Unterwegs ins „Dorf der Hoffnung“ (Gastautorin: B. Grosch)

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7:30 Uhr: Wir starten nach Mtwango Ilunda, „Dorf der Hoffnung“, Kinderdorf für Aidswaisen. Vorbei an kleinen Dörfern, kleine Kirchen und kleine Moscheen, einige Kinder rennen an den Straßenrand und winken uns zu.

Der Tourismus hier ist noch sehr überschaubar. Viele Kinder können nicht in die Schule, der Schulweg ist zu weit, die Eltern können sich oftmals den Schulbus und die Schuluniform nicht leisten.

Zwischenstopp in Isimila, Steinzeit, alter Steine aus Sandsteinsäulen, wo vor 300.000 Jahre Menschen gelebt haben.

Ankunft im Kinderdorf.

Die Schwestern und die Kinder begrüßen uns mit einem Willkommenslied. Die Kinder wollen unbedingt unsere Koffer in das Gästehaus rollen. Wir machen uns Sorgen und haben Angst, teilweise sind die Koffer größer als die Kinder. Wir beziehen unsere Zimmer, Doppelzimmer und Drei-Bett-Zimmer. Anschließend gibt es eine Führung durch das Kinderdorf von der Oberin. Es leben 78 Kinder hier, die kleinsten zwei und vier Monate alt. Zum Abschluss des Tages ein gemeinsames Abendessen zusammen mit den Schwestern.

Isimili Stone Age

Isimili Stone Age

Im Nationalpark (Gastautorin: B. Grosch)

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7:30 Uhr. Wir starten mit den Landrovern in den Ruaha Nationalpark zur Tagessafari. Die Straßen sind hier teilweise recht abenteuerlich. Manchmal komme ich mir vor wie in einem Massagesessel, der auf High Turbo gestellt ist. Man könnte auch sagen: geschüttelt und nicht gerührt. Aber die einheimischen Fahrer sind Profis. Wir haben viele Tiere gesehen, Zebras, Affen, Elefanten, Krokodile, Antilopen, Geier, die unterschiedlichsten Vögel, Giraffen und Flusspferde. Und immer haben wir natürlich auch nach Löwen Ausschau gehalten, jedoch nur einen toten, bereits ab genagten, von Geiern übersät, die die Reste weg gepickt haben, gesehen. Ich habe kein Bild davon gemacht, es war mir zu pietätslos. Es ist faszinierend diese Tiere in der Freiheit beobachten und erleben zu können. Und hier in der Freiheit, wird es einem so richtig bewusst, warum die Tiere so gezeichnet sind, wie sie sind, Sie haben eine perfekte Tarnung. Auf der Fahrt zurück in unser Hotel ein kleiner Zwischenstopp in einem kleinen Laden der Massais, die Schmuck, Schnitzereien, Bilder, etc. verkaufen.

Durch Tansania (Gastautorin: B. Grosch)

Die Zimmer sind hier teilweise recht lebendig. Gestern Nacht hatte ich einen Mitbewohner, einen kleinen Gecko, er hatte allerdings mehr Angst vor mir als ich vor ihm und schwupp hatte er sich in meinem Zimmer versteckt. Den kleinen schwarzen Frosch, der mir auf die Hand gehopst ist als ich die Terrassentür zu geschoben habe, habe ich dann aber doch höflich aber bestimmend aus meinem Zimmer geschubst.

8:30 Uhr, wir starten nach Iringa ins Hochgebirge. Die Straße ist wenig befahren hauptsächlich Busse und LKWs und am Straßenrand Affen. Hoch die Serpentinen, man braucht viel Zeit und Geduld, die LKWs sind voll beladen. Die LKWs die uns entgegenkommen brauchen gute Bremsen. Kurzer Zwischenstopp in der City und Besichtigung der Markthalle und der kleinen Geschäfte. Weiter geht es nach Ruaha in die Hilltop Lodge.

Erste Eindrücke (Gastautorin: B. Grosch)

Die Dusche heute Morgen war sehr kurzweilig und sehr erfrischend.

Warmes Wasser gibt es selbstverständlich auch. Allerdings hätte ich mit dem Eimer, der im Bad steht, Wasser aus dem Boiler, der draußen im Innenhof steht, holen müssen. Dies war mir dann zu stressig, ich habe Urlaub. Los geht’s mit dem Bus Richtung  Iringa, Zwischenstopp bei den Franziskaner-Schwestern in Kinaha.

Ein kurzes vorgezogenes Mittagessen und eine kleine Bekanntschaft mit den Schülern aus der Schule. Und weil wir nicht alles aufgegessen haben, haben uns die Schwester noch Reiseproviant mitgegeben: Popcorn, Kekse und Nüsse. Danach vier Stunden im Bus. Tansanier fahren recht unerschrocken und mutig Auto. Gut angekommen im Tan Swiss. Unterwegs haben wir einige Giraffen, Zebras, Antilopen und Affen gesehen.

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Unser erster Tag in Tansania (Gastautorin: B. Grosch)

Wir, eine kleine Gruppe mit 12 Personen und unser Reiseleiter Friedhelm, sind alle gut in Dar es Salaam gelandet. Hat alles prima geklappt. Start in München, Zwischenstopp in Dubai. Am Flughafen Dar es Salaam haben wir alle noch Geld umgetauscht und dann ging es mit dem Bus weiter nach Mbagala ins Spiritul Centre, Klosteranlage eines Franziskanerordens.  Gemeinsames Abendessen und danach noch einen Absacker mit Pater Peter. Nach dieser langen Reise sind wir alle frühzeitig ins Bett.

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Zurück nach Dar es Salaam (Gastautor: Dr. T Broch)

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Zurück nach Dar es Salaam

Sieben Uhr: frühes Frühstück im Gäste-Refektorium der Benediktiner, gemeinsam mit den deutschen Freiwilligen, von denen zwei schon mit großem Gepäck zum Aufbruch bereit sind. Die Abteikirche, die wir noch kurz besuchen wollen, ist leider verschlossen – so bleibt ein letzter Blick auf die Fassade, bevor wir um acht Uhr zur letzten Tagesreise aufbrechen: Dar es Salaam. In der nächsten größeren Ortschaft, die wir in östlicher Richtung erreichen, Mtama, herrscht bereits reger Marktbetrieb. Später folgen wir dem breiten Tal des Lukuledi, der den letzten Bergzug vor dem Indischen Ozean durchquert. Die Gegend ist hier fruchtbarer und wirkt wohlhabender. Der Baumbestand ist grün und dicht; die Palmen, die zunächst nur in Gruppen stehen, werden immer mehr zu Palmenwäldern. In Mahambiki teilt sich die Straße: nach Süden zweigt sie in Richtung Mtwara und Moςambique ab, wir nehmen den Weg nach Norden Richtung Lindi und Dar es Salaam. Rund 470 km liegen an diesem Tag noch vor uns.

Mahambiki scheint ein größerer Umschlagplatz zu sein, wenigstens könnte man dies aus den vielen Trucks schließen, die hier links und rechts parken. Wir kommen dem Meer ziemlich nahe. Der Rudamba, der hier wie zahlreiche andere kleine und größere Flüsse – teils mit Wasser, teils trocken – dem Meer zustrebt, bildet kurz vor der Stadt Lindi eine schmale, lang gezogene Mündungsbucht, an wir über eine längere Strecke hinweg an großen rechteckigen Feldern vorbei fahren, in denen das Meerwasser gesammelt wird und zur Salzgewinnung verdunstet. Mangrovenhaine zeugen von Ebbe und Flut. Dann, in Lindi selbst, kommt der Indische Ozean in der Lindi-Bay bis fast an die Straße heran, bevor diese wieder weiter auf der Höhe zum Landesinneren hin verläuft.

In Kiranjerange gibt es einen unfreiwilligen Halt: Joseph wird von der Polizei angehalten; es ist in eine Radarfalle gefahren und muss 30.000 TZS bezahlen, weil es 25 km/h zu schnell war. Das ist viel Geld, für manchen Tansanianer ein ganzes Monatsgehalt. Er ist nicht der einzige, der bezahlen muss; so gut wie jeder Wagen wird angehalten, es scheint eine einträgliche Stelle für die Polizei zu sein.

Der Straße entlang werden viele neue Häuser gebaut, und zwar in der traditionellen Bauweise aus Stangengerüsten, deren Fächer mit Lehm ausgefüllt und nur so weit von außen verschmiert werden, dass man die Gerüststruktur noch erkennen kann. Immer wieder fahren wir an weitläufigem eingezäuntem Firmengelände vorbei, auf dem große Kalksteinbrocken lagern, manche behauen, andere roh. Sie scheinen in nahe gelegenen Steinbrüchen gebrochen zu werden. Viele sind bereits auf lange Tieflade-Trucks geladen und warten darauf, abtransportiert zu werden. Nur eine kurze Distanz von unserer Straße entfernt liegt Kilwa Kivinja am Meer, dessen historische arabische und koloniale Gebäude sehenswert sein müssen, da sie eigens auf der Landkarte ausgewiesen sind. Weiter im Norden bei Ndundu Rufiji überqueren wir den Rufiji, der zum Meer hin in ein breites sumpfiges Delta ausfächert. Bereits seit Längerem sind wir immer wieder an großen sumpfigen Wasserflächen mit armseligen Fischerhütten vorbeigefahren. Auch ein Storch hat sich da und dort eingefunden. Er scheint aber um diese Jahreszeit so wenig Wasser zu führen, dass wir ihn vom Auto aus gar nicht wahrnehmen. Der Rufijii, zu dem sich im Landesinneren mehrere andere Flüsse verbinden, gehört zu den großen Flüssen Tansanias und durchquert fast den ganzen Selous-Nationalpark. Je näher wir ihm im Hügelland kommen, desto üppiger wird die Vegetation, nicht zuletzt mit Bananenhainen und Palmen, und desto dichter und wohlhabender wird die Besiedlung, nachdem zuvor über weite Strecken hinweg die blanke Armut sichtbar war.  Auf den Märkten der Dörfer herrscht um diese Zeit, es ist gegen vier Uhr, reger Betrieb. Atmosphäre und Klima wirken tropisch. Hier sind wir dem Indischen Ozean wieder sehr nahe und befinden uns seit geraumer Zeit im Distrikt Pwani, nach dem wir lange durch den Distrikt Lindi gefahren sind. Im Distrikt Pwani liegt auch Dar es Salaam. Aber bis dorthin ist es noch ein gutes Stück Weg.

Alle diese Hinweise sollen nicht vergessen lassen, dass unsere Route oft über Dutzende Kilometer hinweg durch weite, nahezu völlig unbewohnte und menschenleere Savanne geführt hat. Vielleicht ist ja hier doch noch Lebensraum für Wildtiere, aber wir bekommen keine zu Gesicht.

Gegen 18 Uhr also erreichen wir die Vororte von Dar es Salaam, nachdem die immer stärker werdende Dichte der Besiedlung und des Verkehrs, die Menge der Menschen auf den Straßen, auf den Märkten, vor den Häusern und nicht zuletzt die zahlreichen großen Wirtschafts- und Industrieunternehmen die Nähe der inoffiziellen Hauptstadt schon seit Längerem angekündigt hatten. Auch die Firma Knauf aus Oberndorf am Neckar ist hier mit einem Gipswerk präsent. Joseph steuert unser Fahrzeug sicher und souverän durch das Verkehrschaos der Millionenstadt. Pünktlich um sieben Uhr treffen wir bei den Benediktinern in Kurasini ein, deren Gastfreundschaft wir zu Beginn der Reise bereits genossen haben. Dort treffen wir auch vier junge Freiwillige aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Franziska, Luisa, Klara und Ronja. Sie werden jetzt dorthin aufbrechen, wo wir soeben herkommen, und ein Jahr ihres Lebens mit den Menschen dort teilen. Unsere allerbesten Wünsche geben wir ihnen mit auf den Weg.

Ausblick auf Samstag, 12. August:

Sr Anna-Luisa bietet sich an, vormittags mit denjenigen in die Stadt zu gehen, die dies noch wünschen. Nach dem Mittagessen werden wir dann zum Flughafen aufbrechen und um 16.45 Uhr zunächst nach Dubai und dann weiter nach München fliegen. Wenn alles nach Plan verläuft, werden wir am Sonntag, dem 13. August, um 8.35 Uhr in München ankommen und dort mit Auto und Bahn nach Untermarchtal bzw. nach Pfaffenweiler fahren. Dann wird eine sehr bewegende, eindrucks- und erfahrungsstarke Reise zu Ende gehen.

Asante sana Tanzania!

Zwischenetappe in Ndanda (Gastautautor: Dr. T. Broch)

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5.30 Uhr Frühstück – ein letztes Mal mit Sr Kaja. 5.50 Uhr: Zum Abschied sind einige Schwestern zum bereits voll beladenen Toyota-Kleinbus gekommen – es werden in den nächsten Minuten immer mehr, die uns noch einmal die Hand geben, uns umarmen, gute Wünsche mit auf die Reise geben und vor allem sagen wollen, wir sollen doch wiederkommen. Immer herzlich willkommen, Karibuni tena.

Das Reiseziel des heutigen Tags ist Ndanda, eine Benediktiner-Abtei, ungefähr 700 km bzw. acht bis neun Fahrstunden Richtung Osten entfernt. Mit Pausen sollten es dann elf Stunden Reisezeit werden. Überraschend gibt es auf dem Weg Richtung Songea noch einen Abstecher nach Kigonsera, wo uns bei der Schwesternstation im Halbdunkel bereits Sr Mwombezi und ihre Mitschwestern erwarten, um uns ebenfalls Abschiedsgeschenke mit auf den Weg geben. Kurz darauf erreichen wir Ruhuwiko, wo wir Florian Hecke abladen, der noch bis Samstag hierbleiben wird. Überraschendes Zusammentreffen mit Sr Taji und Abschied von ihr, die an der Straße auf den Bus wartet.

Entlang der Straße sind schon früh sehr viele Menschen zu Fuß unterwegs, Erwachsene auf dem Weg zur Arbeit und Kinder auf dem Weg zur Schule. Eine erste Rast legen wir nach rund zwei Stunden in einem kleinen Restaurant am Straßenrand ein, das allerdings zu nicht viel mehr als zu einer Tasse Chai und ein paar Chabati animiert – Kaffee gibt es nicht –, obwohl der Koch, eine Junge mit weißer Kochmütze, uns zur Suppe einlädt und ein wenig enttäuscht wirkt, als wir freundlich dankend ablehnen. Die Dörfer wirken sehr arm, die Häuser sind zumeist einfache, mit Stroh gedeckte Häuschen aus Holz oder Lehm, Mauerwerk aus Ziegeln ist selten dabei. Das Straßenbild wird stark von Muslimen geprägt: Frauen und Mädchen mit bunten Schleiern, Männer mit den hier typischen runden Kappen auf dem Kopf. Die Straße ist gut ausgebaut, aber sehr kurvenreich. Gelegentlich taucht eine große Parkbucht auf, die durch ein Hinweisschild als „Weightbridge“ ausgewiesen ist, auf der gemessen wird, ob Busse und Lkw das zulässige Gesamtgewicht einhalten bzw. überschreiten – eine Vorsorgemaßnahme gegen Überlastung und vorzeitige Beschädigung der neuen Straße. Es gibt in Tansania nur wenige Überlandstraßen in dieser Qualität. Immer wieder halten Verkehrspolizisten den Wagen an und kontrollieren – was auch immer. Die Verkehrsdisziplin scheint allerdings gut zu sein. In den Siedlungen ist die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer begrenzt, und das wird strikt eingehalten. Auf den markierten Zebrastreifen, auch in der freien Landschaft, haben Fußgänger absolute Priorität.

Nach einiger Zeit geht es in eine Landschaft, die als Wildtiergelände gekennzeichnet ist. Der Blick geht immer wieder in eine unendlich und völlig unbewohnt wirkende Weite, sehr grün und dicht mit Buschwerk und niedrigen Bäumen bewachsen, ab und zu ein paar Palmen. Die morgendliche Kühle im Makete-Hochland ist inzwischen der Tageshitze gewichen, die graue Wolkendecke beim Aufbruch einem strahlend blauen Himmel mit lockerer weißer Quellbewölkung. Allmählich nimmt die Meereshöhe der Landschaft ab. Das Buschland geht zunehmend in spärlicher bewachsene Savanne über. Die Besiedlung entlang der Straße wird wieder dichter. In der Mittagshitze suchen die Menschen in größeren und kleineren Gruppen den Schatten unter Bäumen oder offenen Strohdächern – oft die Männer, die Frauen, die Kinder jeweils für sich. Immer wieder stehen einzelne Menschen oder Familien am Straßenrand, winken schon von Weitem und wollen mitgenommen werden. Etwas enttäuscht schauen sie uns nach, wenn wir ohne Halt an ihnen vorbeifahren. Dann richtet sich die Hoffnung eben auf das nächste Fahrzeug; es kann dauern, bis bei dem äußerst mäßigen Verkehr wieder jemand des Weges kommt. In diesem Land brauchen die Menschen Geduld und Gelassenheit. In einer kleinen Siedlung wird das Diesel knapp; Joseph, unser Fahrer, macht einen kleinen Straßenverkauf aus, der in Kanistern und alten Plastikflaschen auch Diesel führt, der mittels einer zu einem Trichter umfunktionierten alten Trinkflasche ohne Boden in den Tankstutzen eingefüllt wird. Dann kommt doch noch eine offizielle Tankstelle, an der das Fahrzeug vollgetankt werden kann. Ein paar Kilometer weiter ist ein mit Lebensmitteln beladener Lkw von der Straße abgekommen und seitlich abgekippt; die verlorene Ladung liegt im Straßengraben. Frauen sitzen daneben am Boden und säubern in großen Sieben die aus den aufgeplatzten Säcken gequollenen Getreidekörner, während ein anderer Lkw den Havaristen mit einer langen, quer über die Straße gespannten Kette aus seiner misslichen Lage herauszuschleppen versucht. Nach 13 Uhr erreichen wir Tunduru, etwa auf halber Strecke gelegen; viele Ladengeschäfte zeigen, dass wir hier in einer Diamantenstadt sind. Eine Viertelstunde später halten wir unter dem ausladenden Dach eines Baums am Straßenrand und genießen das Picknick, das uns die fürsorglichen Schwestern reichlich mitgegeben haben.

Nachdem wir durch Maji-Maji gefahren sind, tauchen vor uns wie aus dem Nichts gigantische Felsmassive auf, Solitäre, grau, kahlgeschliffen und abweisend: die Mbarika Montains, wo Tausende Krieger indigener Stämme beim so genannten Maji-Maji-Aufstand (1905-1907) gegen die deutschen Kolonialherren brutal niedergemetzelt wurden und weitere 150.000 Menschen anschließend in einer Politik der verbrannten Erde verhungerten. Später überqueren wir den Limesule, den Grenzfluss, der die Distrikte Songea-Ruvuma und Mtwara trennt. Hier taucht vor uns die Kulisse eines weiteren imposanten Bergzugs auf, der im Nordosten durch das Monsongesi-, im Süden durch das Lukwilo-Lumesule-Naturreservat eingerahmt wird. Das Panorama der Berge begleitet uns am südlichen Horizont weiter, aber die Landschaft wird wieder flacher, sie wirkt wegen der vielen Palmen auch maritimer. Vereinzelt wird sie unterbrochen durch gewaltige solitäre Felsformationen, in deren Schatten sich Siedlungen ducken. Eindrucksvoll sind auch die hohen und spitzen Termitenhügel, die oft mitten zwischen den Hütten aus dem Boden wachsen. Wir kommen durch Masasi, die letzte größere Stadt vor unserem Reiseziel, in der vor allem zahlreiche Ladengeschäfte auffallen, vor denen in großer Zahl fabrikneue Fahrräder für den Verkauf bereitstehen. Auffallend ist übrigens auch, dass das Straßenbild dieser Gegend inzwischen durch viele Mädchen und junge Frauen geprägt ist, die nicht nur einen bunten Schleier tragen, wie weiter im Westen, sondern einen weißen und manchmal auch einen schwarzen Niqab, der nur einen sehr begrenzten Ausschnitt des Gesichts frei lässt und weit über den Oberkörper hinunter fällt. Es scheint, dass hier eine konservativere Form des Islam dominiert.

Es ist schwül geworden, als südöstlich vor uns wieder eine Bergkette am Horizont auftaucht, hinter der sich das Hochland der Makonde erstreckt, die im 18./19. Jahrhundert aus dem Norden Moςambiques hierher eingewandert und wegen ihrer Schnitzereien berühmt sind. Auch während des Bürgerkriegs im südlichen Nachbarland sind viele Moςambique-Makonde hierher geflohen, in eine ohnehin bevölkerungsreiche und sehr arme Region.

Kurz nach 17 Uhr kommen wir in Ndanda an, der zweiten großen Benediktiner-Abtei, die wir im südlichen Tansania besuchen. Im 19. Jahrhundert wurde sie von deutschen Mönchen aus dem bayerischen St. Ottilien gegründet, und die helle Kathedrale und die anderen Bauwerke, die wir im Dämmerlicht sehen, verweisen in ihrer Architektursprache auf die Gründung im Zeitalter der deutschen Romantik. Berühmt ist auch die Klinik der Benediktiner in Ndanda. Julius Nyerere, der Gründer und erste Präsident des heutigen Staats Tansania, hat sich hier behandeln lassen, während John Pope Magufuli, der heutige Präsident, eine Zeitlang Schüler der hiesigen Klosterschule war. Ebenso wie von Peramiho aus, so wurden auch von hier aus Pfarreien, Stationen, Priorate gegründet. Derzeit sind die Mönche von Ndanda dabei, im benachbarten Moςambique eine Niederlassung aufzubauen. Mehr als einen oberflächlichen äußeren Eindruck allerdings erlaubt der heutige Abend nicht mehr; wir lassen uns von Br. Laurent unsere Gästezimmer in separaten Nebengebäuden zeigen, essen im Gäste-Refektorium mit einigen deutschen Freiwilligen zu Abend und gehen sehr müde zu Bett.

Abschied in großer Herzlichkeit (Gastautor: Dr. T. Broch)

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In der Hauskapelle des Gästehauses im Mbambabay wird an diesem Morgen gleich zweimal die Eucharistie gefeiert: um 7 Uhr mit Weihbischof Boom und den Würzburger Gästen auf Deutsch, anschließend um 7.30 Uhr mit Fr Celestin, dem Bischofssekretär aus Mbinga, in Kisuaheli mit den einheimischen Schwestern des Hauses. Solchermaßen geistlich gestärkt und – wenigstens einige von uns – erfrischt durch ein morgendliches Bad im Nyassa-See, nehmen wir das Frühstück ein, um uns dann doch nicht sofort auf die Rückfahrt nach Mbinga zu machen. Sr Martina und Sr Maria Pia hatten noch um Aufschub bis 9.30 Uhr gebeten – warum, das erfahren wir alsbald: Wir werden noch einmal in den Recreation-Room gebeten, und dort bringen Schwestern und Personal des Hauses Sr Anna-Luisa mit Jubel, Gesang und Tanz ihre Glückwünsche zum Geburtstag dar und überreichen uns allen ein Abschiedsgeschenk, sehr schöne Kangas, die die Schwestern am Morgen noch im Dorf erstanden haben.

Dann heißt es Abschied nehmen: von den liebenswürdigen Menschen im Gästehaus und vom wunderschönen Nyassa-See. Die Fahrt führt wieder hoch ins fruchtbare Bergland mit letzten Ausblicken hinab zum See, vorbei an Bananen- und einigen Weizenfeldern und durch Kaffeeplantagen, für deren Arbeiter neue Siedlungen angelegt worden sind.

Nach Nyoni verlassen wir die bereits bekannte Route und machen einen Abstecher nach Litembo, um der renommierten und für die Region sehr wichtigen Klinik dort einen Besuch abzustatten, die bereits vor Jahrzehnten von der deutschen Ärztin Dr. Irmgard Weyer aufgebaut worden ist. Das markante Bergmassiv des Tembo, das an einen Elefanten erinnert und dem Ort seinen Namen gibt, hat uns schon über eine längere Wegstrecke hinweg den Weg hierher gewiesen. Eingeladen hatte uns Fr. Rafael, der Klinikmanager und Koordinator des diözesanen Gesundheitswesens in der Diözese Mbinga, als wir ihn einige Tage zuvor im Bischofshaus in Mbinga getroffen haben. Heute ist hier allerdings eine gewisse Aufregung zu spüren, denn ebenfalls wird auch die Würzburger Reisegruppe mit Weihbischof Boom erwartet. Sie ist bereits vor uns in Mbambabay aufgebrochen, wird aber wegen einiger Zwischenstationen erst nach uns hier eintreffen. Unser Besuch passt irgendwie nicht richtig ins Programm. Wir werden von einer leitenden Krankenschwester durch die große Klinik mit ihren diversen Abteilungen geführt: durch den chirurgischen Bereich mit OPs, Augen- und Zahnklinik, durch die Entbindungs- und Säuglingsstation, vorbei an dem neuen CTC-Beratungszentrum für HIV-Infizierte und Aids-Kranke, mit einem Blick zu den inneren Abteilungen. Eine Hebamme trägt ein Neugeborenes an uns vorbei, das gerade mit Kaiserschnitt entbunden worden ist. Florian Hecke kann by the way gleich ein paar verwaltungstechnische Fragen klären. Alles in allem macht das Krankenhaus einen professionell geführten Eindruck – und dennoch ist es gut, dass in Kihaha eine eigene Klinik für die Bevölkerung von Mbinga gebaut wird, deren Rohbau-Besichtigung bereits zu Beginn unserer Reise auf dem Programm gestanden ist. Sie wird zwar eine Konkurrenz zu Litembo darstellen, aber man mag sich nicht vorstellen, welche Strapazen der lange Anfahrtsweg auf der unvorstellbar schlechten Straße für Verletzte, für Schwerkranke, für Schwangere bedeutet, die bislang alle den Transport von Mbinga hierher überstehen müssen. Wir sind immerhin noch über eineinhalb Fahrstunden von der Distrikthauptstadt entfernt.

Wir verlassen Litembo, bevor die Würzburger eintreffen. Der Kirchturm der Klosterkirche der Vinzentinerinnen von Mbinga, exponiert gelegen, taucht in der Ferne auf. Gegen vier Uhr treffen wir für einen letzten Aufenthalt hier ein. Sr Kaja ist gerade dabei, mit ihren Schülerinnen die Blumenrabatte für unseren Empfang zu pflegen. Ohne verspätetes Mittagessen geht es natürlich nicht, dann noch ein Cappuccino im Café in der Stadt, ein paar Geschenke für die Schwestern einkaufen, Koffer packen, Duschen, denn am nächsten Morgen ist bereits für 5.30 Uhr das Frühstück angesetzt, und zwischen 22 und 5.30 Uhr gibt es kein elektrisches Licht oder allenfalls den Schein der Taschenlampe.

Der Abend wird noch einmal zu einem Höhepunkt. Um sieben Uhr sind wir im großen Refektorium der Schwestern zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Auch Fr Binoy, der Hausgeistliche aus der Diözese Ernaculam im indischen Kerala, ist dabei. Wie die Schwestern vom Geburtstag von Sr Anna-Luisa erfahren haben, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wird er mit großem Jubel als Fest gefeiert: Sie muss Geburtstagskuchen anschneiden und an alle austeilen, Rotwein ausschenken und überhaupt viel Gesang und Glückwünsche entgegen nehmen. Wir alle bekommen sorgsam verpackte Geschenke überreicht – Schnitzereien, wie sich später herausstellt, und ein gesticktes Bild. Die Atmosphäre von Freude und Herzlichkeit, die den Abend bestimmt, lässt sich kaum angemessen in Worte fassen. Ein schönes Fest.

Makwai: Wende zu hoffnungsvollen Aussichten (Gastautor: Dr. T. Broch)

Der Morgen am Nyassa-See hat seinen eigenen Zauber, vor allem einen bezaubernd schönen Sonnenaufgang. Aber die Fischer, die um diese Zeit mit ihren Einbaum-Booten hereinkommen, haben wenig gefangen. Der kräftige Wind verursacht einen starken Wellengang, der das Fischen in den felsigen Uferregionen sehr erschwert. Nach ein paar Tagen wie diesen sind die Fischer, die vom Ertrag eines jeden Tages leben, arm.

Um 9 Uhr fahren wir los, die unbefestigte Straße verläuft auf der Anhöhe über dem See, immer wieder öffnet sich der Blick auf die Buchten und den unendlich weiten Wasserspiegel. Die Anwesen entlang des Wegs wirken in ihrer traditionellen Bauweise malerisch, aber natürlich trügt diese Idylle. Dieser äußerste südwestliche Zipfel Tansanias, vom übrigen Land durch die Berge des Matenga-Hochlands getrennt, mit einer eigenen Ethnie, den Nyassa, und einer eigenen Sprache, wurde lange von der Regierung vernachlässigt und liegt in der Entwicklung noch weiter zurück als das übrige Land. Deshalb wirkt die Gegend noch sehr ursprünglich. Die Menschen sind sehr arm, und was für uns durchreisende Europäer als Idylle erscheint, bedeutet für sie nichts als Mühe ums tagtägliche Überleben. Gleichwohl strahlen sie Lebensfreude aus. Natürlich freuen sich die Kinder und winken den Fremden zu, die durch ihr Dorf fahren, aber sehr oft auch die Erwachsenen.

Unterwegs sehen wir Reisfelder liegen, Menschen arbeiten darin; aber das ist nur ein kleiner Anteil an der landwirtschaftlichen Produktion. Den Hauptteil bilden große Felder mit Maniok-Stauden, deren Wurzeln roh oder als Gemüse das Hauptnahrungsmittel der hiesigen Bevölkerung darstellen.

Nach knapp zwei Stunden sehen wir die Kirche von Makwai liegen, das Ziel dieser Fahrt. Sie wurde mit einem entsprechenden Konvent von den Benediktinern gegründet und liegt – der Siedlungsphilosophie der Benediktiner entsprechend – als „Stadt auf dem Berg“ weithin sichtbar auf einer bewaldeten Anhöhe. Das dazu gehörige Dorf und die Gemeinde Makwai liegen unten in der Ebene, nahe bei den Feldern und Arbeitsstätten der Menschen, weit entfernt von der Kirche, der Station und dem Dispensarium der Vinzentinerinnen, die wir heute besuchen.

Sr. Kafara, die für das Dispensary verantwortlich ist, Sr. Aderita, die in Feld und Garten arbeitet, Sr. Theresia, die die Küche besorgt, und Sr. Agneta, die als Sakristanin die Kirche versorgt – sie leben hier. „Wohnen“ wäre der falsche Ausdruck, denn das der Diözese Mbinga gehörende Schwesternhaus befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. In den Zwischendecken nisten Fledermäuse, deren Kot die Wellblechdecken durchfrisst, in die Zimmer fällt und eines nach dem anderen unbewohnbar macht; Termiten sind dabei, das Mauerwerk zu zerstören. Eine bedrückende Atmosphäre, auch wenn die Schwestern die Schwierigkeit ihrer Lebensumstände in herzlicher Willkommensatmosphäre ein wenig überspielen. Der Gegensatz zwischen der wunderschönen landschaftlichen Umgebung und den Gebäuden ist extrem. Das gilt auch, zumindest von außen betrachtet, für die Pfarrkirche, an die das Schwesternhaus angebaut ist: Ein Blick nach oben fällt auf zerbrochene Fenster und marodes Mauerwerk, der Weg ins Innere führt über viele Stufen einer schadhaften Treppe. Das Innere selbst überrascht freilich: Sehr schön sind ein Keramik-Kreuzweg und ein Altarkreuz mit Emaille-Intarsien. Die schönsten Kunstgegenstände allerdings, ein romanischer Kruzifixus und eine kleine Marien-Statuette aus Ebenholz, sind in einem Winkel im hinteren Bereich der Kirche zwischen Gerümpel versteckt. Es ist ein Jammer.

Sr. Kafara führt uns, während Sr. Anna-Luise, Sr. Martina und Florian Hecke Budgetgespräche führen, durchs Dispensarium – karge Räume, in denen es am Nötigsten fehlt. Vier Räume mit insgesamt acht Betten stehen für Frauen, Männer und Mütter mit Kleinkindern für die stationäre Behandlung zur Verfügung. Sr. Kafara, ein junger Arzt und vier weitere Mitarbeitende versorgen die Patienten. Heute sind es wegen des staatlichen Feiertags nur wenige, aber normalerweise kommen im Monat etwa 150 bis 200 Patientinnen und Patienten hier her, wie uns Sr. Kafara berichtet. Ein ansehnlicher Bedarf also für die Krankenstation, die zu klein ist, um zu einem Health Centre aufgewertet zu werden. Pläne für eine Vergrößerung gibt es schon lange. Mauerfundamente zeugen von einer Maternity, die Sr. Gabriele Winter noch geplant hatte, die aber wegen ihres Unfalltods 2012 nicht mehr zur Umsetzung kam. Auf dem Gelände lagern Ziegel; den Absichten von Sr. Kafara entsprechend soll hier auch einmal eine Mutter-Klinik entstehen. Aber die Finanzierung gestaltet sich schwierig; da die Menschen hier sehr arm sind und für die Behandlung nichts bezahlen können, ist auch die Einkommenssituation der Station problematisch.

Etwas weiter hangabwärts steht der – zweifellos schöne – Rohbau eines Kindergartens für das Dorf, gefördert von einer deutschen Kirchengemeinde. Ob und wann er Kinder wird aufnehmen können, ist derzeit ungewiss. Nicht nur, weil sich die bauliche Fertigstellung hinzieht, sondern auch deshalb, weil der Standort hier oben auf dem Berg für die Kinder des unten gelegenen Dorfs ungünstig ist. Der Weg durch den Wald herauf ist weit, und es gibt viele Schlangen – kein Wunder, dass gegenüber diesem Vorhaben begründete Skepsis besteht.

Unruhe kommt auf. Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom, begleitet von Klaus Veeh, dem für die weltkirchlichen Aufgaben der Diözese Würzburg zuständigen und mit Tansania bestens vertrauten Mitarbeiter, dem Sekretär des Bischofs von Mbinga und weiteren Personen, hat sich zum Besuch angesagt. Die Diözese Würzburg ist mit der Diözese Mbinga verpartnert und unterstützt diese in vielen Projekten und Anliegen. Auf dem Platz vor der Kirche versammeln sich immer mehr Menschen – Frauen lagern auf dem Boden, Schulkinder in ihren Uniformen stehen in großen Gruppen herum, ebenso Männer, von denen einige trommeln; junge Männer fahren mit ihren Piki-Piki hin und her. Auch die Glocken haben schon geläutet, und auf einem überdachten steinernen Podium oben auf den Treppenstufen zur Kirche ist ein High-Table, festlich gedeckt, mit mehreren Stühlen für die Gäste aufgestellt. Eine größere Zeremonie ist zu erwarten. Der Gemeindepfarrer tritt in Erscheinung, zunächst in Zivil, dann in weißer Soutane; er ist etwas irritiert, weil er mit uns nicht gerechnet und uns auch nicht als Festgäste vorgesehen hat. Da die Würzburger Gäste wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen, verabschieden wir uns nach einem gemeinsamen Mittagessen von den Schwestern und nehmen ein bedrückendes Gefühl von Aussichtslosigkeit angesichts ihrer desolaten Verhältnisse mit zurück nach Mbambabay.

Das wird sich am Abend allerdings ändern. Auch die Würzburger Gäste treffen später dort ein, und nach längeren Gesprächen, die Sr. Anna-Luisa mit ihnen führt, wenden sich die Aussichten zum Positiven für die Schwestern, ihr Schwesternhaus und die Krankenstation. Mehr kann an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden.