About Sr. Anna-Luisa

Am Ende bleibt dann die Frage: Und wie geht es weiter?

Nun sind viele Informationen, Visionen, Ideen und Adressen ausgetauscht worden und am Ende konnte niemand der alles entscheidenden Frage ausweichen, wie das Erlebte nun im Alltag zum Leben kommt und zwar zum Wohle der Menschen, für die sich diese Tagung stark machen wollte. Mich persönlich hat dabei beeindruckt, dass es gelungen ist, einen so umfassenden Blick auf die Probleme und Herausforderungen zu werfen, dass auch umfassend nach Lösungen gesucht werden kann und es nicht nur dann bei der Frage nach den finanziellen Mitteln endet.

Für uns konkret? In Untermarchtal, Mbinga und Äthiopien? Wir werden uns sicher in Zukunft stärker als Teil dieser vinzentinischen Familie fühlen und hoffentlich auch engagieren. Und wir werden konkret prüfen, ob wir mit einem der Projekte in Tansania ins 13-Häuser-Projekt einsteigen können. Zu Ende ist die Bewegung für uns bestimmt nicht. Es fühlt sich eher wie ein Anfang an!

Präsent an den Brennpunkten

Der zweite Tag hier in Rom führte uns an Brennpunkte auf allen Kontinenten. Neben allgemeinen Informationen, Zahlen zu den Flüchtlingsbewegungen überall auf der Welt und zu der wachsenden Gruppe der Obdachlosen berührten vor allem die Berichte aus den Projekten. Zum Beispiel die Geschichten von dem Vinzentiner aus der Ukraine, der am Tag nach dem die Regierung seines Landes den Kriegszustand ausgerufen hatte, von den Menschen, in seinen Projekten erzählt, die nach der Flucht im eigenen Land alles verloren haben und von Mitbrüdern und Freunden, die täglich in den umkämpften Gebieten Verwandte und Freunde verlieren. Die Berichte aus Südamerika machten auf die langanhaltenden Bürgerkriege und Unrechtssysteme, die Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen vertreiben, aufmerksam. Teilweise Zustände, die sich seit zwanzig Jahren nicht zum Guten verändern. Und Schwestern erzählen von ihren Projekten in Kenia, Simbabwe oder Kamerun, die unseren Projekten in Tansania ähneln. Sr. Karin mit ihrem Bericht über die Willkommenskultur für die Flüchtlinge in Untermarchtal ergänzte das Bild.

Dazwischen werden in Workshops mit kleineren Gruppen Erfahrungen und Adressen ausgetauscht, sich gegenseitig Tipps zum Projektantrag oder zu Unterstützungsorganisationen zugesteckt. So dass das Ziel der Tagung, ein Netzwerk gegen Obdachlosigkeit in einem weiteren Sinn zu schaffen, auf jeden Fall erreicht worden ist. Kein Teilnehmer geht ohne neue Adressen nach Hause – und mit dem Gefühl, viele Mitstreiter überall auf der Welt zu haben.

Ein schöner „Zufall“ – am Abend feierten wir mit der römischen internationalen vinzentinischen Familie das Fest der „Wundertätigen Medaille“ in der gemeinsamen Eucharistie, der Ort, an dem die Anliegen und Nöte, mit denen wir uns während des Tages konfrontiert sahen, vor Gott getragen werden konnten.

 

Rom!

Rom hat einen eigenartigen Zauber an den frühen Abenden in dieser Jahreszeit. So dass es uns nach den Vorträgen und Diskussionen wie magisch nach draußen in die Stadt zieht. Und doch – auch die Vorträge und Diskussionen ziehen uns – trotz Verständigungs- und Verständnisproblemen in den Bann. Drei Personengruppen, die von Heimatlosigkeit betroffen sind und mit diesem Programm angesprochen werden, hat die vinzentinische Familie definiert, Menschen auf der Flucht, Menschen, die auf der Straße leben und Menschen, die in den Slums und Favelas dieser Welt kein sicheres Zuhause haben – mit freiem Zugang zu sauberem Wasser und Elektrizität .

Allein für den Eingangsvortrag des ehemaligen Generalsuperiors Maloney hat sich die Teilnahme gelohnt. Der Bogen wurde gespannt von den biblischen Erfahrungen von Heimatlosigkeit bei Jesus Geburt, über die Initiativen unseres Ordensgründers Vinzenz von Paul und seinen genialen Praktiken zum Fundraising für seine Projekte bis zur sogenannten Idee des Systemic Changes. Besonders diese Denkweise ist ein zentrales Kernanliegen der Tagung. Menschen zu befähigen, sozusagen eine entscheidende Stellschraube zur Lösung des Problems zu identifizieren. Die Idee dahinter ist, wenn die Veränderung an dieser Stellschraube ansetzt, kann sich die gesamte Situation für einen betroffenen Menschen oder eine Gruppe verändern.

In vielen offenen Diskussionen berichten Menschen aus aller Welt, welche Erfahrungen sie mit diesem Modell gemacht haben. Es geht um eine politische Initiative zur Neuregelung der Entlassung von Strafgefangenen in Großbritannien, einem Case-Management-Modell für Obdachlose in Kroatien, ein Flüchtlingsprojekt im Libanon und heute stellt Sr. Karin unsere Arbeit mit den Flüchtlingen im Mutterhaus in Untermarchtal vor. Sehr spannend!

Und am Abend auf den Straßen Roms werden wir dann jeweils mit der Realität konfrontiert. Selten habe ich in Europa so viele Obdachlose gesehen, die gegen Abend ihr Nachtlager aufschlagen. Rund um den Petersdom sind es ganze Familienclans. Diese Spaziergänge am Abend geben der Tagung noch mal eine besondere Dringlichkeit.

Getrennte Wege

Nach dem gemeinsamen Unterwegssein in den letzten zwei Wochen waren die letzten Tage von Trennungen und Abschieden geprägt. Abschied von den Schwestern und den Freiwilligen am Flughafen in Songea. (Im Flugzeug war ich mal wieder überzeugt, dass ich mich auch von diesem irdischen Leben verabschieden muss. Aber das stand noch nicht an. Nur so nebenbei: es war gruselig! Dann hatten wir aber einen so netten Abend in Dar es Salaam – mit einer Einladung zum Essen! Sehr schick! Es wäre schade gewesen, hätte ich den nicht noch erlebt!)

Gestern Nachmittag am Flughafen mussten wir drei uns verabschieden. Sr. Hanna Maria und Florian sind schon früher über Dubai nach Hause geflogen. Sie sind bald schon daheim, während ich gerade im Halbschlaf über die Laufbänder und Rolltreppen, fast wie ein Stück Gepäck, kilometerweit durch diesen Glitzerwelt geschoben wurden und nun auf meinen Flug nach Rom warte. Dort treffe ich Sr. Karin. Gemeinsam werden wir an einer Konferenz der vinzentinischen Familie teilnehmen. Ich versuche, weiterhin zu berichten.

Doch jetzt muss ich noch ein wenig der vergangenen Zeit nachhängen – vielleicht zuvor aber zuerst mal wach werden.

Kämpfen um die Rechte der Gemeinschaft

Vor manchen Gesprächen sollte man autogenes Training  machen oder Beruhigungsmittel nehmen… Zumindest meine Geduld reicht bei manchen Themen einfach nicht aus. Behördengänge und Verhandlungen mit manchen Diözese gehören zu den größten Herausforderungen. Seit fünf Jahren sind wir in unterschiedlichen Gesprächen und Diskussionen zu den Landrechten hier. Heute nun mussten wir zum Rechtsanwalt. Leider ohne ein wirkliches Ergebnis. Uns wurde ein Vertrag vorgelegt für etwas, dass eigentlich klar war. Unser eigentliches Problem wird aber seit Jahren nicht gelöst. Also geht es nun wieder in die nächste Runde. Im Januar werde ich wieder hier sein, dann werden wir vermutlich neue Gespräche führen.

Das Beste am heutigen Gespräch war die Aussicht aus dem Büro. Aus einem der wenigen Hochhäuser in Songea sieht man über die ganze Stadt. Die Regenwolken waren schon fast zum Greifen nah. Und doch kam es auch heute wieder nicht zum Regnen. Also wartet wieder eine stickig, heiße Nacht auf uns.

Austausch

Inzwischen sind wir in Ruhuwiko angekommen. Sarah und Isabel, die beiden Freiwilligen aus Mbinga kamen gleich mit uns. Die zwei Tage hier in der Ruhe des Gästehauses wollen Sr. Hanna Maria und ich nutzen, um an  den Konstitutionen weiter zu arbeiten und die Ergebnisse der  Tage in Mbambabay verarbeiten. Florian Hecke und Sr. Gloria bereiten die Administration für den Bau des Wasserprojektes vor und wir wollen die Tage nutzen, um mit den Freiwilligen die Erfahrungen aus den ersten drei Monaten in Tansania zu teilen.

Schön von Jana, Sarah und Isabel zu hören, gemeinsam über die Erfahrungen zu lachen und die Herausforderungen zu diskutieren und nach Möglichkeiten zu suchen, um die Eindrücke und Fragen zu verarbeiten. Vielfältig sind die Erlebnisse und Erfahrungen. In drei Monaten passiert viel und es fühlt sich an, als wären sie gut angekommen. Viele Erfahrungen ähneln sich an den verschiedenen Einsatzstellen, manches unterscheidet sich. Alle drei Freiwilligen arbeiten mit Kindern zusammen. Sarah ist in St. Loreto eingesetzt, Isabel in St. Katharina, Jana lebt hier in Ruhuwiko.

Wolken über Mbinga

Ausgerechnet heute! Dunkle Wolken sammeln sich jetzt langsam über Mbinga. Die ersten Vorboten für die Regenzeit. Doch so richtig mag es noch nicht regnen. Dabei wird es jeden Tag noch heißer und schwüler. Und nun haben die Arbeiter an der neuen Straße nach Mbambabay auch noch heute Vormittag die Wasserleitung der Shirika (Gemeinschaft) durchtrennt. Am Nachmittag kamen die letzten Wassertropfen an. Seitdem sind wir hier alle ohne Wasser. Kein Mensch hatte die Schwestern informiert. Sr. Maria Agnes und Sr. Stefania machten sich dann auf den Weg, das Leck zu suchen und wurden dann schnell  bei der Baustelle fündig. Plötzlich konnten die chinesischen Bauarbeiter weder Kisuaheli noch Englisch verstehen, doch Sr. Maria Agnes fand ziemlich schnell das Problem. Inzwischen haben sie versucht, mit einem Stück Rohr das Leck zu überbrücken, sodass wir hoffentlich im Laufe der Nacht wieder Wasser haben.

 

Ein wichtiger Schritt!

Unser erster Haushaltsplan für die Region Mbinga ist fertig und mit der Regionalleitung durchgesprochen. Naja, zumindest der Entwurf. Tagelang saßen Sr. Martina und Sr. Miriam mit Florian Hecke zusammen und sammelten die Informationen aus den Kassenbüchern, aus den Abrechnungen, stellten eine Liste mit den geplanten Projekten zusammen und rechneten und rechneten…

Heute wurde nun alles, in Tabellen aufbereitet, der Regionalleitung  präsentiert. Ziemlich schnell wurde klar, dass es nun darum geht, Prioritäten zu setzen. Denn für alle Projektvorhaben reichen die Ressourcen nicht aus. Weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen! Einige Schwesternhäuser müssen renoviert werden. Das wird eine der Herausforderungen für das nächste Jahr. Aber auch die laufenden Kosten für die sozialen Einrichtungen machen uns Sorgen. Begonnen hat es in den Kindergärten. Die Farmer in den ländlichen Gebieten erhalten zur Zeit so wenig Geld für ihre Ernte, wie schon lange nicht mehr, da seit kurzem der Markt staatlich reguliert wird. Das bedeutet, dass zuerst an den Kindergartengebühren gespart wird. Verständlich. Doch auch die Schwestern, die im Gesundheitswesen arbeiten, berichten, dass die Familien sich inzwischen auch mitden Kosten für die Versorgung im Krankheitsfall einschränken müssen. Für unseren Haushaltsplan bedeutet das, wir müssen Puffer einplanen.

Trotz allen Herausforderungen, es ist ein großer Schritt, den wir nun gemeinsam getan haben!

Abendstimmung

Samstagsabend wird der Rosenkranz an der Grotte gebetet. Währenddessen geht die Sonne unter, leider sind die Flughunde noch nicht da. Die Regenzeit hat noch nicht begonnen. Wenn die Flughunde da sind, ziehen sie meistens während des Rosenkranzes ihre erste Runde. Eine ganz besondere Stimmung!

Sr. Katharina (siehe Bild) unterstützt das Leben und die Sendung der Gemeinschaft durch ihr Gebet, nicht nur am Abend mit den anderen Schwestern an der Grotte, auch während des Tages. Ein wichtiger Auftrag in einer Gemeinschaft – und für die ganze Kirche.

 

 

Konstitutionen – hartes Stück Arbeit in traumhafter Gegend

Ein harter Workshoptag geht zu Ende. Von der Wahl zur Provinzoberin bis zur Verwaltung der zeitlichen Güter sind wir durch das Kirchenrecht gekrochen, haben den ersten Entwurf  der Konstitutionen vorbereitet, geschaut, welche Inhalte für alle Schwestern gelten könnten und welche Themen an die jeweilige Kultur angepasst werden, haben Entwürfe verglichen, Inhalte hinzugefügt und andere wieder gestrichen, uns um die passende Übersetzung bemüht und dazwischen immer wieder kräftig gestöhnt und geseufzt, uns geärgert und manchmal über uns selbst gelacht. Und das in einem Seminarraum durch dessen Fenster das scheinbare Paradies lockt. Der Lake Niassa winkte den ganzen Tag über blau zu uns herauf und das Geräusch der leichten Wellen versuchte uns sanft zu beruhigen. Am Abend aber war die Luft raus und eine kleine Abkühlung im See der Lohn für die zähe Arbeit. Gekocht wird hier köstlich, auch das macht es ein wenig leichter.

Plötzlich haben wir dann gemerkt, dass wir doch ein gutes Stück weiter gekommen sind. So können wir morgen beruhigt zurück nach Mbinga fahren, allerdings ist noch ein gutes Stück Arbeit in unseren Koffern.