About Sr. Anna-Luisa

Langsam wächst das Bild…

Auf dem langen Weg von Iringa nach Mbinga nahmen wir kurz nach Njombe die Abzweigung nach Uwemba. Dort zeigte uns Sr. Gloria eine kleinere und improvisierte Variante des Dream-Projekts. In Uwemba werden seit drei Jahren in einem abgegrenzten Bereich des Krankenhauses 650 Klienten mit HIV betreut. Sr. Gloria ist eine klasse Anwältin des Themas. Voller Begeisterung berichtete sie uns von ihren Improvisationsversuchen, voller Stolz über ihre kleinen und großen Fortschritte – alles verbunden mit großer Dankbarkeit für die Förderung und Unterstützung der Gemeinschaft San Egidio. Sie berichtet von der Freude, die sie erlebt hat, als sie im Herzen des Netzwerks in Rom, die Daten ihrer Klienten auf der kleinen Gesundheitsstation in Tansania im Computer entdeckte. Im Angesicht ihrer Freude und ihres Stolzes auf die Zugehörigkeit zu diesem weltweiten Netz haben wir unsere klassischen Fragen zum Datenschutz u.ä. schnell runter geschluckt…

Auf alle Fälle wächst langsam ein Bild, wie wir das Projekt in Mbinga zum Starten bringen können. Inzwischen sind wir auch gut hier angekommen. Müde und erschöpft. Doch voller Ideen und vor allem herzlich empfangen.

Der nächste Schritt…

… zur Verwirklichung des Traums. Hoffentlich! Mit dem Flugzeug ging es heute Vormittag nach Iringa. Hier haben wir uns noch einmal mit den Verantwortlichen des hiesigen Dream-Projekts für Menschen mit HIV getroffen. Wir haben unsere Baupläne des Krankenhauses in Kihaha mit dem Bedarf des Projekts abgeglichen. Natürlich wäre es schön, in Mbinga eine ähnliche Laborausstattung zu haben. Aber das wird uns nicht ohne Weiteres ganz schnell gelingen. Doch auch hier geht es um die kleinen Zwischenschritte. Morgen werden wir einen kleinen Ableger des Projekts auf dem Weg nach Mbinga besuchen. Nächste Woche werden, so hoffe ich, Verantwortliche aus Iringa zu uns nach Mbinga kommen. So werden wir hoffentlich, Schritt für Schritt an der Verwirklichung des Traumes arbeiten.

2.000 Menschen werden hier in Iringa im Projekt versorgt, betreut, beraten. Die Meisten über Jahre, denn bei einer guten Betreuung und medikamentösen Versorgung steigt auch in Tansania die Lebenserwartung der Menschen mit HIV-Infektion. Es wäre so schön, wenn sich auch in Mbinga die Bedingungen für die Menschen verbessern.

Bauboom in Dar es Salaam

Nicht nur der Flughafen wurde neu gebaut. Überall in der Stadt sind Baustellen, richtig große. Mehrspurige Straßen werden gebaut, das separate Busliniennetz wird weiter geführt, Brücken sind am entstehen und Hochhäuser… Unglaublich, in welchem Tempo die Stadt sich in den letzten Jahren entwickelt.

Und auch die Schwestern bauen. Das Schwesternhaus in Luhanga ist schon seit langem zu klein. Gerade für kranke Schwestern, die hier in Dar es Salaam zur Behandlung sind oder für Schwestern in der Ausbildung, reicht der Platz seit einiger Zeit nicht aus. Mit dem zweiten Hauptstadtkonvent in Segerea wurde ein wenig Abhilfe geschaffen. Doch jetzt ergab sich die gute Möglichkeit, ein Grundstück in einem Vorort zu erwerben. Auf einem Hügel, also nicht im Hochwassergebiet und vor allem weht immer ein wenig der Wind. Das ist gut in der Hitze von Dar.

Geplant ist, mittelfristig eine kleine Dispensary mit einigen Entbindungsbetten zu bauen. Goba wird sicher ein spannender Standort. Auf der einen Seite des Hügels beginnt die wachsende Mittelschicht mit dem Bau netter Häuser, umgeben von hohen Mauern. Auf der anderen Seite entstehen illegale Ansiedlungen aus Wellblechhütten und den Materialien, die eben zu finden sind, Lehm, Gras, Müll… Slums werden vermutlich entstehen. Sr. Zeituni erzählt, dass die Menschen sich freuen, wenn die Schwestern bald herziehen.

Es geht los…

Endlich! Wir sind auf dem Weg. Nach Tansania. Baupläne und den Entwurf für die neuen Konstitutionen in der Tasche. Und natürlich Geschenke, Bestellungen, Notwendiges und Dinge, die Freude machen. Hoffentlich.

Wie immer hat jede/r von uns unterschiedliche Erwartungen, Wünsche und Befürchtungen im Gepäck. Sr. M. Karin reist u.a. mit dem Notebook, den Synopsen und Entwürfen der Konstitutionen in der Tasche, das Kirchenrecht in der deutschen und englischen Version darf natürlich nicht fehlen. H. Sigg wurde von K. Gaissmaier mit unseren vielen Fragen zu den schwierigeren Bauprojekten in Mbinga und Mkenda gefüttert. Und ich? Ich nutze den Flug, um mich ein wenig zu sortieren. Es stehen so viele Themen auf der Agenda, nachdem im Sommer ein Besuch ausfallen musste.
Eure/Ihre Gebete und Gedanken werden uns hoffentlich begleiten!

Nairobi? Kenia? Warum eigentlich?

Zwischen all der Aufregung haben sich manche Leser*innen vielleicht gefragt, warum wir wohl nach Nairobi geflogen sind.

Im vergangenen Jahr kam die Anfrage bei der Ordensleitung an, Schwestern nach Kenia in eine Einrichtung für Kinder mit Mehrfachbehinderungen zu senden. Irgendwie hörte es sich wie eine gute Möglichkeit für die wachsenden Gemeinschaft in Tansania an. Deshalb haben wir uns hier jetzt auch mit Sr. Zeituni aus Tansania getroffen, um die Kontakte ein wenig zu vertiefen und die Aufgabe kennen zu lernen.

Inzwischen haben wir uns eines der schon bestehenden Projekte angeschaut, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen geistigen und körperlichen Behinderungen und wir waren wirklich positiv überrascht über die Arbeit dort. Nur 9 von 120 Kindern können die Primary School im Dorf besuchen. Alle anderen werden entsprechend ihrer Möglichkeiten in vier unterschiedlichen Gruppen betreut.

Entsprechend der begrenzten Möglichkeiten werden die Kinder gefördert und sollen den Kontakt zu ihren Familien nicht verlieren, damit sie jederzeit wieder zurück kehren können. Dazu gehört auch, dass sie auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereitet werden und kleinere handwerkliche Dinge erlernen können.

Bevor diese Einrichtung in der Gegend bekannt wurde, fristeten diese Kinder oft im Haus eingeschlossen und versteckt ihr Dasein. Nun erhalten sie in Mbiuni, St. Marys Rehabilitation Centre Förderung und Betreuung.

Eine wirklich wertvolle Aufgabe!

Rosenmontag 2019 – auf dem Weg nach Addis

Unterwegs sind heute viele „seltsame Gestalten“, Piraten, Mönche, Prinzessinnen, Hexen und immer wieder auch Clowns. Ab und zu werden Sr. Gabriele Maria und ich gemustert und es wird überlegt, ob wir wohl echt sind. Ja! Sind wir! Wir sind aber auch nicht auf dem Weg zu einem der Rosenmontagsumzüge im Rheinland. Wir reisen weiter, die erste Etappe führt uns nach Äthiopien.

Wie immer versuche ich mal über den Blog Lebenszeichen von uns zu geben – in der Hoffnung auf Internetverbindung. So detailliert durchgeplant ist unsere Reise dieses Mal nicht, vermutlich werden wir morgen gleich nach Nekemte aufbrechen, denn die Zeit ist knapp bemessen. Wir werden sehen!

Wieder daheim

Die Brezeln zum Heimkommen sind fast schon ein Ritual! Es geht doch nichts über ein herzliches Willkommen daheim!

Kaffee habe ich im Gepäck, viel Mbinga-Kaffee, Post und viele neue Ideen, neue Aufgaben, neue Adressen von Mitstreiterinnen und Mitstreitern… In einer Woche bricht Florian auf nach Tansania, um vor allem beim Aufbau der Verwaltung mit den tansanischen Schwestern weiter zu arbeiten und sie beim Erstellen der Projektberichte zu unterstützen. Deshalb müssen nun die Erfahrungen und Ergebnisse ausgetauscht und die nächsten Schritte geplant werden. So kann die Reise und die Wärme Tansanias und der Menschen dort noch eine Weile in meinem Herzen nachwirken.

Ein echter Traum…

Einen kleinen Schritt zur Verwirklichung eines lang gehegten Traums haben Sr. Janeth und ich heute gemacht. Seit fast zwanzig Jahren setzt die Gemeinschaft St. Egidio in Kooperation mit verschiedenen Gemeinschaften sogenannte DREAM-Projekte in der Subsahara-Zone um. An diesen Orten sollen Menschen, die mit HIV infiziert sind, eine Versorgung erhalten, die ihre gesamte Lebenssituation im Auge hat. Viele der Infizierten leiden zum Beispiel auch an Tuberkulose oder an Unterernährung.

Hier in Iringa fanden wir nun ein hochprofessionelles Labor zur HIV-Diagnostik im gesamten Umkreis von Iringa vor samt einer Dispensary und einer Nahrungsmittelausgabe für Schwangere, Neugeborene und die Patienten, die an Unterernährung leiden.

Lange schon träumen wir dieses Projekt gemeinsam auch in Mbinga umzusetzen, nun haben wir vereinbart, dass Sr. Emma, die für den Bau des Krankenhauses in Kihaha verantwortlich ist, sich die Einrichtung in Iringa anzuschauen, um notwendige Baumaßnahmen gleich zu integrieren.

Es wäre zu schön, wenn wir dieses Projekt tatsächlich in Mbinga realisieren können.

Sprachlos

Heute fällt es mir schwer, zu berichten. Gestern Abend schon haben die Schwestern hier in Ilunda von ihren Ängsten um die Kinder hier im Kinderdorf berichtet. Ganz in der Nähe fand man 12 Kinderleichen, die Organe entfernt. Wieder einmal ist unklar, ob die Organmafia oder irgendwelche pseudoreligiöse Praktiken dahinter stehen. Auf alle Fälle geht es um Geld, ungefähr 6 Mio Schillinge pro Kind, das sind weniger als 3.000 Euro. So viel ist ein Menschenleben wert!

Inzwischen steht ein Wächter auch tagsüber an der Einfahrt des Kinderdorfes, aber die Schwestern wissen, dass dieser Schutz nicht ausreicht.

Heute Morgen nun traf die Nachricht ein, dass in der Nähe unseres Kinderheims St. Katharina in Mbinga eine Frau auf ähnliche Weise ermordet und entstellt wurde.

Und dabei fällt mir wieder auf, dass niemand damit rechnet, dass die Polizei die Bürger in Zukunft vor solchen Gewalttaten schützen wird. Die Polizei lässt sich ihr Knowhow bei der Anstellung und Ausstattung der Wächter zahlen. Aber für alles andere sorgt der Einzelne – oder eben nicht.

Auch die Kinder wissen um die Gefahr und spüren die Angst der Erwachsenen. So gedrückt habe ich die Stimmung hier selten erlebt. Erst am Nachmittag, als die Sonne endlich alles erwärmte, wurde wieder gelacht und getobt.

Zu schnell rennt die Zeit

Sr. Janeth und ich fahren schon wieder durch den Regen. Alles ist grün. Der Mais ist schon fast 50 cm hoch. Es sieht alles so fruchtbar aus.

Heute morgen schon  musste ich Mbinga verlassen. Die letzten zwei Tage standen noch Gespräche auf dem Programm. Vor allem aber war Zeit für die Erfahrungen und die Fragen der drei Freiwilligen. Spannend was die Drei so an ihren Einsatzstellen erleben, wie sie die so ganz andere Kultur erfahren, welche Herausforderungen sie sehen. Und es war mir eine echte Freude zu sehen, wie sie sich diesen Herausforderung und Fragen stellen. Isabel, Jana und Sarah, es hat mir viel Freude gemacht!

Heute Morgen gab es dann doch ein wenig Abschiedsschmerz. Irgendwie war die Zeit zu knapp. Aber wir sehen uns ja irgendwann wieder.