An der Küste des Indischen Ozeans entlang…

Fahrt nach Mtwara

An der Küste des Indischen Ozeans entlang von Dar es Salaam nach Mtwara zu fahren, war schon lange einer meiner kleineren Träume des Lebens… Naja, ganz so romantisch, wie es sich anhört, war es dann nicht, aber das war bei der Planung auf der Karte ja schon zu sehen. Oft führt die Straße kilometerweit von der Küste entfernt durch das Landesinnere. Nur selten kann man einen Blick auf das Meer werfen. Aber irgendwie ahnt man immer, dass das Meer nicht weit sein kann. Überall sind riesige Palmen zu sehen, an den Marktständen an der Straße werden Fische angeboten und immer wieder fährt der Bus durch sumpfige Flußdeltas, in denen Reis angebaut wird. Jetzt, da die Regenzeit bald zu Ende geht, sieht alles wunderbar fruchtbar aus. Die Häuser der Menschen erzählen aber andere Geschichten. Selten sieht man ein Blechdach – hier oft ein erstes Zeichen von Wohlstand. Oft sind die Häuser nicht aus gebrannten Ziegeln gebaut, sondern aus einem Geflecht von Ästen und Lehm. Immer rennen viele Kinder um die Häuser. Und dann wieder die Frage: Welche Art von Reichtum hält das Leben für diese Kinder bereit?

Spät kamen wir dann in Mtwara an, zu spät um am nächsten Morgen weiter zu fahren.

Reisesegen

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„Geht in der Kraft, die euch gegeben ist – einfach, leichtfüßig, zart.

Haltet Ausschau nach der Liebe.

Gottes Geist geleite euch. Amen.“ (Irischer Segensspruch)

Mit diesen Wünschen, ein wenig Vorfreude und ein wenig Abschiedsschmerz sitze ich am Flughafen in Stuttgart. Eigentlich sollte es ja inzwischen Normalität geworden zu sein – dieses Abschiednehmen, Aufbrechen, Reisen. Aber das wird es irgendwie nicht. Dieses Mal ist natürlich auch der Auftrag mit ein wenig Aufregung verbunden. Wir werden das erste Mal ein Regionalkapitel in Mbinga abhalten. Das darf man schon ein wenig aufgeregt sein, finde ich. In den vergangenen Monaten haben alle Schwestern ihre Delegierten, oder Kapitularinnen gewählt. Und sie haben sich in verschiedenen Meetings Gedanken über die Themen gemacht, die bei diesem Treffen diskutiert werden und zu zukunftsweisenden Entscheidungen führen sollen. Wir haben uns per Email über die Tagesordnung und eine sogenannte Geschäftsordnung geeinigt, Abstimmungskarten in unterschiedlichen Farben sind in meinem Gepäck. Doch nun müssen die letzten Vorbereitungen vor Ort getroffen werden. Deshalb bin ich als „Vorhut“ schon mal unterwegs. Sr. Elisabeth und Bischof Varghese, der Moderator der Tagung werden später kommen. Vielleicht passt deshalb auch der Segen so gut: „haltet Ausschau nach der Liebe. Gottes Geist geleitet euch.“ Das hoffe ich, dafür beten die Schwestern in Deutschland und in Tansania.

Verbundenheit

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Es ist unerträglich heiß in Dar es Salaam… hier sitzen wir nun auf dem Flughafen und warten auf unseren Abflug. Irgendwie sind wir problemlos durch das Gewühle gekommen, erst durch den Stau, dann hier durch die verschiedenen Kontrollen… Jetzt sitzen wir hier mit ganz unterschiedlichen Gefühlen und Erfahrungen, konnten die letzten 24 Stunden auch noch viel über die vergangenen Tage reden, uns austauschen, unsere Fragen diskutieren… Für uns alle war es eine gute Zeit, auch wenn es kurz war. Wieder einmal haben wir viele Aufgaben im Gepäck, die wir in Deutschland zu erledigen haben. Wir haben Menschen kennen gelernt, die uns vielleicht bei verschiedenen Projekten unterstützen können. Vor allem aber haben wir Beziehungen vertieft und die Verbundenheit und vielleicht auch das Verstehen – oder besser – das gegenseitige Verständnis ist gewachsen.

Jetzt sind wir gespannt, was uns daheim erwartet.

Babu Richard

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Unsere Begegnung mit Babu Richard war eine besondere Erfahrung. Babu Richard ist der älteste Arbeiter auf der Farm Mwanamonga, auf der die Lebensmittel für die Gehörlosenschule angebaut werden. Wir trafen ihn mit vielen anderen Arbeitern auf dem Reisfeld. Dort mussten sie, im Wasser stehend, das Unkraut ausreißen. Einige hatten statt Schuhen Plastiktüten um die Füße gebunden. Seit diesem Jahr gibt es irgendwelche Insekten im Wasser, die ihnen das Arbeiten schwer machen. Dringend müssen Gummistiefel angeschafft werden.

Doch neben der notwendigen Ausrüstung zum Arbeiten erzählen die Arbeiter von ihren sonstigen Nöten, während sie uns zum Tee einladen. Eine der Frauen muss dringend operiert werden. Babu Richards Haus fällt fast zusammen. Dort wohnt er mit seiner Frau und seinen drei Söhnen mit unterschiedlich ausgeprägten Behinderungen. Babu Richard ist der einzige, der ein wenig Geld verdienen kann. Irgendwie wusste er auch nicht wie ihm geschah, als wir kurzerhand zu seinem Haus gefahren sind. Unser Auto und der Driver, eine weiße Ordensschwester erregte in der Nachbarschaft dann doch ein wenig Neugier. Sofort wurden zwei Plastikstühle hergetragen, auf denen wir Platz nehmen sollten.

Auf allen vieren kam dann sein ältester Sohn mit einer starken körperlichen und geistigen Einnschränkung angekrochen und besetzte zur Aufregung aller einen der Stühle. Doch als Sr. Gabriele Maria dann versuchte, mit ihm in Kontakt zu treten, war das Glück aller groß.

Jetzt suchen wir nur einen Sponsor, der uns hilft, für die Familie das Haus zu renovieren und Betten und Matratzen  zu kaufen.

Shopping

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Eine Shoppingtour durch Songea hat immer seinen besonderen Reiz. Allerdings waren wir erst mal ein wenig enttäuscht. Rund um die traditionelle Markthalle waren viele Läden geschlossen. „Shida kubwa“ – „großes Problem“ haben uns die Händler verschmitzt lachend erzählt. So groß konnte das Problem nicht sein, denn sie schienen eher Spaß an „der Sache“ zu haben. Es stellte sich dann heraus, dass die Händler streikten, weil die Regierung wieder die Abgabe der Mehrwertsteuer stärker kontrollieren will.

Allerdings konnten wir die Sinnhaftigkeit und vor allem die Schlagkraft des Streiks nicht wirklich verstehen oder es konnte uns niemand so erklären, dass wir es verstanden hätten. Aber die Händler schienen Spaß dran zu haben und wir kamen doch noch zu unseren Shoppingfreuden, denn die Stoff-, Schuh- und Kleiderhändler hatten fast alle auf.

Es wird höchste Zeit

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Gestern erst kam ich nach St. Katharina. Inzwischen laufen oder wackeln fast alle der Kinder durch die Gegend – und es ist viel zu eng!!! Und jetzt in der Regenzeit ist auch alles wieder so feucht und die Kinder sind mal wieder der Reihe nach krank. Lauter „kleine Dreckspatzen“ mit „Rotznasen“ kamen uns fröhlich entgegen gelaufen.

Gott sei Dank können wir jetzt das Geld für den Neubau freigeben. Sr. Julietha und Sr. Asteria freuen sich riesig. Jetzt muss nur noch Sr. Emma, die Bauleitung aus Dar es Salaam zurück kommen.

Außerdem hat die Regierung wieder einmal angedroht, alle unbebauten Grundstücke in der Stadt zu enteignen. So wird es wirklich allerhöchste Zeit, dass wir Lusonga bebauen – damit Alfa, Evans und Emmi ein neues Zuhause bekommen.

Safari

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Nachdem es in der letzten Woche doch einige Tage stark geregnet hat, haben wir seit unserem Ausflug an den See sehr heißes und trockenes Wetter gehabt. Das gab uns die Möglichkeit gestern noch mal eine längere Safari zu machen, das Wasserenergieprojekt der Chipole-Schwestern in Tulila zu besuchen und mit dem dortigen Initiator die nächsten Schritte für unser Projekt zu besprechen. Das trockene Wetter machte es möglich, dann sogar noch nach Mpepai zu fahren. Dort konnten wir Sr. Hyasintha endlich das Geld für die Betten für das Health Center übergeben. Sie war so glücklich über die Überraschung. Allerdings steht schon wieder die nächste Herausforderung an. Die Regierung hält den Vertrag zur kostenlosen Mutter-Kind-Behandlung nicht ein. Das bedeutet, sie bleiben nun ständig auf den Kosten sitzen. Nun musste die Diözese den Vertrag kündigen – in der Hoffnung wieder einen neuen Vertrag abschließen zu können, der dann vielleicht für einige Zeit eingehalten wird… Im Augenblick ist die Situation für die Mütter jedoch eine Katastrophe. Erst vor wenigen Tagen musste eine Frau mit Risikoschwangerschaft (Zwillinge) nach Mbinga ins Regierungshospital geschickt werden. Aus Geldmangel lief sie die lange Strecke zu Fuß und schaffte es nur noch in das Health Center von Sr. Avelina, wo sie völlig erschöpft beide Kinder tot gebar und kaum überlebte. Manchmal ist es einfach unerträglich, dieses Wirrwarr aus unerfüllten und unerfüllbaren Versprechungen der Regierung und bürokratischen Regeln auszuhalten, die die Schwestern bei der Arbeit eher hindern.

Dass wir dann unterwegs immer mal wieder ein Stück aus dem Motorraum unseres alten Benz verloren, beunruhigt uns eher weniger. Hauptsache das Auto fuhr weiter. Wir waren gedanklich viel zu beschäftigt mit den Herausforderungen des Überlebens.

Flucht vor den Bienen

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Seit Tagen werden wir immer wieder auf wilde Bienenschwärme aufmerksam gemacht – naja, eigentlich eher gewarnt. Zuerst hing ein Schwarm direkt über dem Eingang der Halle, in der wir die Stimmen ausgezählt haben; dann am Baum vor der Haustür. Wir hörten uns verschiedene Fluchtgeschichten an, wurden über Verhaltensstrategien informiert und waren irgendwie überrascht über die Ängste.

Heute in Loreto wurde es dann auf einmal wirklich brenzlig – und das nachdem heute Vormittag schon beim Rasenmähen direkt vor dem Haus eine ziemlich große Schlange zuerst ihr Versteck verlor – und dann auch noch ihr Leben….

Die Kinder von Loreto waren alle im Hof, um uns zu begrüßen und sich an den mitgebrachten Süßies zu freuen, als die Kinder plötzlich auf den Bienenschwarm aufmerksam wurden. Plötzlich brach regelrecht Panik aus. Jemand rief, dass sich alle im Haus verstecken sollen. Und innerhalb kürzester Zeit schnappten sich die Schwestern jeweils sehr zielsicher eines der Kinder, die nicht laufen konnten, andere wurden von größeren Kinder auf den Arm genommen, es war wie einstudiert – vor allem die Solidarität untereinander, sodass innerhalb kürzester Zeit der Hof leer geräumt war, alle Kinder im Haus waren und nur die verwaisten Rollstühle zurück blieben. Und dann war der Schwarm Bienen auch schon mitten im Hof.

Inzwischen hat das neue Schuljahr begonnen und neue Kinder kamen nach Loreto. Scheinbar können alle „Neuen“ ganz eigene Geschichten erzählen. Da ist Mele, eines der ehemaligen Kinder von St. Katharina, die wirklich richtig traurig aussieht und St. Katharina und die anderen Kinder sehr vermisst. Gladness wiederum, sagt von sich, sie sei sechs Jahre alt. Ihre Hände und Füße deuten jedoch ein höheres Alter an. Gladness verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens versteckt im Haus. Seit sie jetzt Mitte Januar nach Loreto kam, hat sie gelernt einige unsichere Schritte zu gehen. Und sie ist so herrlich stolz darauf. Auch Kasimir wurde bisher im Dorf versteckt. Seine Schwester ist wegen eines Handicaps in St. Loreto. Sie war es, die die Schwestern auf ihren Bruder, der in Folge seines Handicaps nicht zur Schule gehen konnte oder durfte, aufmerksam gemacht hat. Nun wurde er aus „seinem Versteck“ geholt. Aber auch er hat noch einen weiten Weg vor sich. Im Moment bewegt er sich hüpfend mit einem Stock vorwärts. Wie gut wäre es, wenn die Kinder eine systematische Physiotherapie bekommen könnten. Körperspannung, Muskelaufbau, Koordinationsfähigkeit etc. könnte wirklich über manche Folgen der Vernachlässigung und Mangelernährung hinweg helfen…

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… so ging das zweieinhalb Tage lang bis um 22 Uhr das Licht ausging und wir bei Vollmondlicht Duschen konnten. Wir haben die Stimmen des ersten Wahlgangs zum Regionalkapitel ausgezählt. Immer wenn die Konzentration nachließ,  gab es eine Runde Fröhlichkeit und Lachen. Zweieinhalb Tage ohne Genervtsein oder Muffigsein, obwohl wir alle nicht damit gerechnet hatten, dass wir so lange brauchen.

Am Sonntag war Pause angesagt und wir sind an den Nyassasee. Eine kleine Pause bevor wir den nächsten Wahlgang vorbereiten.

Eine Pause im Paradies…

Stimmenauszaehlung Wahl Regionalkapitel

Der Traktor für die Kinder

Blog 08.02.

So lange hatte Sr. Luitfrieda in Ilunda auf einen neuen Traktor gewartet. Jetzt ist er endlich da und sie kann ihn gar nicht nutzen. Sr. Luitfrieda hat mit ihren Arbeitern auf der Farm von Ilunda für den Anbau der Nahrungsmittel für das Kinderdorf gesorgt. Der alte Traktor musste im letzten Jahr endgültig verschrottet werden. Irgendjemand schlug Sr. Luitfrieda vor, mit zwei Eseln statt Traktor in Zukunft die Farm zu bewirtschaften. Das lehnte sie jedoch rigoros ab.

In der Prokura hat es dann ein wenig gedauert, bis wir eine mögliche Finanzierung gefunden hatten und vor allem, bis der Traktor endlich per Container verschifft werden konnte. In der Zwischenzeit ist Sr. Luitfrieda krank geworden – ernsthaft chronisch krank. Die eigentliche Herausforderung für den Traktor begann – wie meistens – beim Eintreffen im Hafen von Dar. Trotz aller Bemühungen stand er wieder einige Tage im Containerhafen – vermutlich zu lange, damit nicht die Dinge verloren gehen bzw. verschwinden, die nicht irgendwie richtig fest mit dem Traktor verbunden sind. Zum Beispiel das Werkzeug, um die Reifen zu wechseln, das Benutzerhandbuch, die Gewichte um den Traktor zu beschweren – sogar der Schlüssel fehlte und der Pflug. Unglaublich! Ä- immer wieder aufs Neue dieser Schwund im Containerhafen.

Ärgerlich, aber vermutlich nicht zu ändern. Wichtig ist jedoch, dass der Traktor inzwischen in Ilunda ist und die Schwestern glücklich sind. Auch wenn Sr. Luitfrieda auf Grund ihrer Erkrankung nicht mehr mit dem Traktor arbeiten wird, ist es doch ihr zu verdanken, dass die Feldarbeit zum Wohl der Kinder in Ilunda ein wenig leichter wird.