es, die Saat geht auf und die Menschen drängen aufs Feld. Jede Hand wird gebraucht, damit der Ertrag das Auskommen absichert. Also stehen für die Schüler jetzt keine Erholungsreise oder Ferienlager an, sondern Feldarbeit mit der gesamten Familie.

Die neue Regionalleitung in Mbinga

Heute nun war der große Tag. Die neue Regionalleitung in Mbinga wurde in einem feierlichen Gottesdienst eingesetzt. Sr. Janeth wird nun als Regionaloberin die Region Mbinga leiten. Sr. Aurelia, Sr. Miriam, Sr. Ernesta und Sr. Zitha werden sie im Regionalrat unterstützen.

Für diese herausfordernde Aufgabe werden sie unser aller Unterstützung und unser Gebet brauchen.

Adventliches Warten

Unser adventliches Warten hat gestern vermutlich den Höhepunkt erreicht.

Um 10 Uhr hatten wir einen Termin mit dem Erzbischof in Songea vereinbart. Schon beim Frühstück erhielten wir dann die Nachricht, dass der Erzbischof erst am Morgen von Njombe nach Songea fährt und es später werden kann. Wir sollen in Ruhuwiko auf ihn warten. Also sind wir brav losgefahren und in Ruhuwiko natürlich erst einmal zum Chai eingeladen worden. Die Schwestern wollten uns auch gleich ein Zimmer zum Ausruhen im Gästehaus anbieten. Doch das haben wir natürlich abgelehnt. Nicht sehr schlau von uns, denn ein ausgiebiger Mittagsschlaf wäre gut noch drin gewesen… Wieder einmal haben die tansanischen Schwestern schneller verstanden, wie der Hase läuft. Irgendwann um 15 Uhr erhielten wir die Nachricht, dass wir um 16 Uhr kommen sollen. Immerhin ein wenig Klarheit, so dass wir die Stunde nutzen konnten, um wenigstens kurz den neuen Schwesternkonvent in Lisaboni zu besuchen. Selbstverständlich waren wir dann pünktlich um 16 Uhr im Bischofshaus. Dort wartete in einem Raum auf uns ein älterer Priester, der uns immer wieder erklärte, dass es für uns als Deutsche sicher schwer wäre, wenn unser Gegenüber unpünktlich sei. Naja, als unpünktlich würden wir diese Verspätung kaum mehr bezeichnen. Doch im Geheimen bewundere ich diese unendliche Gelassenheit und den völlig anderen Umgang mit der Zeit…

Endlich nach ungefähr anderthalb Stunden wurden wir dann ins Büro des Erzbischofs gebeten. Nach dem üblichen  Smalltalk nahm unser Gespräch jedoch eine überraschende Wendung. Seine müden Augen begannen zu leuchten und ein Teil seines inneren Feuers trat in Erscheinung, als er uns einen geschichtlichen Abriss über die letzten 150 Jahre tansanische Geschichte und Kirchengeschichte gab. Eine wirklich spannende Erfahrung… gerade auch an diesem versöhnenden Blick auf die durchaus nicht nur positiven Erfahrungen zwischen Tansaniern und Europäern aus der Perspektive eines Tansaniers teil haben zu können.

Und zwischendurch sind wir überall auf den Spuren des Advents… entdecken Bekanntes, wie die „Engel-Ausstecherle“ von Sr. Amabilis und Unbekanntes, wie die Parallelen der hiesigen Natur zu den Texten des Jesajas in den adventlichen Lesungen.

Sendepause

Ein aus Deutschland mit- und hier dann verschleppter Infekt war der Grund für meine Sendepause… Doch das Leben geht weiter… Inzwischen wurde von Sr. Elisabeth erste Gespräche mit den gewählten Regionalrätinnen geführt, alle tansanischen Konvente informiert, das Fest der Einsetzung am Freitag vorbereitet und natürlich Besuche in den in Mbinga gelegenen Einrichtungen gemacht.

Gestern waren wir dann gemeinsam in Loreto. Dort hat uns vor allem die Situation von Theo beschäftigt. Er hat von Geburt an eine schwere körperliche Behinderung mit stark deformierten Gliedmaßen und einem extremen Kleinwuchs. Er bewegt sich ausschließlich im Rollstuhl fort. Sr. Bahati kam mit ihm aus dem Krankenhaus zurück. Auf den Röntgenbildern war ein älterer Bruch des Oberschenkels kurz oberhalb des Knies zu sehen. Vermutlich hat er sich den Bruch schon zuhause zugezogen, dort wurde er jedoch gar nicht medizinisch versorgt. Die Familie sei zu arm. Jetzt – Wochen später – hat er eindeutig über Schmerzen geklagt und ist mit der Sprache rausgerückt. Nun kann jedoch hier in Mbinga oder Kigonsera mit diesem Bruch und der Grunderkrankung erst einmal gar nichts gemacht werden. Blöderweise stehen auch die Ferien vor der Tür und aktuell sind erst einmal die Abschlussprüfungen vorrangig. Jetzt können wir nur hoffen, dass Theo so bald wie möglich in ein größeres Krankenhaus z.B, nach Iringa kommt, damit das Bein so versorgt wird, dass er schmerzfrei sein kann.

Passend zum 1. Advent… Warten und Willkommen heißen

Sr. Elisabeth und Herr Superior Briemle sind glücklich in Songea gelandet, trotz Verspätung wegen eines vereisten Flugzeugs in Zürich ging alles irgendwie gut und sie haben ihren Anschlussflug geschafft – mit Hilfe des Flughafenpersonals, über Schleichwege, von hinten an die Passkontrolle, direkt ins Flugzeug per Minibus gebracht. Gott sei Dank. Denn sonst wäre der knapp gespannte Zeitplan ziemlich ins Wanken geraten. Und dabei wartete der Karibu-sana-Kuchen schon auf sie! Der wäre ziemlich trocken geworden, hätten wir bis Dienstag – erst dann fliegt das Flugzeug wieder – warten müssen.

Auch für die Schwestern der Region Mbinga hat das Warten bald ein Ende. Heute morgen haben wir mit dem Wahlkomitee die Stimmen der Wahl zur Regionalrätinnen ausgezählt. Morgen kann das Ergebnis hoffentlich bekannt gegeben werden. Dann können wir zu vier Schwestern „Karibu sana“ im Regionalrat sagen.