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Abschied in großer Herzlichkeit (Gastautor: Dr. T. Broch)

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In der Hauskapelle des Gästehauses im Mbambabay wird an diesem Morgen gleich zweimal die Eucharistie gefeiert: um 7 Uhr mit Weihbischof Boom und den Würzburger Gästen auf Deutsch, anschließend um 7.30 Uhr mit Fr Celestin, dem Bischofssekretär aus Mbinga, in Kisuaheli mit den einheimischen Schwestern des Hauses. Solchermaßen geistlich gestärkt und – wenigstens einige von uns – erfrischt durch ein morgendliches Bad im Nyassa-See, nehmen wir das Frühstück ein, um uns dann doch nicht sofort auf die Rückfahrt nach Mbinga zu machen. Sr Martina und Sr Maria Pia hatten noch um Aufschub bis 9.30 Uhr gebeten – warum, das erfahren wir alsbald: Wir werden noch einmal in den Recreation-Room gebeten, und dort bringen Schwestern und Personal des Hauses Sr Anna-Luisa mit Jubel, Gesang und Tanz ihre Glückwünsche zum Geburtstag dar und überreichen uns allen ein Abschiedsgeschenk, sehr schöne Kangas, die die Schwestern am Morgen noch im Dorf erstanden haben.

Dann heißt es Abschied nehmen: von den liebenswürdigen Menschen im Gästehaus und vom wunderschönen Nyassa-See. Die Fahrt führt wieder hoch ins fruchtbare Bergland mit letzten Ausblicken hinab zum See, vorbei an Bananen- und einigen Weizenfeldern und durch Kaffeeplantagen, für deren Arbeiter neue Siedlungen angelegt worden sind.

Nach Nyoni verlassen wir die bereits bekannte Route und machen einen Abstecher nach Litembo, um der renommierten und für die Region sehr wichtigen Klinik dort einen Besuch abzustatten, die bereits vor Jahrzehnten von der deutschen Ärztin Dr. Irmgard Weyer aufgebaut worden ist. Das markante Bergmassiv des Tembo, das an einen Elefanten erinnert und dem Ort seinen Namen gibt, hat uns schon über eine längere Wegstrecke hinweg den Weg hierher gewiesen. Eingeladen hatte uns Fr. Rafael, der Klinikmanager und Koordinator des diözesanen Gesundheitswesens in der Diözese Mbinga, als wir ihn einige Tage zuvor im Bischofshaus in Mbinga getroffen haben. Heute ist hier allerdings eine gewisse Aufregung zu spüren, denn ebenfalls wird auch die Würzburger Reisegruppe mit Weihbischof Boom erwartet. Sie ist bereits vor uns in Mbambabay aufgebrochen, wird aber wegen einiger Zwischenstationen erst nach uns hier eintreffen. Unser Besuch passt irgendwie nicht richtig ins Programm. Wir werden von einer leitenden Krankenschwester durch die große Klinik mit ihren diversen Abteilungen geführt: durch den chirurgischen Bereich mit OPs, Augen- und Zahnklinik, durch die Entbindungs- und Säuglingsstation, vorbei an dem neuen CTC-Beratungszentrum für HIV-Infizierte und Aids-Kranke, mit einem Blick zu den inneren Abteilungen. Eine Hebamme trägt ein Neugeborenes an uns vorbei, das gerade mit Kaiserschnitt entbunden worden ist. Florian Hecke kann by the way gleich ein paar verwaltungstechnische Fragen klären. Alles in allem macht das Krankenhaus einen professionell geführten Eindruck – und dennoch ist es gut, dass in Kihaha eine eigene Klinik für die Bevölkerung von Mbinga gebaut wird, deren Rohbau-Besichtigung bereits zu Beginn unserer Reise auf dem Programm gestanden ist. Sie wird zwar eine Konkurrenz zu Litembo darstellen, aber man mag sich nicht vorstellen, welche Strapazen der lange Anfahrtsweg auf der unvorstellbar schlechten Straße für Verletzte, für Schwerkranke, für Schwangere bedeutet, die bislang alle den Transport von Mbinga hierher überstehen müssen. Wir sind immerhin noch über eineinhalb Fahrstunden von der Distrikthauptstadt entfernt.

Wir verlassen Litembo, bevor die Würzburger eintreffen. Der Kirchturm der Klosterkirche der Vinzentinerinnen von Mbinga, exponiert gelegen, taucht in der Ferne auf. Gegen vier Uhr treffen wir für einen letzten Aufenthalt hier ein. Sr Kaja ist gerade dabei, mit ihren Schülerinnen die Blumenrabatte für unseren Empfang zu pflegen. Ohne verspätetes Mittagessen geht es natürlich nicht, dann noch ein Cappuccino im Café in der Stadt, ein paar Geschenke für die Schwestern einkaufen, Koffer packen, Duschen, denn am nächsten Morgen ist bereits für 5.30 Uhr das Frühstück angesetzt, und zwischen 22 und 5.30 Uhr gibt es kein elektrisches Licht oder allenfalls den Schein der Taschenlampe.

Der Abend wird noch einmal zu einem Höhepunkt. Um sieben Uhr sind wir im großen Refektorium der Schwestern zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Auch Fr Binoy, der Hausgeistliche aus der Diözese Ernaculam im indischen Kerala, ist dabei. Wie die Schwestern vom Geburtstag von Sr Anna-Luisa erfahren haben, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wird er mit großem Jubel als Fest gefeiert: Sie muss Geburtstagskuchen anschneiden und an alle austeilen, Rotwein ausschenken und überhaupt viel Gesang und Glückwünsche entgegen nehmen. Wir alle bekommen sorgsam verpackte Geschenke überreicht – Schnitzereien, wie sich später herausstellt, und ein gesticktes Bild. Die Atmosphäre von Freude und Herzlichkeit, die den Abend bestimmt, lässt sich kaum angemessen in Worte fassen. Ein schönes Fest.