Frauen-Power

2017-09-29 - Gari (4) Frauenprojekt

Ein Besuch bei einer von Sr. Marthas Frauengruppen mündete für uns in eine Unterrichtsstunde über Mikrokreditprogramme in Oromo Fare, der lokalen Sprache. An einer kleinen Tafel versuchte uns der Trainer, den Sinn des Sparens zu erklären… leider verstanden wir gar nichts und waren erst mal froh, als wir von Sr. Sara erlöst wurden. Der Architekt des künftigen Noviziatshauses war gekommen und wollte mit uns nach dem geeigneten Bauplatz schauen. Die Kühe und die sie umschwirrenden Insekten schienen zu ahnen, dass wir ihnen ein Stück ihrer Weide wegnehmen werden und auch die Beschaulichkeit wird erst mal dem Baulärm weichen müssen. Auf jeden Fall waren sie nicht besonders über unseren Besuch erfreut. Sr. Sara hatte dann auch schnell einen Schlag mit der Hufe am Arm abbekommen und ich musste mich nicht nur irgendwelchen gemeinen stechenden Insekten erwehren.

Und doch waren wir echt froh, dass nun endlich dieses Projekt in Angriff genommen werden kann. Spätestens in zwei Jahren wird der Platz in den bestehenden Konventen zu knapp und wir hoffen, dass wir dann vielleicht schon das neue Haus beziehen können.

Maskal und Vinzenzfest

2017-09-26 - zFahrt zum Bischofhaus Nekemte (5)

Auf dem Weg nach Nekemte fiel uns auf, dass viele Menschen geschäftig unterwegs waren, auf dem Weg zum Markt, Kuhherden oder Schafe vor sich hertreibend, große Bündel Gras oder Holz auf dem Rücken tragend oder auf Esel geschnallt. Sr. Sara erklärte uns, mit Aufregung in der Stimme, dass sich alle auf ein großes Fest vorbereiten. Klar, am Mittwoch war Vinzenzfest, der Gedenktag unseres Ordensgründers, aber es wäre doch sehr vermessen, sich einzubilden, dass dieses Fest für die Menschen in Äthiopien von so großer Bedeutung ist. Nach einigen Verständigungsversuchen wurde klar, dass die äthiopische Königin, die nach Jerusalem gereist ist und dort einen Splitter des Kreuzes Christi abgeholt hat, dieselbe Königin Helena ist und wir uns auf das Fest Kreuzerhöhung vorbereiten. Inmitten dieser Menschen, die sich auf dem Weg zum Markt oder vom Markt befinden, sahen wir vor allem Männer mit langen Holzbündeln laufen. Ungewöhnlich – denn im Alltag tragen die Frauen oft Holzbündel auf dem Rücken, die sie tief auf den Boden drücken. Männer mit diesen langen schmalen Holzbündeln zu sehen, musste also auch mit den Festvorbereitungen zusammen hängen. Und so erfuhren wir, dass vor den orthodoxen Kirchen und an anderen Plätzen, die Leute, diese Holzbündel bringen und zu einem großen Lagerfeuer zusammentragen. Am Vorabend des Festes werden dann die ersten Feuer entzündet, um dieses Feuer getanzt und über das Feuer gesprungen. Das Hauptfest findet in Addis Abeba statt. Im Fernsehen konnten wir am nächsten Tag einen kleinen Eindruck erhalten. Doch überall im ganzen Land sahen wir die Menschen kleinere und größere Feuer vorbereiten. Der Vortag wurde zum Schlachten und zum Kochen genutzt. Uns wurde erzählt, dass Menschen prophylaktisch am Vortag in die Kliniken gehen, um sich Medikamente gegen den zu befürchteten Wurmbefall zu kaufen. Häufig wird das Fleisch der privat geschlachteten Tiere roh verzehrt. Als wir ein wenig naiv nachfragten, ob die Tiere nicht untersucht werden, wurde wir ausgelacht, „wenn nicht mal die Kinder untersucht werden, wieso sollten wir die Tiere untersuchen…“ Spätestens jetzt wurden wir zum Vegetarier.

Für uns stand jedoch nicht Maskal im Mittelpunkt, sondern das Fest des hl. Vinzenz von Paul. Mit einem Festgottesdienst und einem wahren Festmahl (ohne rohes Fleisch) und einigen Gästen feierten wir ausgiebig. Da der nächste Tag noch als arbeitsfrei gilt, weil die Menschen sich vom Feiern erholen müssen, nutzten wir diesen Tag als einen Besinnungstag mit dem Bischof und hielten am Nachmittag unser Meeting über die wichtigen Zukunftsfragen. Ein schöner Tag für diese wichtigen Fragen über die gemeinsame Zukunft und die Zukunft des vinzentinischen Charismas in Äthiopien.

Endlich mit der Welt verbunden…

2017-09-25 - Addis Abeba Stadt (5)

Die vorläufigen Wahlergebnisse aus Deutschland haben wir gerade noch erhalten, danach waren wir zumindest internettechnisch von der restlichen Welt abgeschieden. Ungefähr 50 km nach Addis funktioniert kein Roamingversuch mehr. Das änderte sich auf dem ganzen Weg nach Nekemte nicht. In der Oromoregion ist die Internetnutzung nach wie vor eingeschränkt. Über BBC erhielten wir einen kleinen Einblick über die Ereignisse nach der Wahl. Unsere Versuche eine äthiopische SIM-Karte für unser Handy zu kaufen und zu aktivieren, scheiterten nach vielen Versuchen an den neuen Regelungen der Regierung. Nur in Äthiopien registrierte Mobilgeräte können mit diesen SIM-Karten bestückt und aktiviert werden.

Doch langweilig wurde es uns hier nicht. Ein Fest und eine Einladung nach der anderen hielten uns von unserer geplanten Arbeit ab. Heute am letzten Tag finden nun das Buchhaltungsseminar und die Versetzungsgespräche statt.

Dafür haben wir ausgiebig das Fest unseres Ordensgründers gefeiert.

Äthiopien

2017-09-24 - Im Anflug auf Addis (1)

Unter neuen Vorzeichen sind Florian Hecke und ich nach Äthiopien aufgebrochen. Nach einem angenehmen Lufthansaflug und einer ausreichend langen Nacht konnte ich heute Morgen nach der Messe auf die Frage, ob wir unsere Schwestern besuchen, mit einem klären, deutlichen Ja antworten.  Ja. Jetzt sind es unsere Schwestern.

Nach einem langen Klärungsprozess mit vielen kirchenrechtlichen haben wir uns letztlich im Sinne des vinzentinischen Charismas entschieden. Es brauchte Mut und vor allem viel Vertrauen in Gottes Geleit und Führung.

Solche Entscheidungen werden in Ordensgemeinschaften im Kapitel, einer gewählten Delegiertenversammlung, getroffen. Unter großer Zustimmung entschied unser Kapitel, dass wir nun die Niederlassungen in der so genannten Region Äthiopien anerkennen.

Jetzt reisen wir also nicht nach Äthiopien um bekannte Schwestern, die in Tansania ihre Ausbildung gemacht haben, zu unterstützen, sondern um mit den Schwestern Schritt für Schritt diese Region aufzubauen.

Wir freuen uns alle sehr auf diese Aufgabe und werden im Blog ein wenig berichten.

Zurück nach Dar es Salaam (Gastautorin: B. Grosch)

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Wir starten frühzeitig von Kisolanza nach Mbagala ins Spiritual Center. Und wie so oft, in den letzten Tagen, der Kaffee in unseren Tassen ist noch heiß, hat keine Chance mehr getrunken zu werden, wir müssen in den Bus.

Die Fahrt ist lang und anstrengend.

Wir alle, unser Driver, Friedhelm und der Rest der Gruppe sind froh als wir endlich ankommen. Und obwohl es schon sehr spät ist, die Sonne schläft bereits, hat das Küchenpersonal auf uns gewartet.

Dankbar, müde und erschöpft fallen wir nach dem Abendessen ins Bett.

Die Straßen hier sind „anders“. Doch bei Tageslicht sieht man die Schlaglöcher früher, eher und kann rechtzeitig reagieren/ausweichen. Bei Dunkelheit, in der Nacht, passieren hier die meisten Unfälle.

Nach unserem Erholungsschlaf und „gemütlichem“ Frühstück starten wir in die City, Dar es Salaam. Wie in jeder anderen Großstadt, es wuselt. Sehr viele Menschen, sehr viel Verkehr, Stau und geschäftiges Treiben. Ich denke an Ameisenhaufen/Bienenstock. Unser erster Halt ist im Markt der Holzschnitzer. Weiter geht es zum Markt der Maler anschließend in einige Läden der Stoffhändler. Der „Kaufrausch“ infiziert uns und hat uns voll im Griff. Mittlerweile sind einige von uns so mutig, dass wir selbstständig und alleine handeln, was wiederum unseren Friedhelm zum schmunzeln bringt. Und es ist mir egal, ob ich zu viel bezahlt habe oder nicht. Ich bin in Afrika, und das ist/war es mir wert!

Wir starten, nach einem Mittagessen in einem Restaurant, bevor die Rushhour einsetzt, zurück nach Mbagala. Besichtigen dort einen Kindergarten ohne Kinder, da Ferien sind und anschließend ein kleines Krankenhaus.

Anschließend teilt sich die Gruppe. Ein Teil geht zurück ins Spiritual Centre. Der andere Teil, wir, wollen das Leben abseits der Hauptstraße sehen/erleben, gehen in die Seitenstraßen, in die Hinterhöfe.

Rückweg (Gastautorin: B. Grosch)

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Nun geht unsere Reise wieder zurück Richtung Dar es Salaam. Wir sitzen hauptsächlich im Bus um diese vielen Kilometer zu bewerkstelligen.

Unser erster Zwischenstopp nach Mbambabay ist Ruhuwiko. Wir fahren nochmals mit den Piki-Pikis ins Städtle zum bummeln und Friedhelm hilft uns tatkräftig mit viel Humor beim Handeln. Wir haben alle unseren Spaß. Friedhelm, die Verkäufer und selbstverständlich wir.

Der nächste Zwischenstopp ist in Kisolanza. Wir übernachten in einem Buschhotel, wie der Name sagt, mitten in der Pampa. Es ist eine sehr große, weitläufige Anlage, welche von mehreren Massais bewacht wird. Wir beziehen unsere kleinen Häuser und erkunden die Anlage und finden ein wunderschönes Farmhaus, welches das Haupthaus der Hotelanlage ist. Man denkt, man ist in „Jenseits von Afrika“.

Am Muhalo Beach (Gastautorin: B. Grosch)

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Seit gestern sind wir in Mbambabay am Muholo Beach. Das Gästehaus der Schwestern liegt direkt am Nyassasee. Nach den langen Busfahrten und den vielen Eindrücken und Besichtigungen, die wir die letzten Tage hatten, ist nun faulenzen, schwimmen, spazieren gehen am Strand und lesen angesagt.

Das Gästehaus liegt abseits von Stadt und Dorf. Hier am Strand hat es nur kleine, spartanische Fischerhütten. Wir beobachten die Fischer, die morgens mit ihrem Fang an den Strand zurück kommen und ihre Ware verkaufen.

Ein besonderes Highlight hatten wir gestern Abend. Franziska und Leo aus unserer Gruppe haben in der Küche Hamburger zubereitet.

Nachdem Franziska und Leo uns gestern bekocht haben, hat heute unser Reiseleiter Friedhelm übernommen. Zum Kaffee gab es einen selbst gebackenen Obstkuchen  und zum Abendessen gibt es Kartoffel Pfannkuchen,  Pizza und pilau. Unser Friedhelm hat die Speisekammer geplündert.

Wir trödeln durch den Tag, lassen die Seele baumeln und denken viel darüber nach, was wir die letzten  Tage erlebt haben. Schlendern vom Frühstück übers Mittagessen zu Kaffee und Kuchen und zum Abschluss ins Abendessen.

Ab und dann, zwischendrin, beobachten wir, mit respektvollem und höflichem  Abstand, die Fischer und Kinder, die im See baden und sich waschen.

Über Kigonsera nach Peramiho (Gastautorin: B. Grosch)

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Wir verabschieden uns herzlich und dankend, nach dem gemeinsamen Frühstück, von den Schwestern und dem Personal und starten nach Kigonsera. Dort werden wir von den Schwestern herzlich empfangen und bekommen ein zweites Frühstück. Anschließend besichtigen wir das Krankenhaus mit 95 Betten mit anliegendem Kindergarten welcher 120 Kinder beherbergt.

Und auch hier, wie schon in den letzten Gemeinschaftsräumen der Schwestern, hängen Bilder an der Wand. Neben unserem Vinzenz von Paul, unsere Luise von Marillac.

Weiter geht die Reise nach Peramiho ins Benediktinerkloster. Wir checken in den Gästehäusern ein und erhalten  eine Führung von Pater Lucius durch die große, weitläufige, sehr schön bepflanzte und gepflegte Klosteranlage. Anschließend in das große Krankenhaus, welches eines der besten in ganz Tansania ist.

Viele Patienten, aus dem ganzen Land, reisen hier her um sich behandeln zu lassen. Die Führung von Pater Lucius, der bereits über 60 Jahre hier lebt, endet auf dem Klosterfriedhof. Die verstorbenen Patres auf der einen Seite, die verstorbenen Schwestern auf der anderen.

Begegnungen (Gastautorin: B. Grosch)

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Nach dem gemeinsamen Frühstück steht der Vormittag bis zum Mittagessen zur freien Verfügung. Oder wie die jungen Leute sagen, chillen ist angesagt.

Die Gruppe teilt sich in Grüppchen auf und geht Bummeln auf die Einkaufsstraße/ Hauptstraße, welche direkt an der Klosteranlage liegt. Man kann sich nicht wirklich verlaufen, einmal die Straße runter, einmal die Straße hoch. Wir werden, wie die letzten Tage auch schon, immer wieder lächelnd beäugt. Kinderaugen sagen: wie sehen die denn aus, die sind ganz bleich und haben lange Nasen.

Nach dem Mittagessen starten wir zur Behindertenschule/Waisenkinder nach Sankt Loreto. Hier werden wir herzlich von den Schwestern und den Kindern zu Kaffee, Tee und Kuchen empfangen. Vorab gibt es eine Führung durch die Anlage. Danach bekommen wir von einer kleinen Mädchengruppe eine Tanzaufführung. Es ist herzerfrischend. Ein afrikanischer Tanz, die kleinen Mädchen schwingen ihre Hüften nach rechts und links und der kleine Popo wackelt im Takt.

Zurück ins Kloster, gemeinsames Abendessen,  ausklingen des Tages.

In Mbinga (Gastautorin: B. Grosch)

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Nach dem Frühstück, mit angeschweißtem Auspuff, geht es nach Mbinga ins Regionalhaus der Schwestern. Hier ist auch der Sitz der Diözese und die Residenz von Bischof John.

Wir werden von den Schwestern mit Kaffee und Kuchen herzlich empfangen. Danach führt uns Schwester Kaja durch die Klosteranlage, welche sehr groß und weiträumig angelegt ist. Wir kommen vorbei an der Bäckerei, Näherei, Küche, Wäscherei, Schusterei, Fuhrpark, Schlosserei und Schreinerei. Ebenfalls befindet sich auf der Anlage eine Hauswirtschaftsschule, welche momentan 60 Schülerinnen ausbildet. Nach bestandener Prüfung verlassen die Schülerinnen die Schule als Köchin oder Näherin.

Zum Abschluss des Rundgangs kommen wir an dem hauseigenen Shop vorbei, hier wird Handwerkskunst der Schülerinnen verkauft. Einige Damen aus unserer Gruppe sind schwer wieder raus zu locken. Es gelingt nur mit der Einladung zum Besuch des Kinderheims.

Wir besichtigen Sankt Katharina, welches 21 Kinder beherbergt. Die Anlage ist klein und sehr beengt. Es ist kein Vergleich zum Waisendorf in Ilunda und der Gehörlosenschule. Uns werden vier Säuglinge von den Schwestern in die Arme gelegt. Weitere Kinder kommen nach und nach neugierig in den Gemeinschaftsraum der Schwestern. Der Neubau, nur wenige Kilometer weit entfernt, ist in Arbeit und hoffentlich noch dieses Jahr beziehbar.

Danach gemeinsames Abendessen und gemütliches beisammen sitzen zusammen mit Schwester Kaja, die uns den einen oder anderen Witz  und ein bisschen was aus dem „Nähkästchen“ erzählt. Es war sehr unterhaltsam.

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