About Sr. Anna-Luisa

Neustart in Ambo

Auf unserem Trip zurück nach Addis Abeba wollten wir uns eigentlich ausreichend Zeit für den neuen Konvent in Ambo nehmen. Aber zuerst dauerte es ewig, bis wir loskamen, denn es musste noch einiges für die Ausstattung des Konvents gekauft und auf dem Pick-up verladen werden und unsere Hupe funktionierte nicht. Und ohne Hupe kann ein Auto auf diesen Straßen unmöglich fahren. Esel, Schafe, Hunde und nicht zuletzt Menschen verschwinden ohne Hupe gar nicht von der Fahrbahn und mit Hupe oft auch nicht sofort! Bei der zweiten Werkstatt waren wir dann erfolgreich. Wir konnten also mit Hupe unsere Reise starten. Dass sie an diesem Tag besonders wichtig wurde, zeigte sich dann bald. Irgendwie gerieten wir in eine größere politische Kundgebung, die, Gott sei Dank, sehr friedlich verlief. Vor wenigen Monaten war das Risiko für Ausschreitungen größer gewesen. Doch mit Hilfe einiger Jugendlicher und unserer Hupe kamen wir durch den Menschenauflauf.

Überall spürte man die nahenden Feiertage. Tiere wurden zum Markt getrieben, Menschen waren unterwegs, Autos und Busse vollgestopft. Schließlich wird am Dienstag nach dem äthiopischen Kalender Neujahr gefeiert. Vielleicht sogar das größte Fest in Äthiopien.

Spät kamen wir in Ambo zum Mittagessen an und kurze Zeit darauf war dann auch schon das erste Gespräch zur Zukunft des Kindergartens. Der verantwortliche Kirchengemeinderat klärte uns über die knappe finanzielle Situation auf und fragte nach, ob wir die Möglichkeit hätten, Kinder aus armen Familien mit Stipendien zu unterstützen. In der Kirchengemeinde gäbe es Familien, die von Lepra betroffen sind. Wir vereinbarten, dass wir versuchen, mit zehn Stipendien zu beginnen und zehn Kindern aus diesen Familien eine Möglichkeit zum Besuch des Kindergartens zu ermöglichen. Wenn wir mehr Unterstützer finden, können wir die Zahl erhöhen. Hinzu kommen vier Kinder, die im Moment im Gefängnis bei ihren Müttern leben. Sie werden, so erzählte er uns, jeden Morgen von einem Polizisten Gebracht und am Abend wieder abgeholt. Diesen Kindern müssen wir auf jeden Fall die Chance geben, für einige Stunden aus der sicher trostlosen Situation des Gefängnisses zu entkommen.

Vor Schuljahrsbeginn stehen noch einige Reparaturen an, nicht nur im Kindergarten auch im Schwesternhaus. Doch alle sind sehr zuversichtlich. Die Anmeldungen für das neue Schuljahr laufen. Die Kinder werden kommen und Sr. Katharina freut sich sehr auf die Herausforderungen.

Spät am Abend kamen wir ziemlich gerädert in Addis an. Gott sei Dank hatten wir den Puffer eingeplant und mussten nicht direkt zum Flughafen. So haben wir heute noch Zeit für unsere letzten Gespräche und können dann in Ruhe gegen Abend zum Flughafen fahren.

Gemeinsam Schritt für Schritt…

Nach dem wir gestern mit dem Bischof noch die nächsten Schritte planen konnten, ergab sich sehr spontan die Möglichkeit mit dem Projektkoordinator der Diözese ins Gespräch zu kommen. Super, jetzt ist endlich der Kontakt hergestellt. Er konnte uns noch mal ganz viele Details der Arbeit erklären und mich auf einige juristische Eigenheiten in Äthiopien aufmerksam machen, zum Beispiel auch bei der Einfuhr von Autos. Außerdem konnten wir die Anschubfinanzierung des Projekts in Ariajavi vorbesprechen und die Möglichkeit eines langfristigen Businessplans . Zu merken ist, dass er ganz auf die Arbeit  mit Mikrokreditfinanzierung durch Frauen setzt und dabei auch gute Erfahrungen gemacht hat. So wollen wir das dann nach der Ausbildung der Frauen als Schneiderinnen auch mit der Ausstattung der Frauen mit Nähmaschinen versuchen. Spannend!

Am Nachmittag saßen wir wieder über den Bauplänen und diskutierten die zukünftige Einrichtung – von der Größe des Altars in der Kapelle bis zum Schreibtischstuhl. Die Einkaufsliste für Sr. Sara ist lang und fertig sind wir noch nicht. Doch heute geht’s erst mal zurück nach Addis Abeba. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag!

 

 

 

 

 

 

 

Das Projekt in Ariajavi steht in den Startlöchern

Bei mir hat es richtig große Freude ausgelöst, die Schwestern trauen ihrem eigenen Mut noch nicht und noch weniger den Hilfsorganisationen, an die sie die Projektanträge geschickt haben. Aber ich bin sicher, gemeinsam werden wir das Projekt wieder zum Leben bringen.

In Ariajavi, wenige Kilometer von Nekemte entfernt, wurde vor etlichen Jahren ein Projekt für Jugendliche mit körperlichen Behinderungen aufgebaut. Ein Schuh- und Schneiderwerkstatt entstand samt Internat. Das Internat wurde gar nie bezogen, außer von den Mäusen, die sich in den neuen Matratzen einnisteten. Die Werkstätten wurden für eine kurze Zeit in Betrieb genommen. Die Schwestern, die für das Projekt verantwortlich waren, gingen in ihr Heimatland zurück, niemand war da, der die Verantwortung hätte übernehmen können. Seit einigen Jahren versuchen nun unsere Schwestern, das Projekt aus dem Dornröschenschlaf zu holen und vor dem totalen Verfall zu retten. Doch zuerst musste eine der Schwestern eine entsprechende Ausbildung machen. Jetzt ist es endlich soweit. Denn inzwischen ist Sr. Rahel ausgebildete Schneiderin und hat ein Praktikum in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gemacht. Mit einigen Menschen aus der Gegend ist sie dabei, das Internat auf Vordermann zu bringen, die Mäuse, Spinnen und anderes Getier zu vertreiben, die Nähmaschinen zu checken und gegebenenfalls zu reparieren, einfach alles für die Inbetriebnahme vorzubereiten. Ein Projektantrag für die nötigen Fördermittel zum Start ist bei verschiedenen Hilfsorganisationen eingegangen, wir werden das Projekt auch für die Homepage vorbereiten… nun fehlen also nur noch die Spender. Denn die jungen Frauen mit Behinderungen warten schließlich schon auf ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz und damit verbunden eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

 

 

 

 

 

 

 

Für die Zukunft bauen

In Gari soll das Zentrum der jungen Gemeinschaft entstehen. Vor anderthalb Jahren haben Schwester Elisabeth und ich dort zwei kleine Bäume gepflanzt, die übrigens gut angewachsen sind und prächtig gedeihen. Ein kleines Wunder für mich!

Inzwischen entsteht dort ein erstes Gebäude. Als Noviziatsgebäude geplant ist der Rohbau bald vollendet. Es war also höchste Zeit noch mal die Gesamtkonzeption zu diskutieren, die Planung anzupassen, die Baufortschritte zu begutachten und manches zu ergänzen. So war also als erst einmal eine Baustellenbesichtigung angesagt. Vermutlich haben alle Beteiligten in erster Linie viel dazu gelernt. Gegen Abend sind wir mit Sr. Sara noch mal intensiv mit den Plänen über der Gesamtkonzeption gesessen und müssen nun einiges in der Planung anpassen. Gott sei Dank sind wir gerade noch rechtzeitig gekommen. Heute Morgen sitzen wir mit dem Bauunternehmer seit einer Stunde über den Bauplänen, diskutieren Steckdosen, Telefonleitungen etc. Wieder geht es darum, gegenseitiges Verständnis zu schaffen, für die Zukunft zu planen, Wünsche abzugleichen, zu ermutigen und dabei aber auch realistisch zu bleiben und den zukünftigen Auftrag des Hauses im Blick zu haben, zum Beispiel muss das Klassenzimmer auch für zukünftige Meetings der internationalen Gemeinschaft zu nutzen sein. Also muss ein Internetanschluss ins Klassenzimmer. Die Küche dagegen muss so konzipiert sein, dass bei Stromausfall auch im Garten gekocht werden kann, das heißt, wir brauchen eine Tür Richtung Garten usw. Doch wo die Tür planen unter Beachtung der Installation und der Fenster? Sr. Sara und ich erleben, dass es gar nicht so einfach ist, Bauherrin zu sein. So viele Entscheidungen, puh! Aber es ist eine Freude zu sehen, wie alle in die neue Rolle reinwachsen!

Direkt nach Nekemte

Nachdem unser Flug und die Ankunft so problemlos verliefen, entschieden wir uns nach einem Frühstück im Schwesternkonvent in Addis Abeba gleich weiter nach Nekemte zu fahren. Vielleicht hätte ich vorher noch mal die Federung der Autositze und die Stoßdämpfer kritisch in die Entscheidungsfindung einbeziehen sollen. Auf alle Fälle ist die Straße in den vergangenen vier Wochen noch mal richtig in Mitleidenschaft durch die Regenzeit gezogen worden. Inzwischen ist es in Teilen eine Schotterpiste mit riesigen Schlaglöchern. Ziemlich zerschlagen kamen wir am Abend in Nekemte an.

Unterwegs haben wir nun das erste Mal im neuen Konvent in Ambo Halt gemacht. Sr. Katharina und Sr. Ester halten die Stellung. Die Anmeldungsphase für den Kindergarten hat begonnen. Sr. Katharina freut sich über jedes Elternteil, das ihr und dem Neubeginn mit der Anmeldung das Vertrauen ausgesprochen wird. Schön zu sehen, wie sie sich auf den Start mit den Kindern freut.

Blog zur Äthiopienreise – ein neuer Versuch

Und schon wieder auf dem Weg nach Addis Abeba. Ich hoffe nur, dass es dieses Mal mit der Internetverbindung und dem Blog besser klappt. Auf alle Fälle ist das Anliegen unserer Reise den Versuch zu schreiben wert. Dieses Mal stehen begonnene und zu planenden Bauprojekte auf dem Programm. Deshalb habe ich zur Unterstützung einen unserer Architekten dabei. Spannend wird es auf alle Fälle – mit einem Experten zwischen den Bauprojekten in Addis Abeba und dem Baustil in den ländlichen Regionen unterwegs zu sein. Ich freue mich schon auf viele neue Begegnungen und Erkenntnisse.

 

Ambo

Und nun übernehmen die Schwestern tatsächlich eine Schwesternstation von einer anderen Gemeinschaft. Lange Zeit führten Schwestern der Hl. Anna einen Kindergarten und ein Internat für Mädchen in Ambo. Seit etlichen Jahren wurde es aber immer schwieriger für sie, die Einrichtung und den Konvent aufrecht zu erhalten. Viele Dinge kamen wohl zusammen, unter anderem kommen die Schwestern aus einer anderen Region und sprechen die lokale Sprache nicht, Dann kam es in den letzten Jahren immer wieder zu politischen und ethnischen Auseinandersetzungen in der Universitätsstadt Ambo und zweimal waren die Schwestern in Autounfällen verwickelt, beim letzten Unfall starben vier Schwestern.

Und nun sind Sr. Margret, Sr. Katharina und Sr. Rose so mutig und treten in die Fußstapfen der Schwestern. Am Montag fand die Schlüsselübergabe statt. Beeindruckt waren wir von der Ordnung und Freigebigkeit, in der die St.-Anna-Schwestern die Station verließen. In den nächsten Wochen haben die Schwestern Zeit sich einzurichten, bevor dann im September das neue Schuljahr beginnt.

Endlich! Das Noviziatshaus entsteht!

Lange wurde es diskutiert, zuerst der Zeitpunkt, dann immer wieder neu der Standort und nicht zuletzt der Bauplan… das Noviziatshaus in Gari, einem Vorort von Nekemte. Im Frühjahr waren wir dann soweit und haben den Bau begonnen. Nun spricht der Architekt von der Fertigstellung in viereinhalb Monaten. Na, ob das klappt??? Nichtsdestotrotz kann sich der Bau wirklich sehen lassen…

Sonntag – Gesprächstag

Am Sonntag standen dann verschiedene Gespräche und eine Versammlung mit allen Schwestern an. Versetzungen wurden vorbereitet, Einsätze diskutiert, Ausbildungsprogramme vorbesprochen… ein guter Tag! Und dazwischen gab es immer noch viel Zeit zum Lachen, Schwätzen, Fotos machen und das Fest ausklingen lassen.

Die erste Profess in der Sub-Region

Während am Freitag eher bescheidener und im kleinen Rahmen gefeiert wurde, kam es am Samstag zum großen Fest. Sr. Helen und Sr. Rose legten ihre Gelübde ab und wurden damit Mitglied der Sub-Region und unserer Kongregation. In einer Prozession, die wegen einem heftigen Regenguss etwas kleiner als gewünscht ausfiel, wurden die beiden in die sogenannte „Kathedrale des Vikariats Nekemte“ geleitet. Mit dem Rottenburger Dom sind wir ja nicht wirklich verwöhnt, aber die Kathedrale in Nekemte gleicht doch auch eher einer mittleren Dorfkirche. Bei einer Katholikenzahl von weniger als 1 Prozent in Äthiopien ist das kein Wunder.

Vor dem Altar angekommen, segneten die Eltern der beiden Schwestern ihre Töchter und übergaben sie damit auch der Kongregation. Ein sehr berührender Moment…

Nach einem sehr schönen Gottesdienst wurden alle Besucher zu Kaffee und Brot in die Gemeindehalle gebeten und anschließend fuhren alle eingeladenen Gäste ins Schwesternhaus. Dort wurde in vielen Töpfen traditionelle äthiopische Gerichte aufgetischt. Außer in der Kapelle und in den Schwesternschlafzimmern waren überall Bänke aufgestellt. Mit dem Teller auf dem Schoß fanden den ganzen Nachmittag Gäste einen Platz. Ab und zu mussten Teller nachgespült werden, Besteck brauchte – außer uns – so gut wie niemand. Zu trinken gab es neben Wasser und Soda auch eine Art Met oder Honigwein mit einem geringen Alkoholanteil. Wenn die Gäste satt waren und gratuliert hatten, machten sie sich auch bald wieder auf den Heimweg. Immerhin ist Regenzeit und jeder ist froh, heil heim zu kommen. Und außerdem gab es auf diese Weise auch immer Platz für nachkommende Gäste.

Am Abend hätten sich dann ein ganzer Stall voll Hühner von den Resten auf dem Fußboden satt essen können. Doch dann wurde erst noch einem im Kreis der Schwestern gefeiert und getanzt. UndSr. Helen und Sr. Rose gingen sehr glücklich an diesem Abend zu Bett.